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Georg Wilhelm Pabst

Georg Wilhelm Pabst
Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Schnitt, Produzent

* 27. August 1885
Raudnitz (Böhmen)
Österreich-Ungarn
† 29. Mai 1967
Wien
Österreich
andere Namen G. W. Pabst

GEORG WILHELM PABST • Biographie Seite 1/1

Das Werk des Regisseurs Georg Wilhelm Pabst läßt sich stilistisch in zwei Teile trennen. Während der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit inszeniert er mehrere bedeutende Filme, die heute zu Klassikern der Filmgeschichte zählen. Der Filmkünstler zählt zu den bekannten Exponenten des sozial engagierten Kinos, gilt als wichtiger Vertreter der Neuen Sachlichkeit und zeigt ungeschönt die Schattenseiten der Moderne. Aber er inszeniert auch romantische Stoffe oder triviale Historie versehen mit mystischen Elementen. Nichtsdestotrotz und gerade deswegen ist sein Gesamtwerk eines der reizvollsten deutscher Filmgeschichte.

Georg Wilhelm Pabst wird am 27. August 1885 im böhmischen Raudnitz (heute Roudnice nad Ladem) geboren. Sein Vater ist Eisenbahnbeamter bei der Österreichischen Staatsbahn, arbeitet als Stationsvorsteher in verschiedenen Orten. Seine Mutter ist Hausfrau. Zur Familie gehört noch eine ältere Schwester Viola, die nach dem Besuch des Konservatoriums als Schauspielerin arbeiten wird. Georg Wilhelm Pabst erlebt seine Kindheit in Wien. Hier besucht er zunächst die Oberrealschule, die er 1902 mit dem Abschluß verläßt. Sein Wunsch, eine militärische Laufbahn einzuschlagen, erfüllt sich wegen seiner Kurzsichtigkeit nicht. Auf Anraten seiner Schwester spricht er am Theater vor, wird aber nicht engagiert. Nach zwei Jahren Schauspielausbildung am Staatlichen Konservatorium in Wien hat er mehr Glück: 1904 steht er erstmals auf der Bühne am Kurtheater Baden in Zürich. Stationen führen ihn nach St. Gallen und Salzburg, Dortmund und Nürnberg sowie nach Wien.

1910 tourt Georg Wilhelm Pabst durch die USA. Er ist am Deutschen Theater engagiert. In der freien Spielzeit engagiert er sich gewerkschaftlich, schreibt Artikel für linke Zeitungen und hält Vorträge. Sein Plan, ein politisches Theater zu gründen, scheitert. Im Juni 1914 will er nach Deutschland zurückkehren, wird aber vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges überrascht. Sein Schiff gerät unter die Kontrolle der französischen Marine, er wird interniert. Vier Jahre ist Georg Wilhelm Pabst im Lager Ile Longue bei Brest gefangen. Er ist Mitgründer und Regisseur einer Theatergruppe, die zahlreiche Klassiker im Lager zur Aufführung bringt.

Anfang 1919 geht er nach Wien und beginnt seine Karriere als Theaterregisseur. Zunächst erhält der Künstler ein Engagement am Deutschen Theater in Prag. Er inszeniert Frank Wedekind und Arnold Zweig. Bereits ein Jahr später übernimmt er die Leitung der Neuen Wiener Bühne, die besonders durch ihr avantgardistisches Programm auffällt. Durch seine Bekanntschaft mit dem Regisseur Carl Froelich kommt Georg Wilhelm Pabst mit dem Film in Kontakt. Er spielt in dessen Film IM BANNE DER KRALLE (1921) eine kleine Rolle und steht damit zum einzigen Mal vor der Kamera. Zudem wird er Mit-Gesellschafter der Froelich-Film GmbH, die in Berlin im Handelsregister eingetragen ist. Bereits bei dem nächsten Film von Carl Froelich DER TAUGENICHTS (1922) fungiert er als Regie-Assistent. Mittlerweile in Berlin schreibt er gemeinsam mit Walter Supper das Drehbuch zu LUISE MILLERIN (1922) nach dem "Kabale und Liebe"-Stoff von Friedrich Schiller. Als Regie-Assistent dirigiert er mehr als 800 Komparsen in Potsdam-Babelsberg und im Maxim-Atelier in Berlin.

