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David Wark Griffith

David Wark Griffith
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 22. Januar 1875
La Grange (Kentucky)
USA
† 23. Juli 1948
Hollywood (Kalifornien)
USA
andere Namen D. W. Griffith

DAVID WARK GRIFFITH • Biographie Seite 1/1

Der Amerikaner David Wark Griffith gehört zu den innovativsten Regisseuren seiner Zeit. Bereits früh erkennt er die dramaturgische Bedeutung von Einstellungswechsel, Parallelmontage und Zeitauslassungen. Er ist ein Meister des Melodrams; wird berühmt durch seine Spannungsmontage. Er entwickelt typische Schnittfolgen für die "Rettung in letzter Sekunde", die auch heute noch ein Markenzeichen von Hollywood ist. Mit seinen technischen und visuellen Neuerungen entwickelt er die Filmsprache maßgeblich weiter und gilt als ein Pionier der Filmkunst.

David Lewelyn Wark Griffith wird am 22. Januar 1875 in der US-amerikanischen Stadt La Grange im Bundesstaat Kentucky geboren. Als Sohn eines Arztes wächst er in ärmlichen Verhältnissen in Louisville auf. Seinen Lebensunterhalt verdient er vorerst mit Gelegenheitsarbeiten. Von 1897 bis 1899 arbeitet er als Reporter für Courier Journal in Louisville. Danach entschließt er sich, als Darsteller und Autor beim Theater zu arbeiten. Er übernimmt Nebenrollen an der Meffert Stock Company in Louisville, im Anschluss bei verschiedenen Wanderbühnen. Sein eigentlicher Wunsch ist es, Schriftsteller zu werden. Er verfasst sowohl Gedichte als auch Drehbücher für Theaterstücke. Bemühungen, in diesem Bereich Fuß zu fassen, bleiben vergeblich. Nach dem finanziellen Misserfolg seines Stückes "A Fool and a girl" (1907) wendet er sich schließlich der Filmbranche zu.

David Wark Griffith betrachtet das neue Medium anfangs eher skeptisch, sieht es als minderwertig im Vergleich zu anderen Kunstformen. Dennoch ist seine Arbeit weitaus rentabler als beim Theater und es bietet sich die Möglichkeit, Drehbuchentwürfe an den Mann zu bringen. 1907 beginnt er als Schauspieler bei der Edison Company unter dem Regisseur Edwin S. Porter. In der Produktion RESCUED FROM AN EAGLES NEST (1908) von James Searle Dawley erhält er seine erste Rolle als Filmschauspieler.

Bereits nach wenigen Monaten erfolgt der Wechsel zu den Biograph Studios, wo er vom Haus-Kameramann der Firma, Billy Bitzer als Regisseur ausgebildet wird, der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit. Sein Filmdebüt hat der Lehrling noch im selben Jahr mit THE ADVENTURES OF DOLLIE (1908) - ein Kurzfilm, in dem seine Ehefrau Linda Arvidson die Hauptrolle übernimmt. Das Debüt überzeugt die Leiter der Biograph Studios vom Talent des jungen Regisseurs und sichert ihm weitere Aufträge zu.

In den kommenden fünf Jahren dreht der Filmemacher in Zusammenarbeit mit Billy Bitzer mehr als 400 Kurzfilme, durchschnittlich zwei Filme pro Woche, die eine Länge von 10 bis 15 Minuten haben. Thematisch deckt er hierbei ein großes Spektrum ab. Zu seinen Arbeiten gehören Literaturverfilmungen, Liebesgeschichten, Dramen, Kriminalfilme, Western und Komödien. Bekannte Werke dieser frühen Schaffensphase sind beispielsweise DIE EINSAME VILLA (1909), PIPPA PASSES (1909), DER STATIONSVORSTEHER VON EINSIEDEL (1911), DIE VORGESCHICHTE DES MENSCHEN (1912), IM DUNKLEN VIERTEL VON NEW YORK (1912), THE MASSACRE (1913) und DIE WAISEN DER ANSIEDLUNG (1914). Schon damals gehört David Wark Griffith zu den bedeutendsten Regisseuren Amerikas.

