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Heinrich George

Heinrich George
Regie, Darsteller, Produzent

* 09. Oktober 1893
Stettin
Deutschland (heute Polen)
† 26. September 1946
Sachsenhausen
Deutschland

HEINRICH GEORGE • Biographie Seite 1/1

Den deutschen Schauspieler Heinrich George, Vater des Schauspielers Götz George, in einem Film zu sehen, ist auch heute noch – oft über 50 Jahre nach der Entstehung seiner meisten Filme – ein unvergessliches Erlebnis. Bei fast allen seiner Rollen wird es offensichtlich: Er ist ein Vollblut-Schauspieler, der eine Leinwand ausfüllt und die Szenerie durch seine Präsenz beherrscht.

Heinrich George (eigentlich Georg August Friedrich Hermann Schulz) wird am 09. Oktober 1893 in Stettin als Sohn des Marineoffiziers August Schulz geboren. Schon in seiner Kindheit verspürt er den Drang, Schauspieler zu werden. Er nimmt früh Schauspielunterricht und bricht sogar seine Schulausbildung ab. Mit 19 Jahren erhält er sein erstes Theaterengagement in Kolberg, später steht er in Bromberg und Neustrelitz auf der Bühne. Durch den I. Weltkrieg wird seine künstlerische Laufbahn kurz unterbrochen: Er meldet sich freiwillig und wird 1917 schwer verwundet. Nach der Heilung findet er Engagement in Dresden und Frankfurt, am Main.

1921 kommt er nach Berlin und erhält ein Engagement an Max Reinhardts Deutschem Theater. Bald gehört er mit seinen Bühnenarstellungen in zahlreichen klassischen Inszenierungen zu den renommiertesten Schauspielern der Weimarer Republik; er spielt Wallenstein, Falstaff, Götz von Berlichingen oder Faust.
Er gibt Gastspiele am Wiener Burgtheater, gründet gemeinsam mit Elisabeth Bergner und Alexander Granach das freie "Schauspieler-Theater" in Berlin, spielt unter Erwin Piscator und Bertolt Brecht an der Berliner Volksbühne linkes Agitationstheater; tritt als Redner bei Kundgebungen der Kommunistischen Partei Deutschlands auf, ist Mitorganisator eines Schauspielerstreiks.

Anfang der 20er Jahre beginnt Heinrich George auch für den Film zu arbeiten. Anfangs spielt er in vielen Filmen Nebenrollen. Erst in dem Fritz Lang-Film METROPOLIS (METROPOLIS Trailer) (1927) erhält er eine größere Rolle. Er spielt den Arbeiter Groth, Maschinenwärter, der dem Kapitalisten die Hand zur Versöhnung reicht. Danach folgen zahlreiche große Rollen bei Regisseuren wie Richard Oswald, unter dessen Regie er Emile Zola in DREYFUS (1930) spielt. In dem Film BERLIN - ALEXANDERPLATZ (1931) nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin spielt Heinrich George eine seiner Paraderollen. Als Franz Biberkopf überzeugt er Publikum und Kritiker, nunmehr zählt er auch vor der Kamera zu den führenden Schauspielern des Landes.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wird Heinrich George aufgrund seiner politischen Einstellung kurzfristig mit Spielverbot belegt. Nicht auf der Bühne stehen zu können, muß für den Ausnahme-Schauspieler unerträglich gewesen sein. Er arrangiert sich mit dem NS-Regime und spielt in einem der ersten Propagandafilme HITLERJUNGE QUEX (1933) den Kommunisten, der sich zum Nationalsozialismus bekehren läßt.

1937 wird Heinrich George vom Propagandaminster Joseph Goebbels zum "Staatsschauspieler" ernannt. Ein Jahr später übernimmt er als Intendant das Berliner Schiller-Theater. Heinrich George bietet vielen Künstler, die sich regimekritisch verhalten, Engagements. Er übernimmt aber auch immer wieder Rollen in Propagandafilme der Nationalsozialisten. In Veit Harlans antisemitischen Hetzfilm JUD SÜß (1940) spielt er den verschwendungssüchtigen und habgierigen Herzog Karl Alexander von Württemberg.
In einer weiteren Literaturverfilmung, DER POSTMEISTER (1940), feiert Heinrich George einen großen Publikumserfolg. Neben der Rolle des Franz Biberkopf gilt die Darstellung des Postmeisters als seine größte filmschauspielerische Leistung. Zugleich ist der Film ein Beispiel für nationalsozialistische Kulturpolitik. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt gilt der Film als direkte Bekräftigung des freundschaftlichen Verhältnisses beider Staaten. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion verschwindet der Film aus den deutschen Kinos, da der Feind nun zu menschlich und freundlich gezeichnet wird.

Im letzten großen Propagandafilm des Regimes KOLBERG (1945) spielt der Schauspieler die Rolle des Bürger Nettelbeck, der durch sein Engagement Kolberg vor den Feinde rettet und seine Mitbürger zum Durchhalten aufruft. Seine Figuren strahlen auch in solch perfiden Duchhaltefilmen neben Unerbitterlichkeit auch immer Menschlichkeit und Verständnis aus. Gerade dieses tiefgründige Spiel, wie etwa auch in einem weiteren Durchhaltefilm DIE DEGENHARDTS (1944) macht Heinrich George für die Nationalsozialisten so nützlich. Der Schauspieler läßt sich für die Ideologie benutzen, sein unbedingter Drang zum Spielen kommt ihnen entgegen.

Nach Ende des Krieges wird Heinrich George als Repräsentant nationalsozialistischer Kulturpolitik vom sowjetischen Geheimdienst "Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten" (NKWD) verhaftet und im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Dort spielt er vor Mitinhaftierten und russischen Soldaten Theater, in deutscher und russischer Sprache. Am 25. September 1946 stirbt Heinrich George an den Folgen der Haftbedingungen. Erst am 14. Mai 1998 wird er offiziell rehabilitiert.

Seit 1933 ist Heinrich George mit der Schauspielerin Berta Drews verheiratet. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor. Götz George und Jan George werden ebenfalls Schauspieler.

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