Mit DER SCHATZ (1923) legt Georg Wilhelm Pabst sein Regie-Debüt vor. Erzählt wird von der Suche nach einem Schatz. Die Gier bringt den Tod, nur jene, die sich für die Liebe entschieden haben, gehen zwar arm aber am Leben und glücklich in die Welt hinaus. Bereits in diesem ersten Film zeigt sich ein typisches Motiv seiner Filme: die Verquickung von Geld, Macht und Liebe/Sex. Sein zweiter Film wird GRÄFIN DONELLI (1924) mit dem Leinwandstar Henny Porten in der Hauptrolle. Bei den Dreharbeiten lernt er Filmkünstler kennen, mit denen er mehrfach zusammenarbeiten wird. Dazu zählt der Kameramann Guido Seeber sowie der Regie-Assistent und Cutter Mark Sorkin.

DIE FREUDLOSE GASSE (1925) gehört zu den Klassikern deutscher Filmkunst. Im Wien der Inflationszeit treffen verschiedene Menschen aufeinander, deren Schicksal in locker miteinander verwobenen Episoden erzählt wird. Kleine Geschichten von Prostituierten, Spekulanten, Adligen und Handwerkern verdeutlichen als realistische Zeit-Tragödie die Gegenpole Armut und Verschwendung, Sexualität und Gewalt. Mit Asta Nielsen, Greta Garbo, Werner Krauss und Valeska Gert ist der Film prominent besetzt. Von den Kritikern wird der Film gefeiert, von der Zensur entschärft. Besonders gelobt wird die dichte Atmosphäre, in der das Werk inszeniert ist und die Bildkonzeption, die zum Markenzeichen der Werke Georg Wilhelm Pabst werden wird.

Das Kammerspiel GEHEIMNISSE EINER SEELE (1926) orientiert sich an der Psychoanalyse Sigmund Freuds und ist als Kultur- und Lehrfilm für die Ufa-Kulturabteilung geplant. Werner Krauss spielt einen Chemiker, dessen Träume zu Alpträumen werden. In Sitzungen erzählt er einem Arzt seine Ängste. Langsam nähern sich beide dem Kern des Problems. In dem Film sind tricktechnisch raffinierte Traumsequenzen einmontiert. Der Darsteller Werner Krauss zählt zu den Lieblingsschauspielern des Regisseurs. Auch in seinem nächsten Film MAN SPIELT NICHT MIT DER LIEBE (1926) übernimmt er an der Seite von Lily Damita und Erna Morena die männliche Hauptrolle. DIE LIEBE DER JEANNE NEY (1927) entsteht nach dem Roman des sowjetischen Autors Ilja Ehrenburg, der später gegen die filmische Adaption wegen Oberflächlichkeit Protest einlegt. Erzählt wird von der Liebe einer Französin und eines Bolschewiken, die trotz Entfernung, Ideologie und zahlreichen Verdächtigungen Bestand hat. Für die damalige Kritik vermischt der Regisseur in dem Film vortrefflich Politik, Romanze und Kriminalfall.

Mit ABWEGE (1928) und DIE BÜCHSE DER PANDORA (1929) legt Georg Wilhelm Pabst zwei weitere Meisterwerke vor. In ABWEGE (1928) spielen Brigitte Helm und Gustav Diessl ein Ehepaar. Sie fühlt sich vernachlässigt, gerät auf Abwege und will eine Affäre mit einem Kunstmaler (gespielt von Jack Trevor) beginnen. Erst vor dem Scheidungsrichter merken sie, daß sie sich immer noch lieben und von vorn beginnen wollen. Regisseur und Filmteam verzichten auf spektakuläre Szenerie, konzentrieren sich ganz auf die 'Irrwege der Seele', analysieren die Beziehungen genau. Die Darstellerin Brigitte Helm wird besonders gelobt, sie trägt den Film in ihrer Darstellung zwischen ernster, junger Frau und kühlem, blonden Vamp. In DIE BÜCHSE DER PANDORA (1929) wird eine andere Darstellerin zum Star. Louise Brooks spielt die Blumenverkäuferin Lulu, der zahlreiche Männer erliegen. Alle ihre Beziehungen enden tragisch. Stufe um Stufe sinkt ihr sozialer Status, bis sie als Straßendirne in London an Heiligabend dem Lustmörder Jack zum Opfer fällt. Von der damaligen Kritik geschmäht, zählt das Werk heute zu den wichtigsten des klassischen deutschen Films. Nochmals arbeitet Georg Wilhelm Pabst mit Louise Brooks in TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1929) zusammen. Als Jugendliche mißbraucht, wird sie von ihrem Vater verstoßen. Sie gelangt von einem Heim in ein Bordell, steigt die Karriereleiter immer höher hinauf. Der Film wird von den Zensurbehörden stark reglementiert, wird als unsittlich empfunden. Aus heutiger Sicht gelingt es dem Regisseur, die Beziehung zwischen Geld und Sex überaus plastisch darzustellen. Danach übernimmt Georg Wilhelm Pabst die Schauspielregie bei dem Film DIE WEIßE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (1929), den der Bergfilmspezialist Arnold Fanck in Szene setzt. Dem Film merkt die Kritik die Hand des Schauspielregisseurs an, selten gelingt solch Einklang von brillanten Naturbildern und gekonnten Darstellerleistungen.

