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Erich von Stroheim

Erich von Stroheim
Darsteller

* 22. September 1885
Wien
Österreich
† 12. Mai 1957
Chateau Maurepas
Frankreich

ERICH VON STROHEIM • Biographie Seite 1/1

Der Ruf des Regisseurs und Schauspielers Erich von Stroheim in Hollywood ist nicht gut: Er gilt als Detailfanatiker, Verschwender und Egozentriker. Erich von Stroheim hat als Regisseur nur neun Filme vorgelegt. Alle sind von den Produktionsfirmen gekürzt und verstümmelt worden. Trotzdem gilt er vielen als einer der wichtigsten Regisseure der 20er Jahre. Verglichen wird der Künstler mit dem Karikaturisten George Grosz, den Malern Hieronymus Bosch und Otto Dix. Allen gleich ist ihr ungeschminkter Blick auf das dekadente Bürgertum; sie zeigen deren Verhalten realistisch und facettenreich.

Erich von Stroheim wird am 22. September 1885 in Wien als Erich Oswald Stroheim geboren. Sein Vater arbeitet als Strohhuterzeuger und Kaufmann. Zur Familie gehört neben der Mutter noch der jüngere Sohn Bruno, der 1889 geboren wird. Die Familie ist jüdischen Glaubens und Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Neben seiner Schulausbildung hilft Erich von Stroheim im Geschäft des Hauses aus. 1905 tritt er angeblich freiwillig der österreichischen Armee bei, desertiert aber nach eigenen Aussagen kurz vor Ende seiner Dienstzeit aus unbekannten Gründen.

Um 1910 wandert Erich von Stroheim nach Amerika aus. Zunächst schlägt er sich mit Gelegenheitsarbeiten in New York durch, bis er 1914 in Hollywood als Stuntman eine Arbeit findet. Bald ist er als Kleindarsteller in einigen Filmen zusehen, unter anderem in dem bedeutenden Werk DIE GEBURT EINER NATION (1914) von David Wark Griffith. Er arbeitet auch als Assistent des Regisseurs, berät in militärischen Dingen, zum Beispiel bei authentischen Militärkostüme und nimmt zahlreiche Erfahrungen aus verschiedenen Filmproduktionen mit.

In FOR FRANCE (1917) unter der Regie von Wesley Ruggles ist Erich von Stroheim erstmals als deutscher Offizier zu sehen. Diesen Rollentyp wird er in der Folge immer wieder verkörpern, er wird seine schauspielerische Karriere bestimmen. Erich von Stroheim verkörpert ihn als Machtmenschen preußischen Schlags, schneidig, gefühlskalt, völlig unsentimental und brutal. Sein strenges, aristokratisches Erscheinungsbild trägt ebenfalls zu dieser Prägung bei. Mit dem "von" in seinem Namen und eigener Legendenbildung verschärft er sein Image noch. In zahlreichen Propagandafilmen der amerikanischen Filmindustrie spielt er diesen Rollentyp. In Deutschland und Österreich versucht zwar sein Produzent Carl Laemmle, ihn nach dem Ersten Weltkrieg als Star zu etablieren, aber aufgrund seiner Rollen wird er scharf angegriffen, als Verräter bezichtigt und seine Filme werden boykottiert.

1919 inszeniert der Schauspieler seinen ersten eigenen Film DU SOLLST NICHT BEGEHREN ... (1919) bei der amerikanischen Universal. Erzählt wird die Geschichte eines vielbeschäftigten Ehemannes, der seine junge Gattin vernachlässigt. Der Film läuft 1922 auch in Deutschland und wird als großes Sittengemälde gelobt. Erich von Stroheim fällt erstmals mit seinem Monokel auf, das er unnachahmlich einklemmt. THE DEVIL'S PASSKEY (1920) erzählt eine Geschichte eines erfolglosen Autors im Nachkriegs-Paris, der von seiner Ehefrau betrogen wird. Der Film gilt als verschollen.

