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Paul Hartmann

Paul Hartmann
Mitarbeit, Darsteller

* 08. Januar 1889
Fürth
Deutschland
† 30. Juni 1977
München
Deutschland

PAUL HARTMANN • Biographie Seite 1/1

Der Schauspieler Paul Hartmann ist 50 Jahre beim deutschen Film beschäftigt. Er beginnt als junger Held, spielt dann gestandene Männer - meist Offiziere, Ingenieure oder Juristen - und später gibt er besonnene Väter und Großväter. Paul Hartmann beginnt sein schauspielerische Laufbahn kurz vor dem I. Weltkrieg. Im nationalsozialistischen Deutschland macht er zwischen 1933 bis 1945 auch administrativ Karriere als Intendant und zeitweiliger Leiter der Reichstheaterkammer.

Paul Hartmann wird am 08. Januar 1889 als Paul Wilhelm Constantin Hartmann in Fürth geboren. Sein Vater betreibt ein Spielwarenunternehmen, das erfolgreich seine Produkte exportiert. Schon während des Besuchs des Fürther Gymnasiums spielt er bei Schulaufführungen mit. Nach dem Abitur will er Medizin studieren, entscheidet sich aber kurzfristig um.

Als 18jähriger nimmt er Schauspielunterricht bei dem Schauspieler Adalbert Czokke in Nürnberg. Bereits mit 19 Jahren erhält er ein Engagement am Stadttheater in Zwickau. Danach geht er auf Wanderschaft. Er gastiert bei verschiedenen Sommertheatern, spielt in Stettin, später in Zürich. Kurz vor Beginn des I. Weltkrieges ist der junge Schauspieler in Berlin angekommen und spielt an der Max Reinhardt-Bühne in Berlin. Paul Hartmann wird bald zum jungen Helden der Bühne.

Nach dem Ausbruch des I. Weltkrieges bleibt Paul Hartmann am Deutschen Theater. Er unternimmt mit dem weltbekannten Ensemble Tourneen nach Skandinavien und in die Schweiz. 1917 wird seine Schauspielkarriere kurzzeitig unterbrochen. Paul Hartmann wird als Soldat eingezogen. Er übersteht den Krieg unbeschadet. Steht wieder auf der Bühne des Deutschen Theaters. Als sein Mentor Max Reinhardt 1925 Deutschland in Richtung Österreich verläßt, um das Theater in der Josefstadt in Wien zu leiten, folgt er ihm. Ein Jahr später erhält er ein Engagement am Wiener Burgtheater, dem er lange treu bleibt. Erst 1935 kehrt er auf die deutsche Theaterbühne zurück. Gustaf Gründgens holt ihn nach Berlin ans Schiller-Theater, wo Paul Hartmann in Stücke von Theodor Fontane oder Johann Wolfgang Goethe brilliert.

Bereits 1915 wendet sich der Schauspieler dem Film zu. Anfangs spielt er in Unterhaltungsware. Erst Anfang der 20er Jahre wird der ernste Schauspieler in Filmklassikern als ebenso ernster jungen Held besetzt. Er spielt in dem Ufa-Prestigefilm ANNA BOLEYN (1920) von Ernst Lubitsch den Richter Heinrich Norris. Als Graf Peter Paul Oetsch spielt er unter der Regie von Friedrich Wilhelm Murnau in SCHLOß VOGELÖD (1921) vor der Kamera. Mit Lil Dagover steht er als Junker Hinrich in ZUR CHRONIK VON GRIESHUSS (1925) vor der Kamera. Paul Hartmann hat sich bis Mitte der 20er Jahre in die erste Riege deutscher Schauspieler gespielt.

Durch seine Arbeit an Wiener Theatern unterbricht der Schauspieler seine Filmkarriere. Mehr als 5 Jahre ist er nicht auf der großen Leinwand zu sehen. Erst 1932 beginnt er wieder vor der Kamera zu agieren. Mit dem bereits vollzogenden Einzug des Tonfilms hat der Mime keine Schwierigkeiten. Nunmehr spielt Paul Hartmann gestandene Männer, vorzugsweise Offiziere, Soldaten oder Ingenieure. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten entzieht sich der Schauspieler nicht der Propagandamaschinerie. Er ist an einigen Propaganda-Filmen beteiligt. Unter der Regie von Karl Ritter spielt er in dessen Soldatenfilmen heldenhafte Charaktere wie in ÜBER ALLES IN DER WELT (1941) oder POUR LE MÈRITE (1938). Besonders perfide ist die Darstellung als Professor Heyt in den Film über die Euthanasie ICH KLAGE AN (1941) von Wolfgang Liebeneiner. Paul Hartmann ist auch administrativ im Dritten Reich aktiv. 1934 ernennt ihn der Propagandaminister Joseph Goebbels zum Staatsschauspieler. Im Mai 1937 wird er auf Wunsch des Ministerpräsidenten Hermann Göring Mitglied im Kunstausschuß der Universum Film AG (Ufa). Er macht Karriere. 5 Jahre später ist er Präsident der Reichstheaterkammer.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges erhält Paul Hartmann Auftrittsverbot. Erst 1948 ist er wieder auf der Theaterbühne zu sehen. Er spielt in Bonn, später am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Paul Hartmann zählt zu den großen Bühnendarstellern, er gibt zahlreiche Theatertourneen, rezitiert auf Vortragsabenden und ist im Rundfunk zu hören.

Ab 1950 ist der Schauspieler regelmäßig in westdeutschen Filmproduktionen zu sehen. Er spielt nun besonnene, alte Herren, meist Juristen, Pastoren, Väter und Großväter. Seinen letzten Film dreht er Anfang der 60er Jahre. Als Feldmarschall Gerd von Rundstedt spielt er in der internationalen Produktion DER LÄNGSTE TAG (1962) an der Seite von Richard Burton und Sean Connery. 1964 wird er für seine Leistungen um den deutschen Film mit dem Deutscher Filmpreis, dem Filmband in Gold, ausgezeichnet.

Paul Hartmann ist bis 1952 mit einer slowakischen Ballett-Tänzerin verheiratet. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratet er die Malerin Elfriede Lieberum. 1969 erleidet der Schauspieler einen Unfall. Danach zieht er sich zurück und verbringt seinen Lebensabend in Prien am Chiemsee. Paul Hartmann stirbt am 30. Juni 1977 in München.

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