Mit WESTFRONT 18 (1930) legt Georg Wilhelm Pabst seinen ersten Tonfilm und einen Antikriegsfilm-Klassiker vor. Erzählt wird von vier deutschen Soldaten an der französischen Front, die den Krieg jeweils anders erleben, die aber wie Millionen andere vom gleichen Schicksal ereilt werden. Mit dem pazifistischen Beitrag untermauert der Regisseur seinen Ruf als 'roter Pabst'. Der Film wird international stark beachtet, von den Nationalsozialisten drei Jahre später als einer der ersten verboten. Nach dem Unterhaltungsstreifen SKANDAL UM EVA (1930) inszeniert der Regisseur DIE DREIGROSCHENOPER (1931) nach Bertolt Brecht und Kurt Weill. Zwar kommt es bereits im Vorfeld zu zahlreichen Streitereien, Anklagen und Zerwürfnissen zwischen der Produktionsfirma Nero-Film AG, Georg Wilhelm Pabst und Bertolt Brecht, aber der Film wird gedreht und feiert im Februar 1931 seine Berliner Uraufführung. Die Arbeit - wunderbar fotografiert - wird als eigenständig eingeschätzt, und ist bis heute eine der besten Verfilmungen des Stoffes. Mit KAMERADSCHAFT (1931) bleibt der Regisseur sich weiter treu und thematisiert die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. Während sich die Bergarbeiter beider Länder in einem Notfall solidarisch zur Seite stehen, bleiben sich die Obrigkeiten weiter distanziert fremd. Der Film löst zahlreiche politische Polemik aus. Im Ausland wird er, auch aufgrund seiner hervorragenden Verbindung zwischen Bild und Ton, stark beachtet.

Danach verlegt sich Georg Wilhelm Pabst wieder auf massenkompatible Großproduktionen der Ufa. In DIE HERRIN VON ATLANTIS (1932) - gleichzeitig in drei Sprachversionen produziert - spielt Brigitte Helm die unnahbare Antinea. Der französische Kolonialoffizier Saint-Avit verfällt ihr. Obwohl er seinen besten Freund für sie tötet, kann er nicht von ihr lassen. Wieder findet der Film in Frankreich mehr positive Aufnahme als in Deutschland. Im Nachbarland realisiert er auch seinen nächsten Filme: DON QUICHOTE (1933) und DU HAUT EN BAS (1934) mit Jean Gabin und Michel Simon. Einem Angebot nach Amerika folgt er 1934. Dort dreht er A MODERN HERO (1934). Geschildert wird die Geschichte eines Europäers, der vom Zirkusreiter zu einem Mitglied der Hochfinanz aufsteigt. Nach dem Börsenkrach fällt er die soziale Leiter wieder hinab. Der Film wird in den USA ein Flop, der Regisseur kann keine weiteren Projekte realisieren und kehrt nach Europa zurück.

