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Fritz Lang

Fritz Lang
Regie, Drehbuch, Szenarium, Schnitt, Mitarbeit, Darsteller, Produzent

* 05. Dezember 1890
Wien
Österreich
† 02. August 1976
Beverly Hills (Kalifornien)
USA

FRITZ LANG • Biographie Seite 1/1

Fritz Lang ist einer der wichtigsten Regisseure der Filmgeschichte; er dreht in den 20er Jahren einige der bedeutsamsten deutschen Stummfilme, während der amerikanischen Emigration in Hollywood Anti-Nazifilme und zahlreiche Genrefilme, wobei dazu einige der besten Werke der Schwarzen Serie gehören. Der Regisseur gilt als akribischer Arbeiter, der sich mit zahlreichen Aspekten seiner Filme beschäftigt: er schreibt die Drehbücher, produziert viele seine Filme selbst, achtet auf Bühnenbild und Filmarchitektur, um seine künstlerischen Ansprüche umzusetzen.

Fritz Lang wird am 05. Dezember 1890 in Wien als Friedrich Christian Anton Lang geboren. Sein Vater ist Architekt, Bauunternehmer und Stadtbaumeister, seine Mutter Hausfrau. Nach der Volks- und Realschule beginnt er 1907 ein Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wechselt nach einen Jahr in den Fachbereich Kunst an die Akademie der Graphischen Künste in Wien. Ab 1911 studiert er an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Julius Diez in München, lebt in den Jahren 1913 und 1914 in Paris als Maler, setzt seine Ausbildung bei Maurice Denis fort.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wieder in Österreich meldet er sich im Januar 1915 freiwillig zum Kriegsdienst. Nach seiner Ausbildung dient er als Artillerie-Offizier an der Front. Fritz Lang wird mehrfach ausgezeichnet. Nach einer seiner vielen Verletzungen wird er längere Zeit im Lazarett behandelt; hier schreibt er erstmals Drehbücher für den Film: Mit Erfolg. Erste Drehbücher werden von dem Regisseur und Produzenten Joe May aufgekauft und verfilmt. Nach seiner Entlassung im November 1918 geht Fritz Lang nach Berlin. Der Produzent Erich Pommer hat ihn als Dramaturg und Drehbuchautor für die aufstrebende Produktionsfirma Decla engagiert. Zahlreiche seiner Bücher werden mit Erfolg verfilmt, zudem häufig als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen veröffentlicht. Das Triviale, die Kolportage und das Exotische liefern den Stoff für viele seiner Ideen; besonders anspruchsvoll sind die Bücher nicht.

1919 führt Fritz Lang erstmals Regie. HALBBLUT (1919) erzählt von dem schönen Halbblut Juanita (gespielt von Resl Orla), die den Männern den Kopf verdreht. Da sie nicht beachtet wird, rächt sie sich verhängnisvoll. Dem jungen Regisseur wird kultivierter Geschmack und Sachkenntnis bescheinigt. In der Folge erhält Fritz Lang immer mehr Gelegenheit, seine eigenen Drehbücher zu verfilmen. 1920 lernt er die Autorin Thea von Harbou kennen, mit der er bis 1933 zusammenarbeiten wird. Beide werden eines der erfolgreichsten Drehbuch-Paare der Weimarer Republik. Sie schreiben unter anderem das Buch zu DAS INDISCHE GRABMAL (1921) von Joe May.

Ab 1921 arbeitet das Team wieder für die Decla-Bioscop des Erich Pommer, später nach der Übernahme bei der Universum Film AG (Ufa). Hier entstehen in der nächsten Zeit einige der wichtigsten Filme Fritz Langs, die zu Klassikern der deutschen Filmgeschichte werden. Der Regisseur bedient sich der expressionistischen Stilelemente der Raumgestaltung und der Bildsprache. Zudem werfen seine Filme immer wieder Fragen auf, thematisieren Massenpsychologie und werden zu Zeitgemälden. In DER MÜDE TOD (1921) bittet ein junges Mädchen den Tod um das Leben ihres verstorbenen Geliebten. Sie erhält eine Chance, wenn sie für das Leben ein anderes erhält. Die Kritik ist von dem Film begeistert. Im Zweiteiler DR. MABUSE, DER SPIELER (1921) setzt der Regisseur den Wahnwitz der Epoche in charakteristischen Typen und Milieus um. Mit enormen hypnotischen Fähigkeiten ausgestattet, strebt Dr. Mabuse (dargestellt von Rudolf Klein-Rogge) die Weltherrschaft an. Danach entsteht der Zweiteiler DIE NIBELUNGEN (1924), in dem der Regisseur den deutschen Mythos wiederbeleben will. Die Kritik feiert das Kunstwerk als Meilenstein nationalistischer Kunst, Kritiker werfen dem Regisseur genau diesen Nationalismus vor.

