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Hannelore Unterberg

Hannelore Unterberg
* 28. Dezember 1940
Altenburg (Thüringen)
Deutschland

HANNELORE UNTERBERG • Biographie Seite 1/1

Hannelore Unterberg entscheidet sich früh für den Kinderfilm. Sie möchte Kindern mit ihren Filmen phantasievolle Anregungen geben, sich spielend ein Stück Wirklichkeit anzueignen. Es sind in den meisten Fällen Gegenwartsgeschichten, die die Regisseurin erzählt: über Musik, über die erste Liebe, über Solidarität und Vertrauen. Mit VEFRLIXTES MIßGESCHICK (1989) wendet sie sich auch einem Märchenstoff zu, der einfallsreich und frisch inszeniert ist.

Hannelore Unterberg wird am 28. Dezember 1940 in Altenburg als Hannelore Neupert geboren. Ihr Vater arbeitet als Wirtschaftskaufmann, ihre Mutter ist Lehrerin. Die Ehe der Eltern scheitert. Ihre Mutter erzieht sie und ihre zwei Brüder allein. In ihrer Schulzeit spielt sie in einer Laienspielgruppe, ist zudem Mitglied eines kleinen Puppenspielensembles. Außerdem zeigt sie musikalisches Talent, spielt Klavier und Geige. Nach der Schule, die sie mit der 8. Klasse abschließt, beginnt sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und wird 1957 Hortleiterin der Zentralschule Lehndorf. Hier ist sie besonders im musischen Bereich tätig: ruft eine Laienspiel-, eine Kabarett- und eine Musikgruppe ins Leben. Nebenbei absolviert sie ein Fernstudium und wird Unterstufen-Lehrerin. In einem folgenden Sonderstudium am Institut für Musikerziehung in Berlin-Weißensee erweitert sie ihr Wissen und wird Oberstufen-Lehrerin.

1967 beginnt sie ein Studium im Fachbereich Regie an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Bereits während ihres Studiums beschäftigt sie sich mit dem Kinderfilm, entscheidet sich früh für dieses Genre. In der "Aktuellen Kamera" läuft ihr kurzer Beitrag über das Vorschulschwimmen für Kinder in Rathenow. Nach dem Gedicht von Peter Hacks "Der Flohmarkt von Paris" inszeniert sie einen Trickfilm für Kinder. Auch ihr Hauptprüfungs- wie ihr Diplomfilm sind Kinderfilme. In dem Film DER MANN UND DER KLEINE JUNGE (1970) verfilmt die Regisseurin eine Geschichte von Gerhard Holtz-Baumert. 1971 schließt sie ihr Studium mit dem Märchen VON EINEM, DER AUSZOG DAS LÜGEN ZU LERNEN (1971) ab.

Nach dem Studium erhält Hannelore Unterberg ein Stellenangebot vom Fernsehen der DDR. Sie hat die Möglichkeit, bei den populären Serien "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort" Regie zu führen. Aber sie lehnt ab, will weiter Filme für junge Zuschauer produzieren. Schließlich holt Walter Beck, damaliger Leiter der Dramaturgengruppe "Berlin" und selbst Kinderfilmregisseur, sie als Dramaturgie-Assistentin in sein Team, mit der Option, einen eigenen Film für Kinder zu entwickeln. Von 1972 bis 1976 arbeitet sie als Assistentin, ist unter anderem bei der deutsch-tschechischen Koproduktion DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL (1974) unter der Regie von Vaclav Vorlicek dabei. Hannelore Unterberg stellt zudem die deutsche Synchronfassung der erfolgreichen Märchenverfilmung her. Als Regie-Assistentin arbeitet sie bei Rolf Losansky an dem Film VERDAMMT, ICH BIN ERWACHSEN ... (1974) mit.

Während ihrer Assistentenzeit bereitet Hannelore Unterberg ihren ersten eigenen Film vor. Das Musical für Kinder KONZERT FÜR BRATPFANNE UND ORCHESTER (1976) erzählt die Geschichte einiger Kinder eines Neubauviertels, die mit verschiedenen Gegenständen herrlich viel Lärm machen können und später mit einem Orchester wunderbare Musik. Der Film ist einer der wenigen DEFA-Beiträge, der dem Musizieren eine außerordentliche Rolle zuweist. Er offenbart zwar einige dramaturgische Lücken, überzeugt aber durch seine phantasievollen Ideen und kreativen Einfällen. Durch brillante Animation werden die Gegenstände lebendig gemacht, binden sich in die realen Filmbilder ein. Ihr nächster Film EIN MÄDCHEN AUS SCHNEE (1979) handelt von einer Phantasiegestalt. Der 10-jährige Peter erträumt sich ein Mädchen aus Schnee, das beim nahenden Frühling bedroht wird und von ihm nicht gehalten werden kann. Die Regisseurin beweist Sensibilität im Umgang mit den Kindern, nimmt sie ernst. Der Film weist allerdings einige Schwächen auf, besonders schwierig ist es für die Kinder, zwischen den geträumten und den realen Erlebnissen zu unterscheiden.

