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Asta Nielsen

Asta Nielsen
Regie, Drehbuch, Mitarbeit, Darsteller

* 11. September 1881
Kopenhagen
Dänemark
† 25. Mai 1972
Kopenhagen
Dänemark

ASTA NIELSEN • Biographie Seite 1/1

Ihr Name ist unvergessen. Asta Nielsen hat Filmgeschichte geschrieben. Sie ist neben Henny Porten der erste weibliche Star der deutschen Filmgeschichte. In über 70 Filmen hat sie mitgespielt. Mit ihrem intensiven Spiel begeistert sie ein Millionenpublikum. Außerdem hat sie mit ihrer einzigartigen Schauspielkunst dazu beigetragen, dem frühen Kino den Weg aus den rauchigen und schweißtreibenen Kino-Kneipen der Arbeiter und Kleinbürger in den Vorstädten zur Kunstform zu bahnen.

Asta Nielsen wird als Asta Sofie Amalie Nielsen am 11. September 1881 in Kopenhagen geboren. Sie ist das zweite Kind der unter armseligen Verhältnissen lebenden Familie. Ihr Vater Jens Christian Nielsen kommt aus Jütland und ist Fabrikarbeiter. Ihre Mutter Ida Frederikke Nielsen geb. Petersen ist Wäscherin und Putzerin, die am meisten zum Lebensunterhalt der Familie beiträgt. Sie ist bereits 38 Jahre, als Asta geboren wird. Ihre älteste Tochter ist Johanne.

Asta Nielsen wächst in Dänemark auf und lebt 7 Jahre in Malmö, Schweden. Der Vater erhält dort Arbeit in einer Dampfmühle. Während ihrer Schulausbildung interessiert sie sich für das Theater. Im Gesangsunterricht fällt ihre angenehme Stimme auf. Der Lehrer schickt sie zum Königlichen Theater. Nach einer Probe darf sie im Chor mitsingen. Von ihren Auftritten bringt sie 2 Kronen mit nach Hause. Beim Theater will sie unbedingt weiterarbeiten.

Als Asta Nielsen 14 Jahre ist, stirbt ihr Vater. Sie beendet die Schule und arbeitet bei einer älteren Dame. Ihre Mutter würde sie gern als Verkäuferin sehen, aber Asta Nielsen möchte Schauspielerin werden. Sie spricht am Königlichen Theater vor. Ihre Begabung fällt auf und Peter Jerndorff gibt ihr kostenlosen Schauspielunterricht. Während ihrer Ausbildung wird am 10. Juli 1901 ihre Tochter Jesta geboren. Asta Nielsen weigert sich, den Vater des Kindes zu heiraten. Sie bleibt alleinerziehende Mutter - damals ein schwieriges Unterfangen.

1901 wird sie am Königlichen Theater engagiert. Von 1902 bis 1905 arbeitet sie am Dagmar-Theater in Kopenhagen. Doch an beiden Bühnen erhält sie keine wirklich interessanten Rollen. Mit dem Tournee-Theater "Die Acht" zieht sie 1905 bis 1908 durch Skandinavien. Olaf Fönss, ihr dänischer Schauspiel-Kollege, spricht begeistert von ihrem komischen Talent auf der Bühne. Das Tournee-Theater verspricht aber keinen Erfolg. Als in Kopenhagen das Neue Theater eröffnet wird, erhält sie von 1908 bis 1911 dort ein Engagement, aber geeignete Rollen bekommt sie nicht. Enttäuscht wendet sie der Theaterbühne den Rücken zu.

1910 begegnet sie dem jungen Urban Gad. Er ist künstlerischer Berater und Bühnenbildner am Neuen Theater. In den Verträgen beider steht ausdrücklich das Verbot, an Filmen mitzuwirken. Doch beide entscheiden sich, einen eigenen Film zu drehen. Gemeinsam organisieren sie 8.000 Kronen vom Inhaber des Kinos "Kosmorama" Hjalmar Davidsen. Urban Gad schreibt das Drehbuch und führt zugleich Regie. Asta Nielsen spielt ihre erste Hauptrolle in ABGRÜNDE (1910). Sie ist die Klavierspielerin Magda Vang, die sich in einen umherziehenden Cowboy verliebt und dafür die Sicherheit in einem bürgerlichem Leben bei ihrem Freund, einem Ingenieur, aufgibt. Der Film wird ein weltweiter Erfolg. Da sich aber keine Geldgeber für einen weiteren Film in Dänemark finden lassen, gehen die zwei jungen Talente nach Deutschland. Die Deutsche Bioscop GmbH lockt mit einem Vertrag über zwei Filme.