Sein dritter Film NÄRRISCHE FRAUEN (1922) wird einer der ersten Filme, der über 1 Millionen Dollar kostet. Erzählt wird von einem zaristischen Offizier, der im Nachkriegsfrankreich zahlreiche Frauen benutzt. Als der Vater eines Opfers sich rächt, findet er der Offizier ein grausames Ende. Als Regisseur gilt Erich von Stroheim als detailbesessen, eigensinnig und exzentrisch, pedantisch kümmert er sich um Kostüme, Make-up, Requisiten. Dies läßt die Kosten seiner Produktionen explodieren. Seinen letzten Film für die Universal inszeniert er unter finanzieller Beobachtung. Da er den Anweisungen und Beschränkungen des Studios bei den Dreharbeiten RUMMELPLATZ DES LEBENS (1923) nicht Folge leistet, wird er entlassen. Der Regisseur Rupert Julian führt die Arbeit zu Ende, hält sich zwar ans Drehbuch, verändert aber den Schluss in ein Happy End. In den USA und Deutschland wird der Film ein großer Erfolg, die Kritiken loben ihn aufgrund seiner außerordentlichen Bilder.

Erich von Stroheim arbeitet danach für die Produktionsfirma Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Sein erster Film für die Firma wird GIER NACH GELD (1924) nach dem Roman "McTeague" von Frank Norris. Geschildert wird die Geschichte dreier Personen, denen die Umstände und die Gier nach Geld das Leben nimmt. Der Film zählt trotz der Zerstörung der Originalversion durch die Produzenten heute zu den Klassiker und gilt als eines der grössten Werke der amerikanischen Filmgeschichte. In den USA flopt der Film, in Frankreich wird er ein Erfolg, in Deutschland wird er zum Skandal und nach zwei Vorstellungen in Berlin bereits abgesetzt. Grund ist weniger die Qualität des Films, als vielmehr der Protest zahlreicher Zuschauer und Kritiker gegen die Bildung der Parufamet (Fusion der deutschen Ufa mit Kapital der amerikanischen Paramount und MGM). Bereits nach seinem zweiten MGM-Film DIE LUSTIGE WITWE (1927) nach der Operette von Franz Lehár wird er entlassen. Obwohl die Komödie an den Kinokassen Erfolg hat, wird er entlassen.

Für die Paramount plant der Regisseur HOCHZEITSMARSCH (1927). Erich von Stroheim spielt Nicki, den letzten Sohn des aussterbenden Geschlechts derer von Wildeliebe-Rauffenburg. Um seinen extravaganten Lebensstil aufrechterhalten zu können, heiratet er die langweilige, aber reiche Erbin Cecilia. Wenige Wochen vor der geplanten Hochzeit lernt er die mittellose Harfenistin Mitzi kennen, in die er sich auch prompt verliebt. Der zweite Teile HONEY MOON bleibt ein Fragment, welches angeblich in Frankreich verliehen worden ist. In beide Filme wird massiv vom Studio eingegriffen, auf Montage und Schnitt hat der Regisseur keinen Einfluß. Nach der Trennung von der Firma arbeitet er für die United Artist und inszeniert mit und für die bekannte Schauspielerin Gloria Swanson den Film QUEEN KELLY (1929). Erzählt wird von einem Mädchen, welches im Kloster aufwuchs, zur Prostitution gezwungen wird und als Bordellbesitzerin Karriere macht. Ein Happy End führt sie mit einem Prinzen zusammen. Aber auch bie dieser Produktion kommt es zu Schwierigkeiten. Star und Regisseur verstehen sich nicht, Erich von Stroheim verlässt die Produktion und der Regisseur Edmund Goulding beendet seine Arbeit.

