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Harry Liedtke

Harry Liedtke
Mitarbeit, Darsteller

* 12. Oktober 1882
Königsberg (heute Kalingrad)
Deutschland (heute Russland)
† 28. April 1945
Bad Saarow-Pieskow
Deutschland

HARRY LIEDTKE • Biographie Seite 1/1

Harry Liedtke ist einer der ersten großen Stars des deutschen Films. In den 1910er Jahre erobert er das Publikum, bevorzugt das weibliche, mit seinem Charme. Er spielt junge Studenten und schmucke Dragoner, überzeugt als schöner Prinz und lustiger Witwer, Abenteuer erlebt er als Detektiv oder Tempelräuber. Dabei verleiht er seinen Rollen eine erotische Ausstrahlung, die zum damaligen Zeitpunkt ihresgleichen sucht. Ab Ende der 1920er Jahre wechselt er vom Rollenfach des jugendlichen Liebhabers zum Bonvivant mit grauen Schläfen.

Harry Liedtke wird am 12. Oktober 1882 in Königsberg (heute: Kaliningrad, Russland). Sein Vater ist Import- und Exportkaufmann, der mit Flachs und Hanf handelt. Zur Familie gehören elf Kinder. Der Vater stirbt 1896, die Kinder kommen danach in ein Waisenhaus. Harry Liedtke besucht in seiner Heimatstadt das Altstädtische Gymnasium, schließt es mit der Primareife ab. Danach beginnt er eine kaufmännische Ausbildung, lernt in einem Bank- und Getreidekommissionsgeschäft. Nach dem Abschluss seiner Lehre arbeitet er in einer Kolonialwarenhandlung.

Zum Schauspiel kommt Harry Liedtke zufällig. Auf einer seiner Reisen nach Berlin lernt er den Intendanten des Königlichen Schauspielhauses Hans Oberländer kennen, der ihn für das Theater begeistern kann. Kurzerhand gibt er seinen Beruf auf, nimmt Schauspielunterricht und debütiert nicht lange danach am Stadttheater Freiberg in Sachsen. Dann wandert er durch die Provinz und steht unter anderem auf Theaterbühnen in Bromberg, Görlitz, Bad Rothenfelde, Göttingen und Magdeburg. Bald kommt er in Berlin an, wo er zwar am Kleinen Theater engagiert wird, aber zu wenig Rollen erhält. Also entschließt er sich 1908 ans New German Theatre in New York zu gehen. Wie erfolgreich seine Arbeit dort ist, ist nicht bekannt, aber nach seiner Rückkehr kommt es zu einem Karriereschub: Harry Liedtke wird von Max Reinhardt ans Deutsche Theater geholt und spielt dort von 1909 bis 1916. Er ist in klassischen Stücken, unter anderem in "Hamlet" von William Shakespeare sowie in modernen Stücken wie "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind zu sehen. Zwischenzeitlich arbeitet er auf der Bühne des Hof- und Nationaltheaters in Mannheim sowie dem Residenz-Theater in Berlin.

Mit dem Medium Film kommt Harry Liedtke bereits frühzeitig, 1912 in Kontakt. Der Produzent Oskar Messter engagiert ihn für seine Filme. Bald dreht der Schauspieler unermüdlich, zählt zu den bekanntesten Gesichtern der Zeit. Er arbeitet unter der Regie von Rudolf del Zopp und Paul Leni. Bei letzterem ist er unter anderem der Prinz in dem Märchen DORNRÖSCHEN (1917). Außerdem ist er als Joe Deebs bei den überaus populären Detektivserien der 1910er Jahre dabei. Besonders unter der Regie von Ernst Lubitsch wird der Name des Schauspielers zum Begriff: Harry Liedtke wird einer der ersten großen Stars des deutschen Films, überzeugt besonders in komödiantischen Rollen. In DAS FIDELE GEFÄNGNIS (1917) spielt er einen kleinen Tunichtgut, in DIE AUSTERPRINZESSIN (1919) einen etwas schlampigen Prinzen. Auch in einigen Historienfilmen des Filmemachers ist er dabei, insgesamt arbeiten Regisseur und Schauspieler acht Mal zusammen. Mit den großen weiblichen Darstellerinnen der Zeit steht er vor der Kamera, so etwa Pola Negri, Mia May oder Mady Christians.

