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Richard Oswald

Richard Oswald
Regie, Künstlerische Leitung, Drehbuch, Darsteller, Produzent, Produktionsleitung

* 05. November 1880
Wien
Österreich
† 11. September 1963
Düsseldorf
Deutschland
andere Namen Richard W. Ornstein

RICHARD OSWALD • Biographie Seite 1/1

Richard Oswald ist an mehr als 120 Filmen beteiligt, als Regisseur, Autor oder Produzent. Er begründet in den 20er Jahren den "Aufklärungsfilm" - Skandal in Deutschland. Die Filme, die sich mit damaligen Tabus wie Homosexualität, Geschlechtskrankheit oder Prostitution auseinandersetzen, sind mitprägend für die "Wilden Zwanziger".

Richard W. Ornstein wird am 5. November 1880 in Wien geboren. Sein Vater ist Kaufmann. Er wächst in einer vermögenden, strenggläubigen jüdischen Familie auf. Die Familie ist kulturell und musisch interessiert. Mit 16 Jahren schicken sie ihren Sohn auf ein Theaterseminar. Danach wird Richard Oswald zu einem Wanderer. Als Schauspieler und Bühnenarbeiter tingelt er durch den deutschsprachigen Raum, bis er 1907 in Wien längere Station macht. Hier arbeitet er als Dramaturg und Regisseur an verschiedenen Bühnen.

1910 verläßt er aufgrund antisemitischer Angriffe Österreich in Richtung Deutschland. Er arbeitet als Schauspieler am Schauspielhaus in Düsseldorf in kleineren Rollen. Hier kommt er auch zum ersten Mal mit dem Film in Kontakt. Für die Düsseldorfer Film-Manufaktur spielt er in zwei Stummfilmen mit: HALBWELT (1911) und ZOUZA (1911). 1913 siedelt er nach Berlin über, gemeinsam mit seiner Frau und Tochter.

In Berlin arbeitet Richard Oswald als Dramaturg und Werbefachmann für die Deutsche Vitascope GmbH. Seit 1907 arbeitet die Filmfirma überaus erfolgreich. Der Star Hanni Weisse steht vor der Kamera in Filmen, die meistens der Haus-Regisseur Max Mack inszeniert. Als Richard Oswald 1914 in die Firma einsteigt, hat die Vitascope gerade mit der Projektions-AG "Union" (PAGU) fusioniert. Bereits sein erster Film, für den er das Drehbuch schreibt, wird ein Erfolg: DER HUND VON BASKERVILLE (1914). Es werden gleich zwei weitere Teile produziert.

Der I. Weltkrieg beginnt. Richard Oswald ist wehruntauglich. Da andere Regisseure in den Krieg ziehen müssen, übernimmt er bei der Vitascope nun auch Regieaufgaben. Ein Jahr darauf wechselt er zur Greenbaum-Film GmbH. Hier ist er Ober-Regisseur und Autor. Aber bald - 1916 - gründet er seine eigene Produktionsfirma, die Richard Oswald-Film-Gesellschaft. Er inszeniert erfolgreiche Detektivfilme mit seiner erfundenen Detektiv-Gestalt Engelbert Fox und bevorzugt Literaturverfilmungen. Allein 1917 werden 10 Filme, an denen er beteiligt ist, uraufgeführt. Der Produktionumfang ist enorm, meist ist Richard Oswald Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in einem. Ab 1917 werden seine Filme außerdem ambitionierter. Er macht sich einen Namen als "Aufklärer" und begründet den sogenannten "Aufklärungsfilm". ES WERDE LICHT! - 1. Teil (1917) ist der erste Film dieses Genres, das Geschlechtskrankheiten, Prostitution, Homosexualität und sexuelle Abhänigkeit thematisiert. Um seine Filme entbrennen Diskussionen, nach Zensur wird geschrieen. Nach deren Wiedereinführung 1921 rufen seine Filme häufig die Zensur auf den Plan.

Zum relativ festen Ensemble der "Aufklärungsfilme" der Richard Oswald-Film-Gesellschaft zählen die Schauspieler Conrad Veidt, Anita Berber und Reinhold Schünzel. Mit diesem Team produziert die Firma aber auch Unterhaltungsstoffe, z.B. DIE REISE UM DIE ERDE IN 80 TAGEN (1919). Der Erfolg läßt sich auch daran messen, daß Richard Oswald das ehemalige Prinzeß-Theater in der Kantstraße aufkauft und im September 1919 unter dem Namen "Richard-Oswald-Lichtspiele" neueröffnet. Nach einigen Firmenwechseln, Fusionen und Neugründungen übersteht Richard Oswald die Nachkriegswirren. Seine Firma wird zur Aktiengesellschaft, an der sich andere Produktionen angliedern, z.B. die Conrad Veidt-Film GmbH, die Carl Mayer-Film GmbH oder die Leopold Jessner-Film GmbH. Bis 1925 arbeitet die Firma erfolgreich, dann stellen sich finanzielle Mißerfolge ein; es wird Konkurs angemeldet. Die Filmproduktion von Richard Oswald selbst läuft unermüdlich weiter, zum Beispiel für die Nero Film-GmbH, deren Name sich aus den Initialien von Heinrich Nebenzahl (NE) und Richard Oswald (RO) zusammensetzt.

Mit seinem ersten Tonfilm feiert Richard Oswald einen überraschenden Publikumserfolg; WIEN, DU STADT DER LIEDER (1930). In der Folge dreht er quer durch alle Genre mit mehr oder weniger Erfolg. Überaus gewinnbringend in finanzieller wie künstlerischer Hinsicht wird sein Film DER HAUPTMANN VON KÖPENICK (1931) mit Max Adalbert in der Hauptrolle.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 muß Richard Oswald Deutschland verlassen. Sein Film EIN LIED GEHT UM DIE WELT (1933) mit dem Tenor Joseph Schmidt wird zwar noch der Kinoerfolg des Jahres 1933, aber beide - Regisseur wie Hauptdarsteller - sind als Juden im nationalsozialistischen Deutschland unerwünscht. Richard Oswald emigriert mit seiner Familie über die Niederlanden, Frankreich nach Großbritanien und ist seit 1938 in den USA. In den einzelnen Ländern kann er immer mindestens einen Film inszenieren. In den USA dagegen fällt es ihm schwer, Arbeit zu finden. Alle Versuche, an frühere Erfolge mit Remakes oder dem Aufbereiten der "Aufklärungsfilme" für amerikanische Verhältnisse anzuknüpfen, scheitern. Es bleiben vereinzelne Produktionen.

Nach dem II. Weltkrieg beschäftigt sich Richard Oswald mit der Verwertung seiner alten Filme und bringt diese wieder in deutsche Kinos. Er gründet die Richard Oswald TV Productions und möchte für das amerikanische Fernsehen Serien produzieren. Über einen Pilotfilm kommt das Projekt leider nicht hinaus. 1957 erhält er den Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. 1962 endlich besucht er Deutschland. Dort stirbt er am 11. September 1963.

Seit 1912 ist Richard Oswald mit Käthe Waldeck verheiratet. Käte Oswald ist Schauspielerin und hat bis Mitte der 20er Jahren in seinen Filmen mitgespielt. Beide haben eine Tochter und einen Sohn. Sein Sohn Gerd Oswald arbeitet als in Amerika als Regisseur und Produzent.

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