Seinen letzten Film in der Funktion des Regisseurs legt er Anfang der 30er Jahre vor. Diesmal arbeitet er für die Fox, aber auch diese Zusammenarbeit steht unter keinem guten Stern. Der Film wird von der Produktionsfirma und unter der Regie von Alfred Walker fast neu gedreht und kommt unter dem Titel HELLO SISTER (1932), einer Fassung, die Erich von Stroheim nicht so gewollt hat, in die Kinos.

Als Schauspieler hat Erich von Stroheim mehr Erfolg. In DER GROßE GABBO (1929) brilliert er als Bauchredner, der beim Bauchreden auch raucht und trinkt. In Deutschland kommt der Film in einer sychronisierten Fassung in die Kinos. In der Folge spielt er unter der Regie von Victor Schertzinger, Jean Boyer und später Anfang der 50er Jahre für Billy Wilder. Ab Mitte der 30er Jahre muß er sich als Schauspieler in B-Movies durchschlagen. Nebenbei ist er als Berater in militärischen Fragen für Filmproduktionen tätig. Ab 1936 ist er in der Drehbuchabteilung von MGM beschäftigt. Zu seinen wichtigste Arbeiten zählen die Mitarbeit am Drehbuch des Katastrophenfilms SAN FRANCISCO (1936) und die Kostüm-Beratung beim ANNA KARENINA (1935) mit Greta Garbo in der Hauptrolle.

Gegen Ende 1936 verläßt er die USA in Richtung Frankreich und arbeitet dort als Schauspieler, unter anderem mit den Regisseuren Jean Renoir, Robert Wiene, Fedor Ozep und Robert Siodmak. Zu seinen wichtigsten Rollen in dieser Zeit gehören der Kapitän von Rauffenstein in DIE GROSSE ILLUSION (1937) unter der Regie von Jean Renoir. Aufgrund eines Filmangebots aus Amerika kehrt er 1939 dorthin zurück. Eigentlich plant er, nach den Dreharbeiten wieder nach Europa zu reisen. Sein Agent Paul Kohner rät ihm allerdings ab, nach Europa zu reisen und verschafft ihm aber immer wieder neue Rollen. So spielt er wieder Offiziere, unter anderem einen SS-Offizier in SO ENDS OUR NIGHT (1941) und den Feldmarschall Rommel in FÜNF GRÄBER BIS KAIRO (1943) unter der Regie von Billy Wilder. Trotz der Rollen wird seinen finanzielle Situation mmer schlechter, 1944 wird er krank und muß operiert werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrt Erich von Stroheim im Dezember 1945 nach Paris zurück, um dann einen seiner erfolgreichsten Filmrollen dann doch wieder in Amerika zu drehen. Billy Wilder engagiert den Schauspieler für seinen Film BOULEVARD DER DÄMMERUNG (1950). Für seine Darstellung des heruntergekommenen Stummfilmregisseur, der nach dem Ende seiner Karriere als Chauffeur für eine alternde Hollywood-Diva (gespielt von Gloria Swanson) arbeitet, wird er als Bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert. Bis 1956 reist er zwischen Amerika und Europa hin und her, dreht noch einige Filme in Frankreich.

1914 heiratet Erich von Stroheim in Amerika Margaret Knox, die allerdings ein Jahr später stirbt. Ein Jahr später ist er mit Mae Jones verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Erich jr. wird 1918 geboren, die Ehe allerdings im selben Jahr geschieden. In dritte Gemeinschaft lebt der Künstler mit Valerie Germonprez zusammen. Sie heiraten 1918 und leben bis 1945 zusammen. Aus dieser Ehe stammt der zweite Sohn Josef Erich. Nach der Trennung von seiner dritten Frau, lebt er mit der französischen Journalisten Denice Vernac zusammen.

Ab den 50er Jahren erhält der Künstler Einladungen in ganz Europa, um seine Filme zu zeigen. Er beginnt seine Memoiren zu schreiben. Anfang 1957 erleidet er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr wirklich erholt. Am 12. Mai 1957 stirbt er in Paris. Zwei Monate vor seinem Tod ist er zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen worden.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Juni 2005

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