Im Herbst 1924 reist Fritz Lang gemeinsam mit Erich Pommer nach Hollywood. Von der Reise inspiriert wird der Science Fiction METROPOLIS (1927) (METROPOLIS (1927) Trailer), der nach eineinhalb Jahren Drehzeit im Januar 1927 in die Kinos kommt und die Ufa fast in den finanziellen Ruin führt. Erzählt wird von einer gigantischen Stadt, in der die Reichen in der oberen Stadt ein genüssliches Leben führen, die Arbeiter unter der Erde hausen. Eine Revolte, ausgelöst durch den Wissenschaftler Rotwang, der eine Maschinenfrau zum Leben erweckt, soll alle Werte zerstören. Aber sie endet versöhnlich: Kapital und Arbeit reichen sich die Hand. Technisch und architektonisch ist der Film auf dem neuesten Stand: Das neue Spiegeltrick-Verfahren des Kameramanns und Technikers Eugen Schüfftan wird brillant eingesetzt. Bei der Kritik kommt der Film aufgrund seiner kruden Handlung nicht gut an, auch an den Kinokassen bleibt der Erfolg aus; erst später wird er ein Kultfilm, auf dessen visuellen Reichtum zahlreiche Künstler immer wieder zurückgreifen.

Nach dem finanziellen Desaster verlässt Fritz Lang die Ufa und gründet die Fritz Lang-Film GmbH, deren Filme von der Ufa verliehen werden. SPIONE (1928) ist der erste Film der neuen Produktionsfirma. Erzählt wird von Doppelleben eines Bankhaus-Chefs, der auch der Kopf eines international agierenden Spionagerings ist. Der Science Fiction DIE FRAU IM MOND (1929) ist der letzte Stummfilm des Regisseurs: Sechs Menschen treten die erste Fahrt zum Mond an, finden dort Gold und zerstreiten sich deswegen. Danach entsteht mit dem psychologischen Thriller M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931) einer der bemerkenswertesten deutschen Filme. Geschildert wird ein Kriminalfall: Ein Kindermörder terrorisiert eine Stadt. Da die Polizei nicht in der Lage ist, ihn dingfest zu machen, übernimmt dies die Unterwelt. Der Lynchjustiz kann der Mörder durch den Eingriff der Polizei entgehen. Technisch geschickt nutzt Fritz Lang die Möglichkeiten des Tons; er arbeitet mit Geräuschen und einem von ihm selbst gepfiffenen Musik-Motiv. Gelobt wird zudem die brillante darstellerische Leistung von Peter Lorre, der der Rolle des psychopathischen Kindermörders zahlreiche Nuancen abgewinnen kann. Ebenso positiv wird Otto Wernicke kritisiert, der den Kommissar Lohmann gibt: Pragmatisch und rational ist dieser Kommissar angelegt, der obendrein durch körperliche Wucht Respekt einflößt. Es sind nicht mehr Intuition und Genialität, die ein Verbrechen aufklären, sondern handfeste Kleinarbeit und rationale Überlegung.

Mit DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1932) setzt Fritz Lang seine Mabuse-Reihe fort. Obwohl Dr. Mabuse in einer Nervenheilanstalt einsitzt, gelingt es ihm mittels telepathischer Fähigkeiten die Menschen in seiner Umgebung zu manipulieren. Allzu deutlich sind die Hinweise auf die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland; der Film kommt deshalb nach der Machtergreifung im Januar 1933 auch nicht zur Aufführung. Obwohl ihm der Propagandaminister Joseph Goebbels die Präsidentschaft der deutschen Filmindustrie anbietet, verlässt der Regisseur im Juli 1933 über Nacht Deutschland und emigriert nach Paris. Hier entsteht für den Produzenten Erich Pommer der Film LILIOM (1934): Ein Rummelplatzausrufer muss Höllenfeuer erleiden, weil er seine Frau geschlagen hat. Erst wenn er seiner herangewachsenen Tochter etwas Gutes tut, ist er erlöst. Wieder geht es um die Frage der Schuld; die vielen Fällen wird der Künstler dieses Thema immer wieder aufgreifen.