1911 produziert Asta Nielsen bei der Deutschen Bioscop in den Berliner Atelier die Filme HEIßES BLUT (1911) und NACHTFALTER (1911). Beide haben enormen Erfolg. Danach können sich Asta Nielsen und Urban Gad aus einer Vielzahl von Verträgen den besten aussuchen. Sie entscheiden sich für die Produktionsfirma PAGU (Projektions-AG "Union"), für die sie in den nächsten 3 Jahren mit vielen künstlerischen Freiheiten 24 Filme herstellen. Die Deutsche Bioscop GmbH, die die Filme produzieren soll, baut in Neubabelsberg das erste Glas-Atelier, um die Filme herstellen zu können. Dort entstehen u. a. DER TOTENTANZ (1912), DIE ARME JENNY (1912) oder DAS MÄDCHEN OHNE VATERLAND (1912).
1912 heiraten Urban Gad und Asta Nielsen, aber bereits 1915 trennen sie sich wieder. Die Scheidung erfolgt 1918. Ihre kreative Arbeitsgemeinschaft ist damit leider auch beendet. Beide haben in der kurzen Zeit 33 Filme gedreht.

1916 investiert Asta Nielsen eigenes Geld in die Produktion ihrer Filme. 8 Produktionen entstehen für die Neutral-Film in Berlin. Aber bei einem Unfall verbrennt ein Teil der Negative.
Mehrfach steht sie während des I. Weltkrieges unter Spinonageverdacht. Sie reist nach Dänemark aus und kehrt erst nach dem Krieg nach Deutschland zurück. 1919 heiratet sie den schwedischen Premierleutnant Freddy Wibgaardth.

Nahtlos kann Asta Nielsen 1919 an die Vorkriegsproduktion anschließen. Sie spielt überwiegend tragische und dramatische Rollen, die von Kritikern und Publikum überaus positiv aufgenommen werden. Asta Nielsen arbeitet mit den bekanntesten Regisseuren der Zeit zusammen: Ernst Lubitsch, Carl Froelich, Richard Oswald oder Leopold Jessner. Die Filme sind erfolgreich, aber Asta Nielsen möchte bessere Rollen. Sie gründet die Art-Film, ihre eigene Produktionsfirma. Drei Filme entstehen, wobei HAMLET (1920) in der Regie von Svend Gade der ambitionierteste unter ihnen ist.

Sie arbeitet mit Georg Wilhelm Pabst in DIE FREUDLOSE GASSE (1925) und DIRNENTRAGÖDIE (1927). Aber es herrscht weiterhin Mangel an guten Rollen. Sie wendet sich wieder dem Theater zu und geht auf Tournee. Erst 1932 spielt sie wieder in einem Film: UNMÖGLICHE LIEBE. VERA HOLGK UND IHRE TÖCHTER in der Regie von Erich Waschneck. Ihr erster Tonfilm bleibt ihr letzter Film in Deutschland. Nach der Machtergreifung bietet ihr der Propagandaminister Joseph Goebbels eine eigene Filmproduktion an. Sie lehnt ab, bleibt aber noch in Deutschland, bis sie es 1937 endgültig verläßt. Nochmals kommt ein Angebot aus Deutschland, als die deutschen Truppen 1940 Dänemark besetzen. Aber wieder lehnt sie ab.

1946 erscheinen die Memoiren unter dem Titel "Die schweigene Muse". Auch Filmangebote kommen, aber alle zerschlagen sich. Asta Nielsen beginnt zu malen und gestaltet Stoffcollagen. Sie schreibt Kurzgeschichten und gibt für alte Menschen in Radiosendungen Lebenshilfe. 1964 erlebt sie eine Zeit der Trauer, als ihre Tochter Jesta nach den Tod ihres Ehemannes Paul Vermehren Selbstmord begeht. Anfang der 60 Jahre entsteht ein Film über ihr Leben. Sie ist unzufrieden mit dem Resultat, verbietet eine Aufführung und beginnt selbst, einen Film über sich zu drehen. 1968 erscheint der Dokumentarfilm ASTA NIELSEN, in dem sie über ihre Arbeit berichtet und Ausschnitte aus ihren Filmen gezeigt werden.

1969 mit fast 90 Jahren verliebt sich Asta Nielsen in den dänischen Kunsthändler Christian Theede, den sie im Jahr darauf heiratet. Am 25. Mai 1972 stirbt Asta Nielsen in ihrer Geburtstadt Kopenhagen.

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