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Franz Hofer

Franz Hofer
Regie, Drehbuch, Darsteller

* 31. August 1882
Malstatt (Saarbrücken)
Deutschland
† 05. Mai 1945
Berlin
Deutschland

FRANZ HOFER • Biographie Seite 1/1

Franz Hofer gehört zu den frühen Filmregisseuren, die ihre Geschichten meist nach einem eigenen Drehbuch inszenieren und auch als Produzenten tätig sind. Er gilt heute als einer der ersten Autorenfilmer. In den 1910er Jahren zählt er zu den talentiertesten Filmemachern Deutschlands und macht besonders durch seine Komödie auf sich aufmerksam. Außerdem entdeckt er junge Stars, die später berühmter werden als er: etwa Ernst Lubitsch, Hans Albers und Dorrit Weixler. Aber ab den 1920er Jahren findet er keinen Zugang mehr zum Publikumsgeschmack. Seine Filme sind fast alle vergessen.

Franz Hofer wird am 31. August 1882 als Franz Wygand Wüstenhöfer in Malstatt (heute Saarbrücken) geboren. Sein Vater verdient den Lebensunterhalt für die Familie als Inspektor der Eisenbahn. Seine Schulausbildung absolviert er in seiner Heimatstadt. 1899 beginnt er nach eigenen Aussagen ein Maschinenbau-Studium in Altenburg, welches er nicht beendet. Ob er überhaupt studiert hat, bleibt fraglich.

Franz Hofer beginnt um 1909 eine künstlerische Laufbahn. Er arbeitet als Schauspieler in Berlin, schreibt Bühnentexte, arbeitet als Dramaturg und Regisseur. Von 1909 bis 1911 ist er am Zentral-Theater in Berlin engagiert. Bereits früh, 1910, entdeckt er den Film und schreibt sein erstes Drehbuch für eine Franz Porten-Produktion, in der auch dessen beide Töchter Henny Porten und Rosa Porten auftreten. Weitere Drehbücher entstehen, die unter anderem von Walter Schmidthässler und Viggo Larsen verfilmt werden. Bald arbeitet er auch als Regisseur, unter anderem für die Luna-Film-Industrie. DES ALTERS ERSTE SPUREN (1913) wird sein erster Film, bei dem er als Regisseur und auch als Schauspieler mitwirkt. Sein Name wird bald zum Markenzeichen der Firma.

In der Folge etabliert sich der Regisseur als vielseitiges Talent, fühlt sich in diversen Genren zuhause und mischt sie auch wild durcheinander. Er dreht Sozial- und Frauendramen sowie Komödien, verfilmt Detektiv- und Sensationsgeschichten mit abenteuerlichen Szenen. Erstmals finden sich bei ihm weibliche Detektive, sowieso stehen Frauen bei ihm häufig im Mittelpunkt der Geschichte und sind nicht das schwache Geschlecht, er gilt heute auch als "Frauenregisseur". Meistens entstehen seine Filme nach eigenem Drehbuch. Zwischen 1913 und 1915 dreht der Regisseur etwa 25 Filme. Dabei entdeckt er auch Talente. Dazu gehören unter anderem der spätere Regisseur Ernst Lubitsch, der in FRÄULEIN PICCOLO (1914) eine Nebenrolle spielt, sowie die Schauspieler Hans Albers, Werner Krauss und Dorrit Weixler. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges dreht Franz Hofer weiter, bis er sich im Frühjahr 1915 freiwillig an die Front meldet. Aufgrund einer Verletzung wird er aber bald wieder entlassen.

Danach arbeitet er für die Messter-Filmproduktion und dreht vorrangig Komödien mit der weiblichen Hauptdarstellerin Rita Clermont. 10 Filme entstehen hier innerhalb einer Hofer-Serie. Bei der Apollo-Filmgesellschaft arbeitet er zwischen Mai 1916 bis Dezember 1917. Hier setzt er die Darstellerin Lia Ley gekonnt in Szene. Bei der Bayerischen Film-Gesellschaft Fett & Wiesel dreht er bis Anfang 1920 mehr als 20 Filme. Besonders seine Komödien finden Anklang bei Presse und Zuschauern; gelobt werden seine neuen, frischen Einfälle, deren Humor für viel Zustimmung bei den Zuschauern sorgt. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei der Olaf-Filmgesellschaft, arbeitet er wieder für die Luna-Film-Industrie. Wieder fallen seine Komödien auf, die diesmal mit Wally Koch in der weiblichen Hauptrolle inszeniert sind.

Im Oktober 1920 gründet Franz Hofer seine eigene Produktionsfirma, die Hofer-Film GmbH. Mit seinen dort ersten produzierten Filmen bewegt er sich auf der Welle der Sitten- und Aufklärungsfilme, die gerade überaus populär in Deutschland sind. Aber er kann nicht wie andere Regisseure, etwa Richard Oswald in diesem Bereich, größere Filmerfolge produzieren. Seine späteren Filme, die er in den 1920er Jahren herstellt, werden kaum noch beachtet. Der Filmemacher findet keinen Zugang mehr zum Publikumsgeschmack, seine Werke gelten als altmodisch. Franz Hofer arbeitet für verschiedene Produktionsfirmen, dreht 1929 seinen letzten Stummfilm.

Nach dem Beginn des Tonfilmära ist der Regisseur noch weniger beschäftigt. Er wird im Mai 1932 Mitglied der NSDAP und arbeitet mehrere Jahre als Kreiskulturhauptstellenleiter im Stadtbezirk Schöneberg in Berlin. 1933 tritt er der Reichfachschaft Film bei. Zwar arbeitet er an zwei Tonfilmen als Co-Regisseur bzw. Regie-Assistent mit, aber seine Filmkarriere ist defacto beendet. Er kehrt an den Anfang seiner künstlerischen Karriere zurück und schreibt wieder Stücke für das Theater. Sein Bühnenstück "Schill" wird 1932 in Berlin aufgeführt, das Schauspiel "Der Sprung ins Feuer" findet 1938 in Meiningen eine Bühne. Weitere Stücke, die er schreibt, werden allerdings abgelehnt.

Die Arbeiten des Franz Hofer sind fast alle verschollen. Er hat mehr als 80 Filme gedreht, von denen weniger als ein Drittel erhalten sind. Als auch die Filmwissenschaft die deutsche Kaiserzeit als interessantes Thema entdeckt, wird die Bedeutung Franz Hofers wieder deutlich. Das 9. Internationale Stummfilmfestival in Pordenone (Italien) widmet dem frühen Filmpionier 1990 eine Retrospektive. Sechs seiner Filme werden gezeigt. 1999 organisiert auch das Filmbüro Saarbrücken eine Retrospektive in seiner Heimatstadt. Außerdem vergibt das Filmbüro auch den Franz Hofer-Preis - Filmhaus Award für eine hervorragende Leistung im deutschen und internationalen Film.

1911 heiratet Franz Hofer die Schauspielerin und Drehbuchautorin Paula Klär. Er stirbt kurz vor Kriegsende am 05. Mai 1945 in Berlin.

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Autor
Ines Walk

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