1934 unterzeichnet Fritz Lang einen Vertrag mit dem Produzenten David O. Selznik über einen Film für MGM. Er reist in die Staaten, erhält 1935 die amerikanische Staatsbürgerschaft. In Amerika muss der Regisseur seine Arbeitsmethode radikal den Hollywood-Studios anpassen; nicht immer ist er mit seinen Werken zufrieden. Ständig muss er balancieren zwischen der Anpassung an den amerikanischen Publikumsgeschmack, den die Produzenten einfordern und seinen eigenen künstlerischen Ansprüchen. Trotzdem produziert er 22 Filme in Hollywood, mehr als die Hälfte seines gesamten Werkes. Sein erster Film wird FURY (1936) mit Spencer Tracy in der Hauptrolle. Erzählt wird eine ähnliche Geschichte wie in M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931). Der Arbeiter Joe Wilson wird für die Entführung eines Mädchens verantwortlich gemacht und die Bewohner einer Kleinstadt in Illinois machen gegen ihn mobil; ein Mob brennt das Gefängnis nieder. Aber Joe Wilson überlebt und nachdem seinen angeblichen Mördern der Prozess gemacht wird, geht er vor Gericht und erklärt sich. GEHETZT (1937) mit Henry Fonda und Sylvia Sydney thematisiert ebenfalls die Gerechtigkeit in der Gesellschaft und stellt sich der Frage, ob ein Mann seine Vergangenheit vergeben werden kann. Beide Filme werden zu überraschenden Erfolgen an den Kinokassen.

In der Folge ist Fritz Lang einer der wenigen emigrierten Künstler, die kontinuierlich in Hollywood arbeiten können. Er inszeniert Western wie RACHE FÜR JESSE JAMES (1940) und ÜBERALL DER OGALALLA (1940) sowie die antifaschistischen Filmen MENSCHENJAGD (1941), MINISTERIUM DER ANGST (1944) und AUCH HENKER STERBEN (1942). Bei letzterem arbeitet er mit Bertolt Brecht gemeinsam am Drehbuch, zerstreitet sich aber mit dem Autor. Bereits 1936 hat er gemeinsam mit anderen Künstlern die Anti-Nazi-League gegründet. 1940 wird er mit Schauspielern wie Fredric March, James Cagney und Humphrey Bogart angeklagt, die Kommunisten in Hollywood zu unterstützen; 1952 im Zuge der antikommunistischen Hexenjagd und der Gründung des parlamentarischen Ausschusses für antiamerikanische Umtriebe erneut verdächtig.

1945 gründet er gemeinsam mit dem Produzenten Walter Wanger, der Schauspielerin Joan Bennett und dem Autor Dudley Nichols die Diana Productions. Hier entstehen einige Filme, die zu den besten Filmen der Schwarzen Serie zählen; sie zeigen die andere Seite des amerikanischen Traums, gnadenlos und kompromisslos. Dazu gehören unter anderem GEFÄHRLICHE BEGEGNUNG (1945), SCARLET STREET (1945), HEISSES EISEN (1953) und DIE BESTIE (1956), in dem er nochmals auf das Thema des triebhaften Großstadtmörders zurückkommt. Auch zahlreiche Genrefilme dreht der Regisseur. Seine Arbeiten in Amerika werden einem deutschen Publikum aber erst bekannt, als Regisseure der Nouvelle Vague in den späten 50er Jahren Fritz Lang wieder entdecken.

Mitte der 50er Jahre besucht Fritz Lang erstmals wieder Deutschland. Er nimmt ein Angebot des Produzenten Artur Brauner an und realistisiert ein Remake von DAS INDISCHE GRABMAL. Außerdem dreht er einen weiteren Mabuse-Film: In DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (1960) versucht ein Nachfolger die Kontrolle über Atomkraftwerke zu erreichen. Die deutschen Filme haben nicht den erhofften Erfolg, werden sogar ein künstlerisches Desaster. In seinen letzten Lebensjahren arbeitet Fritz Lang unter anderem mit Jean-Luc Godard zusammen, beschäftigt sich mit verschiedenen Projekten. Trotz seiner Krankheit - er ist fast erblindet - reist er viel, besucht Retrospektiven, die auf der ganzen Welt stattfinden.

Im August 1922 heiratet Fritz Lang die Autorin Thea von Harbou. Im April 1933 wird seine Ehe geschieden. Bereits seit 1931 lebt das Paar getrennt. In Amerika heiratet er seine langjährige Lebensgefährtin Lilly Latte. Er stirbt am 02. August 1976 in Beverly Hills.

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