In Frankreich produziert er den Agentenfilm MADEMOISELLE DOCTEUR (1937) mit Dita Parlo in der Hauptrolle. Die Geschichte gruppiert sich um die deutsche Spionin Annemarie Lesser, die während des Ersten Weltkriegs die Alliierten in Griechenland ausgetrickst hat. An dem Film zeigt sich wieder einmal die große Stärke des Regisseurs, verschiedene Handlungsstränge dramaturgisch gekonnt in Beziehung zu setzen. LE DRAME DE SHANGHAI (1938) wird von der Kritik geschmäht. Die Komödie JEUNES FILLES EN DÉTRESSE (1939) wird sein letzter Film in Frankreich. Im Sommer 1939 entschließt sich der Regisseur endgültig nach Amerika auszuwandern, hat bereits eine Schiffpassage gebucht. Er wird aber vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überrascht; Versuche, das Land über andere Wege zu verlassen, scheitern. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt bleibt er in Deutschland. Zahlreiche Kollegen werden ihm nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur sein Bleiben vorwerfen, die Karriere im Nachkriegsdeutschland wird davon maßgeblich beeinflußt.

Zunächst hat der Regisseur Schwierigkeiten, in den Filmbetrieb wieder Fuß zu fassen. Die erforderliche Aufnahme in die Reichsfilmkammer verzögert sich aufgrund von ungezählten Überprüfungen. Verschiedene Projekte, unter anderem mit Henny Porten, die von den Nationalsozialisten still gestellt ist, werden nicht realisiert. Die Filmbiographie KOMÖDIANTEN (1941) über die Theaterprinzipalin Karoline Neuber wird sein erster Film im Nazideutschland. Käthe Dorsch drängt Henny Porten, die das Projekt initiiert hat, aus der Hauptrolle hinaus. Auf den Filmfestspielen in Venedig wird der Regisseur mit der Goldmedaille für die Beste Regie ausgezeichnet. Danach fordert Leni Riefenstahl den Regisseur zur Mitarbeit an dem Projekt TIEFLAND (1941-1954) an, welches erst nach Ende des Krieges von der Regisseurin alleinig vollendet wird. In einer weiteren Filmbiographie PARACELSUS (1943) schildert er das Leben und Wirken des Arztes und Naturforschers. Hier geht Georg Wilhelm Pabst Kompromisse mit den nationalsozialistischen Vorstellungen ein. Pathetisch wird ein Held in Szene gesetzt, Massenszenen suggerieren Angst. Sein Film DER FALL MOLANDER (1945) bleibt unvollendet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrt Georg Wilhelm Pabst nach Wien zurück. Hier dreht er DER PROZESS (1948), der die Geschichte eines 'Ritual-Mordes' aus dem Jahre 1883 aufgreift. Er ist einer der ersten Filme in Österreich nach 1945, der das Thema des Antisemitismus aufgreift. Beim Festival in Venedig werden Regisseur und Hauptdarsteller Ernst Deutsch mit Preisen der internationalen Jury ausgezeichnet. Die Pabst-Kiba-Produktionsfirma soll die folgenden Filme des Regisseurs produzieren. Unter seiner künstlerischen Oberleitung entsteht unter anderem DUELL MIT DEM TOD (1949) von Paul May über den Widerstandskampf gegen die Nationalsozialisten. Sein eigener Film GEHEIMNISVOLLE TIEFE (1949) mit Ilse Werner in der Hauptrolle wird von der Kritik vernichtend aufgenommen. Mitte der 50er Jahre inszeniert er noch Filme, wobei der ES GESCHAH AM 20. JULI (1955) nochmals größere Aufmerksamkeit erlangt.

Georg Wilhelm Pabst ist in der Weimarer Republik auch politisch engagiert. Gemeinsam mit anderen Intellektuellen gründet er 1928 den Volksverband für Filmkunst e.V. (später Volks-Film-Verband), der sich das Ziel setzt, progressive Filmkunst zu verbreiten. Vom Verband der Filmregisseure wird er 1931 zum Vorsitzenden gewählt. Allerdings legt er das Amt nach einem Dreivierteljahr nieder.

Anfang 1924 heiratet Georg Wilhelm Pabst Gertrude Hennings. Im Dezember 1924 wird ihr gemeinsamer Sohn Peter Pabst geboren. Er wird nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Assistent an den Filmarbeiten seines Vaters beteiligt sein und später als Redakteur beim Bayrischen Rundfunk arbeiten. Sein zweiter Sohn Michael Pabst wird 1941 geboren. 1957 erkrankt der Künstler an Diabetes, kurze Zeit später wird zudem die Parkinsonsche Krankheit diagnostiziert. Er lebt zurückgezogen mit seiner Frau in Wien und in der Steiermark. Georg Wilhelm Pabst stirbt am 29. Mai 1967 in Wien.

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