Mit ENOCH ARDEN (1911) oder JUDITH VON BETHULIEN (1914) werden seine Produktionen schließlich aufwendiger, was sowohl die zeitliche als auch die finanzielle Komponente angeht. Der enorme Produktionsfluss steigert die Routine des Regisseurs und lässt zugleich seinen persönlichen Stil immer deutlicher hervortreten. Er versucht literarische Erzähltechniken auf den Film zu übertragen, ist für viele Neuerungen auf diesem Gebiet verantwortlich. Seine Bedeutung liegt in erster Linie in der filmischen Anwendung und Weiterentwicklung formaler Ideen. So werden von ihm perfektionierte Stilmittel wie zum Beispiel Kamerafahrten, Wechsel von Total- und Detailaufnahmen, Perspektivwechsel, Parallelmontage oder dramatische Beleuchtung schon vorher angewendet, jedoch in einem anderen Kontext. Er gilt als erster Regisseur, der genannte Stilmittel bewusst aufgreift und weiterentwickelt. So fungiert die Großaufnahme nicht als bloßer Gag sondern zur Hervorhebung von Handlungen oder Personen aus dem Gesamtgeschehen. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Kameramann Billy Bitzer stellt sich in diesem Zusammenhang als sehr bedeutend dar. Dieser ist für die technische Ausführung seiner Ideen verantwortlich.

Der Einsatz besagter Stilmittel ist auch für die Schauspieler eine neue Herausforderung und sorgt für die Entwicklung eines neuen Stils in diesem Bereich. Der Filmpionier entdeckt und prägt eine Vielzahl neuer Filmstars mit denen er über die Jahre beständig zusammenarbeitet. Hierzu zählen beispielsweise Mary Pickford, Dorothy Gish und Lillian Gish, Mabel Normand, Mae Marsh, Donald Crisp, James Kirkwood, Wallace Reid und Harry Carey.

1913 verlässt der Regisseur die Biograph Studios und gründet 1914 seine eigene Produktionsgesellschaft, wichtige Mitarbeiter wie der Kameramann Billy Bitzer unterstützen ihn bei diesem Vorhaben. 1915 realisiert David Wark Griffith den historischen Monumentalfilm DIE GEBURT EINER NATION (1915) basierend auf dem Roman "The Clansmen" von Reverend Thomas F. Dixon. In dem dreistündigen Epos thematisiert er die Ereignisse des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) anhand der Geschichte einer befreundeten Nord- und Südstaaten-Familie. Das Werk besteht aus zwei Teilen, greift sowohl die Zeit vor und während des Kriegs, als auch die Zeit danach auf. DIE GEBURT EINER NATION (1915) ist mit Produktionskosten über 100.000 Dollar der bis dahin teuerste Film der Geschichte. Der Regisseur muss Freunde bitten, ihm Geld zu leihen, um diesen fertig stellen zu können. Die erstmals in diesem Umfang eingesetzten filmischen Mittel begeistern das Publikum. Aufwendige Schlachtszenen, teilweise an Originalschauplätzen gedreht, bunt gefärbte Abschnitte für dramatische Effekte und schnelle Montagesequenzen bedingen den enormen künstlerischen und finanziellen Erfolg. Der Regisseur vereinigt nahezu alle ästhetischen und technischen Mittel der Zeit. Ist der filmhistorische Rang von DIE GEBURT EINER NATION (1915) unbestritten, erntet David Wark Griffith hingegen herbe Kritik für seine politisch rassistische Perspektive. So verherrlicht er den Ku-Klux-Klan als Retter der weißen Rasse und ergreift deutlich Partei für die Südstaaten. Die Premiere wird begleitet von Protesten und Rassismusvorwürfen. Der Filmemacher selbst kann die Kritik an seinem Werk bis zu seinem Lebensende nicht nachvollziehen.

