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Urban Gad

Urban Gad
Regie, Drehbuch

* 12. Februar 1879
Skaelsor
Dänemark
† 26. Dezember 1947
Kopenhagen
Dänemark
andere Namen Peter Urban Gad

URBAN GAD • Biographie Seite 1/1

Der dänische Regisseur Urban Gad gehört zu den ersten großen Filmkünstlern vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland. Mit seinem Star Asta Nielsen kommt er 1911 nach Berlin, einer aufstrebenden Filmmetropole. Im neu errichteten Glashaus in Potsdam-Babelsberg dreht einige der wichtigsten frühen Stummfilme. Der Filmemacher beweist bei dem neuen Medium großes Talent für die filmspezifische Dramatik, die vor allem durch die differenzierte Darstellung seiner Schauspielerin unterstützt wird. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Trennung von Asta Nielsen ist seine Karriere faktisch beendet.

Urban Gad wird am 12. Februar 1879 in Skaelsor, Dänemark geboren. Seine Mutter ist die Schriftstellerin Emma Gad. Er besucht in Paris eine Kunstschule und geht danach in die dänische Hauptstadt Kopenhagen zurück. Zunächst arbeitet er seit 1906 als künstlerischer Berater an zwei Kopenhagener Theatern, später auch als Theaterregisseur. Außerdem betätigt er sich als Journalist, schreibt bald selbst Stücke für das Theater.

Auf der Theaterbühne lernt er die junge Asta Nielsen kennen. Zu dieser Zeit arbeitet Urban Gad als künstlerischer Berater und Bühnenbildner am Neuen Theater in Kopenhagen. In den Verträgen beider steht ausdrücklich das Verbot, an Filmen mitzuwirken, da das neue Medium von Theaterbetreibern als Konkurrenz betrachtet wird. Doch beide entscheiden sich, einen eigenen Film zu drehen. Gemeinsam organisieren sie 8.000 Kronen vom Inhaber des Kinos "Kosmorama" Hjalmar Davidsen. Urban Gad schreibt das Drehbuch und führt zugleich Regie. Asta Nielsen spielt ihre erste Hauptrolle in ABGRÜNDE (1910). Sie ist die Klavierspielerin Magda Vang, die sich in einen umherziehenden Cowboy verliebt und dafür die Sicherheit eines bürgerlichen Lebens bei ihrem Freund, einem Ingenieur, aufgibt. Der Film wird ein weltweiter Erfolg. Da sich aber keine Geldgeber für einen weiteren Film in Dänemark finden lassen, gehen die zwei jungen Talente nach Deutschland. Die Deutschen Bioscop GmbH lockt mit einem Vertrag über zwei Filme.

1911 inszeniert Urban Gad bei der Deutschen Bioscop in den Berliner Atelier die Filme HEIßES BLUT (1911) und NACHTFALTER (1911). Beide haben enormen Erfolg. Danach können sich der Regisseur und seine Schauspielerin aus einer Vielzahl von Verträgen den besten aussuchen. Sie entscheiden sich für die Produktionsfirma PAGU (Projektions-AG "Union"), für die sie in den nächsten 3 Jahren mit vielen künstlerischen Freiheiten 24 Filme herstellen. Zum Arbeitsteam gehört meistens noch der Kameramann Axel Graatkjaer. Die Deutsche Bioscop GmbH, die die Filme produzieren soll, baut in Neubabelsberg das erste Glas-Atelier, um die Filme herstellen zu können. Dort entstehen unter anderem DER TOTENTANZ (1912), DIE ARME JENNY (1912) und DAS MÄDCHEN OHNE VATERLAND (1912).

1912 heiraten Urban Gad und Asta Nielsen, trennen sich aber bereits 1915 wieder. Die Scheidung erfolgt 1918. Ihre kreative Arbeitsgemeinschaft ist damit leider auch beendet. Beide haben in der kurzen Zeit ihrer Zusammenarbeit 33 Filme gedreht.

Als Regisseur versucht es Urban Gad mit anderen Darstellerinnen. Er arbeitet mit Maria Widal und Hella Moja zusammen. An seine früheren Erfolge kann er aber nicht anschließen. Bis 1922 inszeniert der Regisseur durch alle Genre hindurch für wechselnde Produktionsfirmen. Dazu gehören die PAGU, die Saturn, die Hella-Moja-Produktion oder etwa die Terra. Zunehmend verfasst er auch Drehbücher für andere Regisseure.

Anfang der 1920er Jahre dreht Urban Gad eine prominent besetzte und erfolgreiche Großproduktion. Er verfilmt den Roman "Christian Wahnschaffe" von Jakob Wassermann um Arbeiter, Anarchisten und Boheme während der russischen Revolution von 1905 in zwei Teilen. Unter anderem spielen Conrad Veidt, Reinhold Schünzel, Fritz Kortner und Werner Krauss mit. Sein letzter Film in Deutschland entsteht ein Jahr später. Es handelt sich ebenfalls um eine Literaturverfilmung; diesmal von einem Gerhart Hauptmann-Stoff HANNELES HIMMELFAHRT (1922).

Noch im selben Jahr kehrt der Regisseur Deutschland den Rücken und geht zurück nach Dänemark. Für die dänische Produktionsfirma Palladium führt er Mitte der 1920er Jahre noch zweimal Regie. Aber seinen Hauptverdienst bestreitet er als Kinoinhaber. Er erhält 1922 eine Kinolizenz und betreibt das "Grand Teatret", welches er bis zu seinem Tode als Direktor leitet.

Urban Gad stirbt am 26. Dezember 1947 in Kopenhagen.

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