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Jakob Fleck

Jakob Fleck
Regie, Drehbuch

* 08. November 1881
Wien
Österreich
† 19. September 1953
Wien
Österreich

JAKOB FLECK • Biographie Seite 1/1

Das Regie-Team und Ehepaar Jakob und Luise Fleck hat Filmgeschichte geschrieben. Beide sind an den ersten österreichischen Filmproduktionen beteiligt. Sie produzieren über 50 Filme gemeinsam, drehen in Wien, Berlin, nach ihrer Emigration in Shanghai.

Jakob Fleck wird als Jakob Julius Fleck am 08. November 1881 in Wien geboren. Sein Name taucht auf den Spielplänen einiger Provinzbühnen auf, er spielt mit wenig Erfolg Theater, u.a. in Tschernowitz (früher Czernowitz, heute ukrainisch Tschernywzy).

Gemeinsam mit Anton Kolm, Fotograph, dessen Frau Luise sowie deren Bruder Claudius Veltée gründet Jakob Fleck 1908 die Wiener Kunstfilm GmbH, eine der ersten österreichisch-ungarischen Filmproduktionsfirmen. Anton Kolm hat bereits seit 1906 Kurzfilme produziert und Jakob Fleck als Gehilfen angestellt. Die Wiener Kunstfilm GmbH – in einigen Quellen auch Wiener Kunstfilmindustrie genannt - beschreitet Neuland und dreht den ersten österreichischen Dokumentarfilm. Auch den ersten österreichischen Spielfilm produziert die junge Firma. Es ist VON STUFE ZU STUFE (1908), in dem der bekannte Schauspieler Hans Hanus die Hauptrolle spielt und zugleich Regie führt. Anfangs produziert die Firma konventionelle Unterhaltungsware, die sich an Literatur- und Bühnenvorlagen halten und auf den Massengeschmack ausgerichtet sind, später sind es Wochenschauen, dann auch ambitionierte Werke.

1919 gründen Anton Kolm und Jakob Fleck die Vita-Film und zudem das Film-Atelier am Rosenhügel, später eines der wichtigsten Produktionsorte in Österreich. Aber die Inflation zu Beginn der 20er Jahre verhindert einen erfolgreichen Absatz der Filme. 1924 muß die Vita-Film Konkurs anmelden.

Seit 1911 arbeitet Jakob Fleck auch als Regisseur. Mit Luise Veltée-Kolm arbeitet er an den meisten Filmen. Beide gehen eine Regie-Partnerschaft ein, die als beispiellos in der Geschichte des Films gelten kann. Nach dem Tod von Anton Kolm 1922 heiraten beide zwei Jahre später. Als Luise und Jakob Fleck machen sie sich als künstlerisches Team einen Namen. Über 50 Filme realisieren sie gemeinsam. Nach dem Konkurs ihrer Vita-Film gehen beide nach Deutschland und produzieren dort bis 1933 mehr als 25 Filme.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kehrt das Ehepaar sofort nach Österreich zurück. Jakob Fleck ist Jude. Zwar können sie noch ein Remake ihres eigenen Films DER PFARRER VON KIRCHFELD (1937) realisieren, aber mit vorauseilendem Gehorsam werden ihre Arbeitsmöglichkeiten bereits eingeschränkt. In Heimarbeit retuschieren die Flecks Fotographien. Nach dem "Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich" gibt es gar keine Möglichkeiten mehr. Jakob Fleck wird verhaftet und im Konzentrationslager Dachau, später in Buchenwald interniert. 1939 kommt er frei. Ihr gemeinsamer Kollege und Freund Wilhelm Dieterle besorgt ihnen eine Ausreisegenehmigung. 1940 verläßt die Familie Europa in Richtung Shanghai.

Nach Shanghai flüchten sich ca 17.000 bis 18.000 Juden aus Mitteleuropa. Es wird das "Exil der kleinen Leute" genannt. Die Flecks können einen Film in der Metropole realisieren. Gemeinsam mit dem Regisseur Mu Fei drehen sie DIE SÖHNE UND TÖCHTER DER WELT (1941) in deutscher Sprache. Nach dem Krieg kehren sie 1947 völlig verarmt und gesundheitlich gezeichnet nach Österreich zurück.

Jakob Fleck stirbt am 19. September 1953 in Wien.

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