Den beachtlichen finanziellen Gewinn nutzt er zur Realisierung seines Folgeprojekts. Der Film INTOLERANCE (1916) versucht aufzuzeigen, dass menschliches Handeln seit jeher durch Intoleranz geprägt ist. Als Ausgangspunkt dient der schon produzierte Film Gegenwartsfilm THE MOTHER AND THE LAW (1914). In der Geschichte geht es um eine junge Mutter, der konservative Weltverbesserer ihr Kind wegnehmen. Im Zuge dessen gerät der Vater auf die schiefe Bahn, wird unschuldig zum Tode verurteilt, jedoch im letzten Moment gerettet. Diesen Teil ergänzt er um drei Episoden amerikanischer Geschichte aus verschiedenen Epochen: die Ereignisse der Bartholomäusnacht, die Passionsgeschichte von Jesus Christus und die Schlacht um Babylon. Der Produktionsaufwand ist enorm, allein für die umfangreichen Kulissen werden mehr als 20 Monate Bauzeit benötigt. Des Weiteren beschäftigt der Filmemacher Tausende von Statisten. Dennoch, INTOLERANCE (1916) wird ein finanzieller Misserfolg, gilt jedoch heute, vor allem aufgrund der innovativen Montagetechnik, als einer der besten Filme aller Zeiten. Mittels Parallel- und Kontrastmontage verbindet David Wark Griffith die einzelnen Handlungsstränge. Die teils abrupten Schnittfolgen sollen die Parallelen zwischen den Ereignisse verdeutlichen, überfordern jedoch zeitgenössisches Publikum und Kritiker gleichermaßen.

Auf Anfrage der britischen Regierung dreht der Regisseur 1918 den Kriegspropagandafilm HEARTS OF THE WORLD (1918), in dem er dokumentarische Szenen mit Spielfilmelementen kombiniert. Der Film ist eine amerikanisch-französische Liebesgeschichte zur Zeit des ersten Weltkriegs und weist klare antideutsche Tendenzen auf. Lillian Gish verkörpert die französische Geliebte eines amerikanischen Agenten. Dieser kämpft gegen die Deutschen und rettet seine Geliebte im letzten Moment vor dem Feind. In der Phase zählt Lillian Gish zu den bevorzugten Schauspielern des Regisseurs. Es entstehen Filme wie vA ROMANCE OF HAPPY VALLEY (1919), THE GIRL WHO STAYED AT HOME (1919), TRUE HEART SUSIE (1919) und SCARLET DAYS (1919).

1919 gründet David Wark Griffith zusammen mit Charles Chaplin, Mary Pickford und Douglas Fairbanks die Produktionsgesellschaft United Artist. Im gleichen Jahr dreht er das Melodram EINE BLÜTE GEBROCHEN (1919), in der Hauptrolle wiederum Lillian Gish. Der Film wird mit geringem finanziellem Aufwand und binnen kurzer Zeit abgedreht. In der Geschichte wird das Schicksal dreier Menschen in London auf tragische Art und Weise miteinander verknüpft. Lucy, ein junges Mädchen, lebt eingeschüchtert bei ihrem Ziehvater. Dieser ist Boxer und Gefühlsautist. Ihre Zuneigung zu einem jungen Chinesen aus der Nachbarschaft löst eine Kette von dramatischen Ereignissen aus. Der Film zeichnet sich durch eine eindruckvolle Atmosphäre aus, bewirkt durch diffuses Licht, schleichende Nebel sowie halbtotale Sichtweisen auf die Straßen. Des Weiteren erhält der Regisseur viel Lob für seine Schauspielerführung.

Die folgenden Werke THE GREATEST QUESTION (1919), THE IDOL DANCER (1920) und THE LOVE FLOWER (1920) sind in erster Linie Routinearbeiten, die weder sein technisches noch sein künstlerisches Potential erkennen lassen. 1920 dreht David Wark Griffith den unabhängig produzierten Film MÄDCHENLOS (1920), nach DIE GEBURT EINER NATION (1915) die kommerziell und künstlerisch erfolgreichste Produktion des Regisseurs. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die an den überholten Moralvorstellungen der amerikanischen Gesellschaft fast zugrunde geht. Sie ist verheiratet mit einem Mann, der sie nicht liebt und verliert ihr Baby. Um die Vorfälle zu vergessen, flüchtet sie auf eine Farm, wird dort jedoch von der Vergangenheit wieder eingeholt.

Immer wieder erzählt der Regisseur Geschichten von Liebe und Tod, Krankheit und Armut, wobei meist Frauen in der Opferrolle zu sehen sind. Auch sein Historienfilm ZWEI WAISEN IM STURM (1922) zeigt diese Charakteristika. Hier behandelt er die sozialen Zustände des einfachen Volkes zur Zeit der Französischen Revolution. Zwei junge Frauen geraten in Paris in die Ereignisse der Revolution. Während die eine durch Danton im letzten Moment vor der Hinrichtung bewahrt wird, erlangt die andere durch eine Operation ihr Augenlicht zurück.