In dem Sechsteiler DER MANN OHNE NAMEN (1921) von Georg Jacoby, der nach dem Roman "Peter Voss, der Millionendieb" von Ewald Gerhard Seeliger entsteht, gibt er Peter Voss, der seinen Verfolgern ständig entkommt. Hier etabliert er sein Image, welches in späteren Filmen immer wieder zum tragen kommen wird: Er steht für Vitalität und Lebensfreude, ist zugleich übermütiger Draufgänger und charmanter Kavalier, ihm steht der Frack genauso gut wie die Uniform. Dabei blitzt immer der Schalk in seinen Augen auf, die Film-Frauen können sich seinem Charme nicht entziehen und damit wird der Schauspieler auch zum Schwarm des jungen, weiblichen Publikums. Er spielt junge Studenten und schmucke Dragoner, überzeugt als schöner Prinz und lustiger Witwer, Abenteuer erlebt er als Detektiv oder Tempelräuber. Dabei verleiht er seinen Rollen eine erotische Ausstrahlung, die zum damaligen Zeitpunkt ihresgleichen sucht. In dem Friedrich Wilhelm Murnau-Film DIE FINANZEN DES GROßHERZOGS (1924) gibt er einen leicht vertrottelten und verarmten Großherzog eines klitzekleinen Zwergenstaates und beweist hier einmal mehr sein komisches Talent, in MADAME WÜNSCHT KEINE KINDER (1926) von Alexander Korda mimt einer einen Hausvater. Häufig ist er in Militärkomödien, Film-Operetten und Musikspielen zu sehen. In dem Unterhaltungsfilm ICH KÜSSE IHRE HAND, MADAME (1928) von Robert Land gibt er Jacques, einen Oberkellner eines Pariser Lokals und zugleich verarmten russischen Grafen, der als Liebling der Frauen die bezaubernde Laurence (gespielt von Marlene Dietrich) kennen lernt. Der Film ist einer der ersten deutschen Tonfilme, der seinerzeit mit einer Toneinlage in die Kinos kommt.

Als Ende der 1920er Jahre der Tonfilm Einzug hält, verliert der Schauspieler seine hervorragende Stellung im deutschen Film. Seine Stimme und Sprache kann nicht ganz überzeugen; mit jahrelanger Sprecherziehung kämpft er gegen das Problem an. Als Partner ist er noch neben dem weiblichen Star Lilian Harvey in NIE WIEDER LIEBE (1931) von Anatole Litvak zu sehen. Hier wettet er als amerikanischer Multimillionär um eine halbe Million Dollar, dass er fünf Jahre keine Frau mehr anrühren werde. Aber als er die schöne Gladys aus dem Meer fischt, ist der Vorsatz dahin. An der Seite von Dolly Haas agiert er in DER PAGE VOM DALMASSE-HOTEL (1933) von Viktor Jansen als Baron von Dahlen, aber der Höhepunkt seiner Karriere ist vorbei. In der Folge wird er auf die Rolle des Vaters und gutsituierter Herren der gehobenen Gesellschaft festgelegt, ist vorrangig in größeren Nebenrollen zu sehen.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 stellt für Harry Liedtke kein Problem dar, er wird wie die Mehrzahl seine Kollegen Mitglied der Reichsfilmkammer. Anfang der 1940er Jahre überzeugt er als erfolgreicher Schriftsteller Erich Eckberg in SOPHIENLUND (1941) unter der Regie seines Schauspielkollegen Heinz Rühmann und kann hier nochmals seine schauspielerischen Fähigkeiten präsentieren. Unter der Regie von Paul Verhoeven spielt er in DAS KONZERT (1944) eine Paraderolle: Er mimt einen alternden Herzensbrecher und gefeierten Pianisten, der seine Anziehungskraft auf die Damenwelt immer wieder erprobt. Nur seine Ehefrau schafft es, ihn endlich zu bändigen.

Harry Liedtke ist in erster Ehe mit Hanne Schutt verheiratet. Nach der Scheidung ehelicht er seine Schauspielkollegin Käthe Dorsch, mit der er von 1920 bis 1926 verheiratet ist. Zum dritten Mal tritt er mit der Schauspielerin Christa Tordy vor den Traualtar. Am 28. April 1945 wird er in der Nähe seines Wohnortes Bad Saarow-Pieskow gemeinsam mit seiner Ehefrau von Soldaten der Roten Armee getötet.

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Autor
Ines Walk

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