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Thea von Harbou

Thea von Harbou
Regie, Drehbuch, Szenarium

* 27. Dezember 1888
Tauberlitz
Deutschland
† 01. Juli 1954
Berlin
Deutschland

THEA VON HARBOU • Biographie Seite 1/1

Thea von Harbou ist die wichtigste Drehbuchautorin der Weimarer Republik und besonders durch ihre Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit Fritz Lang bekannt. Die Autorin denkt beim Verfassen ihrer Drehbücher für Regisseure wie Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau exakt in filmische Kategorien wie Kameraführung, Architektur und Lichtsetzung. In der zeitgenössischen Kritik wird ihr häufig das Banale, Trivile, Schwülstige und auch Rassistische in den Filmen vorgeworfen.

Thea von Harbou wird als Thea Gabriele von Harbou am 27. Dezember 1888 in Tauperlitz bei Hof (Saale) geboren. Ihr Vater ist Forstmeister und Landwirt, ihre Mutter Hausfrau. Zur Familie gehört noch der Bruder Horst von Harbou , der später ebenfalls beim Film als Standfotograf arbeiten wird. Thea von Harbou besucht in Dresden das Luisenstift. Bereits als Schülerin entdeckt sie ihre Leidenschaft für die Schriftstellerei, schreibt Kurzgeschichten, veröffentlicht sogar einige in Provinzzeitungen. Mit 12 Jahren bringt sie ihre ersten Gedichte heraus, als sie 17 Jahre ist, wird ihr erster Roman " Wenn's Morgen wird" in der Berliner Deutschen Zeitung veröffentlicht.

Neben der Schriftstellerei interessiert sich die junge Künstlerin auch für die Schauspielerei. Sie nimmt Schauspielunterricht und debütiert mit 18 Jahren in Düsseldorf am dortigen Schauspielhaus. In der Folge erhält sie Engagements in Weimar, in Chemnitz und Aachen. Obwohl ihr die Schauspielerei sehr am Herzen liegt, beendet sie 1913 ihre Karriere auf der Theaterbühne. Thea von Harbou hat großen Erfolg mit ihren Romanen und Novellen; sie will sich ganz auf das Schreiben konzentrieren.

1918 geht Thea von Harbou nach Berlin. Ihr Vertrags-Verlag wird der Ullstein-Verlag, bei dem bis 1933 alle ihre Bücher erscheinen. 1920 wird ihr erstes Drehbuch verfilmt. Der Regisseur Joe May produziert nach ihrer Vorlage DIE HEILIGE SIMPLICIA (1920). In der Folge arbeitet sie weiter für die Joe May-Film GmbH und lernt dort den jungen Fritz Lang kennen. Zwischen beiden entsteht eine der produktivsten künstlerischen Partnerschaften der 1920er Jahre. Thea von Harbou schreibt von 1920 mit DAS WANDERNDE BILD (1920) bis zum letzten Fritz Lang-Film in Deutschland DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1932) alle Drehbücher für den Ausnahmeregisseur.

Thea von Harbou gehört zu den fleißigsten Autoren der Weimarer Republik. Neben ihrer Arbeit für Fritz Lang arbeitet sie mehrfach mit dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau zusammen; der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer verfilmt eine ihrer Erzählungen.

1933 hat Thea von Harbou keine Schwierigkeiten, sich in der neuen Situation nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zurecht zu finden. Sie wird eine vielbeschäftigte Drehbuchautorin im Dritten Reich, führt auch zweimal Regie. 1940 wird sie Mitglied der NSDAP. Ideologisch passen ihre Drehbücher ins Konzept. Für Hans Steinhoff verfasst sie das Drehbuch zum Film DER JUNGE UND DER ALTE KÖNIG (1935). Sie schreibt für Veit Harlan die Geschichte zu DER HERRSCHER (1937) mit Emil Jannings in der Hauptrolle. Die Autorin ist zudem an zahlreichen Komödien und Literaturverfilmungen beteiligt.

Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft wird Thea von Harbou kurzzeitig von den britischen Alliierten interniert. Danach arbeitet sie körperlich schwer als Trümmerfrau und Fabrikarbeiterin. Seit Anfang der 1950er Jahre verfasst sie wieder Drehbücher, zunächst für die Sychronisation englischer und amerikanischer Filme. 1952 legt sie wieder Fortsetzungsromane vor, die unter anderem in der Berliner Morgenpost veröffentlicht werden. Thea von Harbou arbeitet ebenfalls wieder für den Film, schreibt für die westdeutsche Nachkriegsproduktion drei Drehbücher.

Bei einem ihrer frühen Theater-Engagements lernt Thea von Harbou den Schauspieler und Regisseur Rudolf Klein-Rogge kennen und lieben. Sie heiraten 1914. Anfang der 1920er Jahre lässt sich das Ehepaar scheiden, bleibt aber freundschaftlich verbunden. Am 26. August 1922 heiratet Thea von Harbou den Regisseur und Drehbuchautor Fritz Lang. Das Ehepaar Lang / von Harbou wird zu einem der schillernsten Ehepaare im Berlin der 1920er Jahre. Seit Oktober 1931 leben beide getrennt voneinander. Ihre Ehe wird im April 1933 geschieden. Der Inder Ayi Tendulkar wird der nächste Lebenspartner von Thea von Harbou. Bis 1939 wohnen sie gemeinsam in ihrem Haus in Berlin.

1954 wird in Berlin einer ihrer ersten Filme DER MÜDE TOD (1921) wiederaufgeführt. Thea von Harbou und die Schauspielerin Lil Dagover sind als Ehrengäste geladen. Beim Verlassen des Kinos stürzt die Autorin unglücklich. Thea von Harbou stirbt an den Folgen des Unfalls am 1. Juli 1954 in West-Berlin.

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