Im Folgenden produziert David Wark Griffith den Thriller ONE EXCITING NIGHT (1922) und das Drama THE WHITE ROSE (1923), die jedoch nicht an alte Erfolge anknüpfen können. Das sozialkritische Melodram IST DAS LEBEN NICHT WUNDERBAR? (1924) erzählt die Geschichte einer durch den Krieg verarmten Familie. Vor diesem Hintergrund inszeniert der Filmemacher eine Liebesromanze, die an den sozialen und materiellen Nöten zu zerbrechen droht, jedoch Jahre später noch glücklich endet. David Wark Griffiths letztes großes Stummfilm Epos, AMERICA (1924) thematisiert die Loslösung der neu gegründeten amerikanischen Staaten vom Mutterland England. Die historischen Ereignisse, bis zum endgültigen Sieg über Großbritannien im Jahre 1781, werden aus der Sicht eines jungen Liebespaares erzählt. Der eher bescheidene Erfolg seiner Produktionen bewegt den Filmemacher dazu, einen Vertrag mit den Paramount Studios abzuschließen, und somit in das Studiosystem zurückzukehren. Neben seiner künstlerischen Freiheit verliert er zugleich langjährige technische Mitarbeiter und bevorzugte Darsteller. Mit SALLY OF THE SAWDUST (1925) dreht er eine seiner wenigen Komödien. Der Komiker W. C. Fields verkörpert einen Taschenspieler, der mit seiner Adoptivtochter Sally zusammen wohnt. Das ärmliche Leben der beiden nimmt eine Wende, als sich herausstellt, dass Sally ursprünglich aus einem gut situierten Bürgerhaus stammt. So wie SALLY OF THE SAWDUST (1925) sind auch die folgenden Produktionen DIE TAT OHNE ZEUGEN (1926) und LORD SATANAS (1926) eher mäßig erfolgreich, wirken künstlerisch nur wenig inspiriert.

Im Allgemeinen ist das Spätwerk des Regisseurs durch Misserfolg gekennzeichnet, in David Wark Griffith macht sich zunehmend Resignation breit; er verfällt dem Alkohol. Ende der 1920er Jahre dreht er für die United Artists FANFAREN DER LIEBE (1928), KOMÖDIE EINER LIEBE (1928) und DIE LADY VON DER STRASSE (1929). Auch diese Produktionen wirken wenig ambitioniert. Unter Kritikern gelten sie zwar als sauber abgefilmt, lassen jedoch das "innere Feuer" und die persönliche Note des Filmemachers vermissen. 1930 entsteht mit ABRAHAM LINCOLN (1930) sein erster Tonfilm. Die Biografie knüpft thematisch an DIE GEBURT EINER NATION (1915) an und erzielt einen Achtungserfolg bei Publikum und Kritikern.

Sein letzter Film als Regisseur ist das Trinkerdrama DER KAMPF (1931). Hier geht es um die Geschichte eines amerikanischen Arbeiters, dem durch die Weltwirtschaftskrise seine Existenzgrundlage entzogen wird. Der labile Mann wird zum Alkoholiker. Mit Hilfe der Liebe und Unterstützung seiner Frau wendet sich jedoch alles zum Guten. Die Produktion wird von den Kritikern derart verrissen, dass David Wark Griffith sich entschließt, der Filmbranche den Rücken zu kehren.

Er verkauft seine Anteile an der United Artists Produktionsgesellschaft und verdient seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs. Im Hintergrund fungiert er auch weiterhin als Berater von Regisseuren oder als Co-Autor. Für SAN FRANSISCO (1936) unter der Regie von W. S. van Dyke oder TUMAK, HERR DES URWALDS (1940) von Hal Roach, inszeniert er einige Handlungssequenzen, bleibt jedoch bei der Veröffentlichung ungenannt. Sein Versuch, sich als Theaterproduzent am Broadway zu etablieren, bleibt ebenso erfolglos. 1935 wird der Filmpionier für seine Errungenschaften mit einem Ehren Oscar ausgezeichnet.

David Wark Griffith heiratet 1906 die Schauspielerin Linda Arvidson. 1936 lässt sich das Paar scheiden. In zweiter Ehe ist er mit Evelyn Baldwin von 1936 bis 1947 verheiratet. Am 23. Juli 1948 stirbt David Wark Griffith einsam und völlig veramt in New York.

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Melanie Giertz / Stand Januar 2008

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