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Carl Mayer

Carl Mayer
Drehbuch

* 20. Februar 1894
Graz
Österreich
† 01. Juli 1944
London
Großbritannien

CARL MAYER • Biographie Seite 1/1

Der Drehbuchautor Carl Mayer ist fast in Vergessenheit geraten. Dabei schreibt er in den 20er Jahren zahlreiche Drehbücher für die wichtigsten deutschen Stummfilm-Klassiker. Gelobt wird seine enorme visuelle Vorstellungskraft, die es leicht macht, seine Sprache in Bildern umzusetzen. Kein anderer Autor hat mit derart vielen Innovationen auf die erzählerischen, bildgestalterischen und filmtechnischen Anforderungen der Zeit so schnell reagiert und dabei stets einen ganz individuellen Stil bewahrt. Carl Mayer gilt als Wegbereiter fast aller durchgreifenden Veränderungen innerhalb erzählerischer Motive oder experimenteller Formen im Kino der Weimarer Republik.

Carl Mayer wird am 20. Februar 1894 in Graz geboren. Sein Vater ist Kaufmann. Er wächst mit drei Brüder auf; ist der jüngste Sprößling der Familie. Carl Mayer besucht ein Gymnasium, bricht aber vor dem Abschluß ab, weil sein Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen kann. Carl Mayer muß seit 1909 zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Sein Vater hat alles verspielt und beginnt 1914 Selbstmord.

1914 kommt er mit dem Film in Kontakt, arbeitet als Statist und Mann für alle Fälle auf verschiedenen kleinen Theatern. Stationen sind Linz, Salzburg und Innsbruck, bis er 1917 nach Berlin ans Residenztheater kommt. Carl Mayer gründet in Berlin mit Kollegen die "Dramatische Gesellschaft Berlin". Es werden expressionistische Stücke aufgeführt, bei denen er auch als Regisseur tätig ist. Er lernt die Schauspielerin Gilda Langer kennen, den Star des Theaters und Hans Janowitz, mit dem er später zusammenarbeiten wird.

1919 legen beide das Drehbuch zu DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) vor. Der Schausteller und Anstaltsdirektor Dr. Caligari läßt sein Medium Cesare nächtens unter Hypnose Morde begehen. Robert Wiene wird als Regisseur verpflichtet. Er inszeniert den Film in den kleinen Weissensee-Studios in Berlin. Berühmt werden die aufgemalten Kulissen in expressionistischer Manier, die Licht-Schatten-Wirkungen des Films, der Darstellungsstil von Conrad Veidt und Werner Krauss sowie seine agressive Werbekampagne, bei der "Du mußt Caligari werden!"-Plakate die Litfaßsäulen ausfüllen. Viel spekuliert wird über die Veränderungen des Drehbuchs, dem eine Rahmenhandlung beigefügt wird. Der Film gilt als Meilenstein der Filmgeschichte und des expressionistischen deutschen Stummfilms.
In seinen nächsten Film GENUINE (1920) arbeiten Drehbuchautor und der Regisseur Robert Wiene weiter daran, den Expressionismus auf den Film zu übertragen. Leider flopt der Film an den Kinokassen.

Carl Mayer adaptiert mit SCHLOß VOGELÖD (1921) eine Fortsetzungsgeschichte aus der Berliner Illustrirten. Hier geht es um Verrat, Mord, Bruderhaß und Eifersucht im aristokratischen Milieu. Es spielen unter anderem Olga Tschechowa und Paul Hartmann unter der Regie von Friedrich Wilhelm Murnau. Zwischen dem Regisseur und dem Drehbuchautor entsteht eine kreative künstlerische Partnerschaft, die auch noch besteht, als Friedrich Wilhelm Murnau bereits in den USA dreht. Sieben Filme drehen beide gemeinsam, wobei DER LETZTE MANN (1924) einer ihrer größten künstlerischen Erfolge in Deutschland wird. Der Portier des Hotels Atlantic verliert mit seiner Uniform auch seine Würde, als er zum Toilettenmann degradiert wird. Emil Jannings spielt die Hauptrolle in diesem klassischen Kammerspiel. Die 'entfesselte Kamera' des Karl Freund trägt ebenfalls zur nationalen und internationalen Anerkennung des Films bei. Ihren künstlerischer Höhepunkt erreicht die Zusammenarbeit mit dem von der Kritik hochgelobte Film SUNRISE (1927), der schon in Hollywood gedreht wird. Nach der Hermann Sudermann-Erzählung "Die Reise nach Tilsit" (1917) adaptiert der Drehbuchautor den Stoff.

Auch für andere Regisseure schreibt Carl Mayer immer wieder Skripte. Mehrmals arbeitet er mit Lupu Pick, Leopold Jessner und Paul Czinner zusammen. Es entstehen zahlreiche Kammerspiele, die die Schicksale kleiner Menschen eindrucksvoll schildern. In HINTERTREPPE (1921) spielt Henny Porten ein Dienstmädchen vor der Kamera, in VANINA VANINI (1922) ist Asta Nielsen die Tochter des Gouverneurs, die sich in einen Rebellen verliebt, die der Vater verfolgt. Carl Mayer ordnet die Handlung der Novelle von Stendhal neu. Er erzählt die Geschichte in einer Nacht und einem Tag. Dadurch gewinnt sie an Stärke und beeindruckt durch ihre Klarheit. Der Film gilt als konsequentester Versuch, aus den Bedingungen des lebenden Bildes heraus eine besondere Kunstform zu schaffen.

Carl Mayer produziert zahlreiche Prozesse und Klagen, kleinere Eklats und größere Skandale. Der Autor distanziert sich von Verfilmungen, weil sie seine Vorlagen filmisch falsch umsetzen wie in ERDGEIST (1922) von Leopold Jessner. Er arbeitet lange an einzelnen Drehbüchern; fast zwei Jahre an TARTÜFF (1927). Da er Drehbücher, die unfertig sind oder seinen künstlerischen Ansprüchen nicht genügen, nicht an die Öffentlichkeit gibt, verklagt ihn die Universum Film AG (Ufa) Mitte der 20er Jahre. Trotz Vorschüsse hat er Skripts nicht geliefert. Er ist hoch verschuldet und per Zwangsvollstreckung wird das Geld eingetrieben. In der Folge wird er bei verschiedenen Filmprojekten nicht genannt oder arbeitet "nur" als Berater bei der Entwicklung von Filmstoffen. Unter anderem fungiert er mit dieser Funktion bei Leni Riefenstahl und Arnold Fanck.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigriert Carl Mayer Ende des Jahres 1933 nach Prag, später nach England. Auch hier ist die Ufa noch finanziell an ihm interessiert. Carl Mayer verkauft einige seiner Stummfilmrechte unter Wert an den Konzern. Seinen Lebensunterhalt verdient er zunächst als Autor für das Erfolgsteam Paul Czinner und Elisabeth Bergner, bis er 1937 arbeitslos wird. Seine Drehbuch-Projekte werden nicht realisiert; er arbeitet als Berater in Drehbuch- und Schnittfragen.

1942 erkrankt Carl Mayer an Krebs. Nur Morphium kann ihn von seinen Schmerzen zeitweise befreien; er wird abhängig. Am 01. Juli 1944 stirbt Carl Mayer an seiner Krankheit. Er ist nur 50 Jahre alt geworden.

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