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Robert J. Flaherty

Robert J. Flaherty
Drehbuch, Kamera, Produzent

* 16. Februar 1884
Iron Mountain (Michigan)
USA
† 23. Juli 1951
Dummerston (Vermont)
USA

ROBERT J. FLAHERTY • Biographie Seite 1/1

Robert Flaherty zählt zu den größten Regisseure in der Geschichte des Dokumentarfilms. Seine Filme sind bahnbrechend für die Entwicklung des dokumentarischen Genres. Er gilt als Wegbereiter der teilnehmenden Beobachtung im Kino, stößt aber auch auf große Kritik, weil er das Leben seiner Protagonisten durch die Anwesenheit seiner selbst und der Kamera radikal verändert.

Robert Flaherty wird am 16. Februar 1884 in Iron Mountain (Michigan) als Robert Joseph Flaherty geboren. Sein Vater ist Minenarbeiter und Goldschürfer, der das nördliche Kanada auf der Suche nach Mineralien durchquert, wobei er seinen Sohn desöfteren mitnimmt. Robert Flaherty besucht das Upper-Canada-College in Toronto von 1889-1890, studiert danach am Michigan College of Mines, Houghton. Um 1910 geht er als Entdecker, Landvermesser und Geologe auf Reisen. Er unternimmt Erzsuch-Expeditionen, die ihn schnell bekanntmachen. Schon frühzeitig nimmt er Filmmaterial mit, um seine Ergebnisse zu dokumentieren. Die Technik ist transportabel, umfaßt zudem eine Maschine zum Filmentwickeln und Geräte zur Beleuchtung. Erste Filmdokumentationen erstellt er um 1916. Die Filmstreifen verbrennen allerdings.

Von seiner 16monatigen Expedition in die nördlichen Regionen Amerikas kommt er Anfang der 20er Jahre mit einem Film zurück: NANOOK, DER ESKIMO (1922). Robert Flaherty dokumentiert das alltägliche Leben des Itivimuit Nanuk und seiner Familie im Gebiet der nordkanadischen Hudson-Bay. Der Dokumentarist fungiert als Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor, Cutter, Produzent. Berühmt wird seine Methode. Zunächst nimmt er die Szenen auf; danach wird der Streifen vor Ort entwickelt und den Protagonisten vorgeführt. Wenn das Ergebnis nicht zur Zufriedenheit ausfällt, wird die Einstellung nochmals gedreht. Beim Schnitt seines Films orientiert sich Robert Flaherty stark an fiktionalen Handlungen, baut dramaturgische Spannungsbögen auf. Gerade die Dramatisierung des nicht-fiktionalen Stoffes macht den Film bei Kritik und Zuschauer zu einem Welterfolg.

Mitte der 20er Jahre macht sich Robert Flaherty zu einer weiteren Expedition auf. Er dreht mehrere Filme in der Südsee, unter anderem die Südseeromanze MOANA (1926). Zwei Jahre lebt der Regisseur in dem Dorf Safune und beobachtet den Inselalltag. Er zeichnet ein idealisiertes Bild vom Einklang des Menschen mit der Natur. Der Film überzeugt an den Kinokassen nicht.
Ende der 20er Jahren lernen sich Robert Flaherty und Friedrich Wilhelm Murnau kennen. Beide wollen zusammen einen Film in der Südsee realisieren. Die Dreharbeiten in Bora Bora zu Tabu (1931) begannen am 25. November 1929, aber aufgrund von künstlerischen Meinungsverschiedenheiten zieht sich Robert Flaherty vorzeitig aus dem Projekt zurück.

Auf Inishmor, der größten der drei vor der irischen Westküste gelegenen Aran Inseln, dreht Robert Flaherty einen weiteren Film THE MAN OF ARAN (1934), der an den Erfolg seines Erstlingswerks anschließt. Er schildert den Überlebenskampf der Inselbewohner im harten Kampf mit der Natur. Wieder findet der Regisseur aussagekräftige Bilder für das Wechselspiel von Mensch und Natur. Auf den Filmfest in Venedig gewinnt der Film den Mussolini-Pokal.

Für den Spielfilm ELEFANTENBOY (1937) fungiert er als Co-Regisseur von Zoltan Korda. Danach realisiert der Regisseur im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums einen Film über die Bodenerosion in den USA mit dem Titel THE LAND (1942).

Seinen letzten Film dreht Robert Flaherty Ende der 40er Jahre den Sümpfen Louisianas und im "Cajun Country". In LOUISIANA STORY (1948) verbindet er die dokumentarischen Aufnahmen von den Sümpfen und der Ölgesellschaft, die dort Probebohrungen vornimmt, mit einer simplen Geschichte um einen Jungen und dessen Familie. Der Regisseur ist allerdings nicht dazu fähig, Kritik in seinen Film einzubauen. Das Eindringen von Kommerz und Technik in die friedvolle Natur wird mit poetischen Bildern harmonisiert.

Neben seiner Filmarbeit publiziert der Dokumentarfilmer auch Bücher, unter anderem "Meine Freunde, die Eskimos" (1924). Seit 1950 ist er Professor an der Universität von Michigan. Robert Flaherty ist seit 1914 mit Frances Hubbard, Tochter von Dr. Lucius Lee Hubbard, verheiratet. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.

Robert Flaherty stirbt am 23. Juli 1951 in Dummerston (Vermont). Nach ihm ist das Internationale Robert Flaherty Filmseminar in New York benannt.

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