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Mae West

Mae West
* 17. August 1893
New York (New York)
USA
† 22. November 1980
Hollywood (Kalifornien)
USA

MAE WEST • Biographie Seite 1/1

Sie gehört zu den eigenwilligsten und selbstbewußtesten Frauen der Filmgeschichte. Über sich selbst sagt sie "Hätte ich mich danach gerichtet, was andere Leute mit mir planten, es hätte niemals eine Mae West gegeben." Mae West hat sich ihren Platz in der Filmgeschichte als erster weiblicher Star, der selbstbestimmt Sexualität auf der Leinwand verkörpert, erkämpft.

Mae West wird als Mary Jane West am 17. August 1893 (einige Quellen nennen 1892) im Stadtteil Brooklyn in New York geboren. Ihr Vater ist der Preisboxer Jack West. Er ist englich-irischer Abstammung und erkämpft sich über Jahre hinweg seinen eigenen Mietstall. Ihre Mutter ist deutscher Abstammung, die vor der Ehe mit dem Boxer als Miederwarenverkäuferin (andere Quellen nennen eine französische namenlose Schauspielerin oder die deutsche Schauspielerin Matilda Doelger) gearbeitet hat. Mary Jane hat noch zwei Geschwister.

Noch bevor das neue Jahrhundert anbricht, steht das Mädchen auf der Bühne im Gotham Theatre in Brooklyn - mit fünf Jahren. Bekannt wird sie durch ihre Imitationen von Schauspieler. Außerdem spielt sie in den klassischen Kinderrollen wie "Der kleine Lord" oder "Baby Vamp". Als sie sieben Jahre ist, beginnt sie in der Hal Clarendon's Stock Company zu spielen und tourt über mehrere Jahre durch die amerikanische Provinz.

Ihre Karriere als Erwachsene beginnt 1911. Sie spielt in dem Stück "A la Broadway and Hello, Paris" am New Yorker Folies Bergere Theatre. In den folgenden Jahren wird sie am Broadway eine vielbeschäftigte Schauspielerin, die ihren eigenen Stil entwickelt: wehende Federboas, extravagante Kostüme, tiefe Dekolletés. Ihre Sprache ist mehr als anzüglich, sie gilt als Sexsymbol der Zeit, wird später gar "Statue of Libido" genannt. 1911 heiratet sie den Jazzsänger Frank Wallace. Obwohl die Ehe formal erst 1943 geschieden wird, trennt sich das Paar bereits kurze Zeit später. Skandale im Privatleben gibt es nicht.

1918 gibt es einen Schub in der Karriere. Als erste weiße Frau tanzt sie den Shimmy in dem Stück "Sometime" von Arthur Hammerstein im Shubert Theater. Shimmy ist ein Jazz-Bauch-Tanz, der sich durch energische Vibrationen des Körpers auszeichnet. Die Aufführung wird ein Skandal, aber überaus erfolgreich. Mae West beginnt, sich ihre Songtexte selbst zu schreiben. 1926 folgt ihr erstes Musical "Sex", daß im selben Jahr von ihr inszeniert und produziert am New Yorker Broadway Premiere feiert. Sie spielt eine Hafendirne. Die Aufführung wird zu einem Skandal ohne gleichen. Wegen Obszönität, unanständiger Zurschaustellung und Gefährdung der öffentlichen Moral wird sie zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Jahr später folgt das Bühnenstück "Drag", eine Geschichte über Homosexualität. Weitere Stücke erleben ihre Uraufführung, nicht minder skandalös. Das Theater, in dem ihr Stück "The Pleasure Man" aufgeführt wird, wird sofort nach der Premiere von der Polizei geschlossen.

Zum Film kommt Mae West relativ spät. Ihr erstes Filmrollenangebot hat sie Anfang der 20er Jahre von der Firma Pathé erhalten. Sie lehnt allerdings ab. Erst mit 40 Jahren und als der Tonfilm seinen Einzug hält, beginnt ihre Karriere in Hollywood. Paramount nimmt sie unter Vertrag, zuvor hatten die Produktionsfirmen Fox und Warner Bros. abgelehnt. Paramount ist eine der kleineren Produktionsfirmen unter den großen. Regisseure, Kameraleute und sogar die Schauspieler haben mehr Spielraum als zum Beispiel bei MGM, dafür steht die Firma immer kurz vor der Ruin. Mae West rettet mit ihren beiden ersten Filmen NIGHT AFTER NIGHT (1932) und SHE DONE HIM WRONG (1933) die Paramount vor der drohenden Übernahme durch MGM. Die Filme werden große Finanzerfolge, der letztere von beiden erzielt zwei Millionen Dollar in drei Monaten. Damals ein immenser Betrag. Mae West selbst erhält das zweihöchste Einkommen in den USA, nur noch übertroffen vom Medienmogul William E. Hearst, der zu ihren schärfsten moralischen Gegner zählt. Sie kann sich ihre Filmpartner aussuchen, schreibt sich ihre eigenen Drehbücher oder verändert zumindest die Dialoge der fremden. Sie wird eine Institution.

Ihre Filme bringen die amerikanische Filmzenzur in Bewegung und Frauenverbände bestreiken die Kinos. Der Film SHE DONE HIM WRONG wird zum Anlaß genommen, die Episcopal Comitee of Decency (später National Legion of Decency) zu gründen, die einen allgemeinen Produktionscode der Filmfirmen überwacht und den moralischen Anstand aufrecht erhalten will. Schließlich wird Paramount 1937 sogar gezwungen, den Vertrag mit Mae West aufzukündigen. Sie dreht aber weiterhin Filme bei Major Picture oder Universal Picture, die die Paramount verleiht. Bis 1943 hat sie 10 Filme gedreht, in der sie die immer gleiche Rolle spielt: eine laszive Glamour-Frau, die mit Doppeldeutigkeiten die Begierden der Männern anstichelt und sie zugleich unter Kontrolle hält. Ihr vorerst letzter Film THE HEATS ON (1943) an der Seite des ebenso skandalumwobenen Schauspielers W. C. Fields wird allerdings ein Flop. Mae West zieht sich aus Hollywood zurück und arbeitet wieder verstärkt mit mehr oder minder großen Erfolg auf der Bühne. Sie führt ihr Stück "Diamond Lil" wieder auf, tingelt durch Bars und Nachtclubs, schreibt ihre Autobiografie.

Mit 76 Jahren feiert sie ein Comeback beim Film, in der Persiflage MYRA BRECKINRIGDE (1969). Mit 85 Jahren hat sie letzte Rolle. In SEXTETTE (1975) spielt sie eine alte Diva, die auf der Hochzeitreise mit dem um mehrere Jahrzehnte jüngeren Ehemann ihren alten Ehemännern begegnet. Beide Filme überzeugen nicht, aber Mae West wird dem Vergessen entrissen. Ihre alten Filme werden wieder aufgeführt. Ihre Rolle als Verfechterin von sexueller Freiheit und Gleichheit der Geschlechter zur Überwindung von sexueller Tabus wird gewürdigt. Mae West starb am 22. November 1980 in Los Angeles.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Oktober 2003

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