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Robert Wiene

Robert Wiene
Regie, Künstlerische Leitung, Drehbuch, Darsteller

* 27. April 1873
Breslau (heute Wroslaw)
Deutschland (heute Polen)
† 17. Juli 1938
Paris
Frankreich

ROBERT WIENE • Biographie Seite 1/1

Er ist der Regisseur von DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920). Dieser Film führt den deutschen Stummfilm international in seine erfolgreichste Phase, aber der Name des Regisseurs wird leider häufig vergessen. Doch Robert Wiene hat an über 90 Filme mitgearbeitet. Erst in den letzten Jahren wird seine Bedeutung für den deutschen expressionistischen Film deutlich.

Robert Wiene wird am 27. April 1873 in Breslau (heute Wroclaw, in Polen) geboren. Er ist der Sohn des erfolgreichen Wiener Schauspielers und Übersetzers zeitgenössischer Bühnenstücke Karl Wiene. Die Mutter ist Pauline Loevy, die aus Bratislava stammt. Sein jüngerer Bruder Conrad Wiene wird später genauso wie Robert als Regisseur und Drehbuchautor und auch wie sein Vater als Schauspieler tätig sein. Häufig werden sie auch zusammenarbeiten. Da der Vater an vielen deutschsprachigen Bühnen arbeitet, verbringen die Brüder ihre Kindheit in Breslau, Hannover, Wien, Stuttgart und Dresden.

1894 geht Robert Wiene nach Berlin und beginnt ein Jurastudium. Im selben Jahr wechselt er an die Universität Wien und belegt Rechtsgeschichte, Zivil- und Kirchenrecht. Aber auf dem Programm stehen auch philosophische und kulturelle Lehrveranstaltungen. Was weiter passiert, können keine Quellen ergeben. Angeblich promoviert Robert Wiene und arbeitet auch als Jurist. Sicher ist, daß er im Frühjahr 1908 mit 31 Jahren die Leitung des Kleinen Schauspielhauses in Wien übernimmt.

1912 arbeitet Robert Wiene für den Film. Er schreibt das Drehbuch zu DIE WAFFEN DER JUGEND (1912). Wahrscheinlich ist er auch der Regisseur des Zweiakters. Ab 1914 ist Robert Wiene als Drehbuchautor und Regisseur bei der Messter Film GmbH in Berlin angestellt. Er arbeitet auch für die Deutsche Bioscop in Potsdam-Babelsberg und die Sascha Film in Wien. Robert Wiene wird als solider, kompetenter und künstlerisch ambitionierter Arbeiter geschätzt, besonders seine Drehbücher für den deutschen Leindwandstar Henny Porten - meistens in der Regie von Rudolf Biebrach - machen seinen Namen bekannt. Außerdem kommt es zu einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Autor Walter Turszinsky. Gemeinsam erarbeiten sie fünf Drehbücher. Die Teamarbeit wird durch den frühen Tod Walter Turszinsky mit 41 Jahren 1915 beendet.

1919 übernimmt Robert Wiene die Regie für DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920). Die Decla-Film, eine Berliner Produktionsfirma mit Erich Pommer als Produzent, läßt den Film im Lixie-Atelier in Berlin-Weissensee entstehen. Für dieses Meisterwerk der frühen Avantgarde werden unter der Leitung der Architekten Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig an den Expressionismus angelehnte Bauten entworfen oder überdimensionale Schatten auf die Wände gemalt. Außerdem erarbeiten die Autoren Carl Mayer und Hans Janowitz das Drehbuch, an der Kamera steht Willy Hameister. Der Film wird international einer der größten Erfolge deutscher Filmgeschichte und verändert das Leben Robert Wienes. Er versucht mit GENUINE (1920) an den Erfolg anzuknüpfen. Das mißlingt leider, aber er ist unabhängiger, seine Filme sind künstlerisch experimentell.

1922 gündet Robert Wiene die Lionardo-Film, seine eigene Produktionsgesellschaft, mit Hauptsitz in Berlin, ab 1924 arbeitet er in Wien bei der Pan-Film AG. Er engagiert das Stanislawski-Ensemble des Moskauer Künstler Theaters für die Verfilmung von Dostojewskis Schuld und Sühne unter dem Titel RASKOLNIKOW (1923), inszeniert einen monumentalen Bibelfilm I.N.R.I. (1923), in dem die zwei Filmstars der frühen Stummfilm-Zeit Asta Nielsen und Henny Porten das einzige Mal gemeinsam vor der Kamera stehen oder gestaltet mit ORLACS HÄNDE (1924) einen Film, in dem das Gesicht des Expressionismus Conrad Veidt darstellerisch brilliert.

1926 geht Robert Wiene zurück nach Berlin und inszeniert Unterhaltungsfilme. Mit seinem ersten Tonfilm 1930 greift er auf Filmgeschichte zurück: DER ANDERE (1930) mit Fritz Kortner in der Hauptrolle ist eine Remake von DER ANDERE (1913).

Während der Machtergreifung der Nationalsozialisten arbeitet Robert Wiene gerade in Budapest an dem Film EINE NACHT IN VENEDIG (1934). Er wird nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, weil er als "nicht-arisch" eingestuft wird. Von Budapest kommt er über London nach Paris, wo er versucht, eine Finanzierung für ein Ton-Remake von DAS CABINET DES DR. CALIGARI zu ermöglichen. Das Projekt scheitert allerdings.

Die letzte Arbeit des Regisseurs wird der Agentenfilm ULTIMATUM (1939). Diese Arbeit kann er nicht mehr beenden. Robert Wiene stirbt am 17. Juli 1938 im Alter von 65 Jahren in Paris. Unter der Leitung des Regisseurs Robert Siodmak wird der Film zu Ende gedreht.

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