Nach einem Hörspiel von Waltraud Lewin entsteht ISABEL AUF DER TREPPE (1984). Erzählt wird von einer chilenischen Emigrantenfamilie, die es in der DDR nicht einfach hat. Thema des Kinderfilms ist die Solidarität; er scheut sich nicht, das offizielle Bild mit der problematischen Realität in Widerspruch zu setzen und wirkliches solidarisches Verhalten einzufordern. In der Herstellungsphase gibt es Diskussionen, Auflagen zur Änderung einiger Szenen lehnt die Regisseurin ab. Der Film kommt wie sie ihn geplant hat in die Kinos, wird von der Kritik nicht besonders gelobt, aber von den jungen Zuschauern positiv aufgenommen. Eine weiterführende Arbeit, die gemischt-nationale Ehen in der DDR zum Thema hat, wird bereits in der Stoffentwicklung abgelehnt. Sie dreht dafür DER JUNGE MIT DEM GROßEN SCHWARZEN HUND (1985) einen Film über den 10-jährigen Ulf und seinen Neufundländerhund Nepomuk, der nicht in eine Neubauwohnung passt. In ... ICH DACHTE, DU MAGST MICH (1986) verliebt sich die 11-jährige Lena während eines Aufenthalts im Kinderferienlager in den ein Jahr älteren Wolfgang. Aber die Erwachsenen stört das Verhältnis.

Ihr letzter DEFA-Film wird DAS VERFLIXTE MIßGESCHICK (1989) nach dem Märchen "Wer das Unglück meistert, findet das Glück" von Samuil Marschak. Das Mißgeschick treibt mit jedem seinem Schabernack, hüpft von einem zum nächsten. Der Film wird zum Erfolg, ist mit Spaß und Witz, frisch und abwechslungsreich sowie mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Besonders die darstellerischen Leistungen des Mißgeschicks (Carmen-Maja Antoni) und des Kaufmanns Habermoos (Kurt Böwe) werden gelobt. Die einfallsreiche Ausstattung des Films trägt zu dem Erfolg mit bei.

Nach dem Zusammenbruch der DDR hat es die Regisseurin schwer, im gesamtdeutschen Filmbereich einzusteigen. 1991 wird sie mit Abwicklung der DEFA gekündigt. Arbeiten kommen für das Fernsehen zustande. Eines der letzten Werke für das Fernsehen der DDR wird DER LETZTE WINTER (1991) nach dem Kinderbuch "Neunfinger" von Maria Seidemann, der von einem 12-jährigen Jungen erzählt, der bei einem Autounfall seinen Vater verliert. Seine Mutter ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Der Film, ausgestrahlt bei der ARD, passt nicht ins Familienprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender, ist zu kompliziert und schwer. Für KARFUNKEL, eine mittlerweile eingestellte Kinderfilmreihe des ZDF, stellt sie drei Filme her, wobei DAS MÄDCHEN AUS TSCHERNOBYL (1994) , ein abgelehnter Kinostoff, besonders erfolgreich ist. Hier begreift ein deutscher Junge nach und nach die tragischen Konsequenzen der Atom-Katastrophe von Tschernobyl. Hannelore Unterberg schreibt mehrere Drehbücher, die keine Filmförderer und Geldgeber finden. Bei drei kleineren Filmen hat sie hinsichtlich der Finanzierung Erfolg. Der TV-Film EIN BERNADINER NAMENS MÖPSCHEN (1997) erzählt von einem Hund, der in den 20er Jahren im Märkischen durch die Gegend streift. 2003 erscheint ihr bisher letzter Film WIR SIND DIE KINDER VON DER HERDER-SCHULE (2003) .

Die Regisseurin engagiert sich immer wieder für den Kinderfilm. Sie ist aktiv in der Arbeitsgruppe "Filme für Kinder" der Sektion Spielfilm im Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Von 1981 bis 1983 ist sie Leiterin der Gruppe.

Hannelore Unterberg hat zwei Söhne, Tobias (geb. 1968) und Felix (geb. 1979). Tobias Unterberg ist Musiker, unter anderem Mitglied der Bands "The Inchtabokatables", "Deine Lakaien" und "Mila Mar". Die Familie lebt in Potsdam.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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