Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Willy Schmidt-Gentner

Willy Schmidt-Gentner
Musik, Musikalische Leitung, Darsteller

* 06. April 1894
Neustadt
Deutschland
† 12. Februar 1964
Wien
Österreich
andere Namen Wilhelm Schmidt-Gentner

WILLY SCHMIDT-GENTNER • Biographie Seite 1/1

Der Komponist Willy Schmidt-Gentner gehört zu den meistbeschäftigten Filmmusikern der 20er, 30er und 40er Jahre. Für mehr als 120 Filme hat er die Musik komponiert oder vor der Leinwand live auf dem Klavier oder mit einem großen Orchester die Filme illustiert. Willy Schmidt-Gentner besitzt das fachmännische Gespür für die musikalische Untermalung einer Szene, entlockt seinem Orchester genau die richtige Spannung und erhöht damit die Dramatik des Films.

Willy Schmidt-Gentner wird am 06. April 1894 in Neustadt, Thüringen geboren. Über seine familiäre Herkunft ist derzeit nichts bekannt. Während seiner Kindheit erhält er Unterricht in Geige und lernt bei Max Reger Kompositionslehre.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges beginnt Willy Schmidt-Gentner als Beamter zu arbeiten. Seine Aufgabe ist es, verschiedene Kinobesitzer zu kontrollieren, ob diese ihre Steuern abgeführt haben. Dadurch kommt er mit dem Film in Kontakt und entdeckt seine große Leidenschaft. Durch einen seiner Klienten erhält er ein Engagement als Kapellmeister. Zu Kinovorführungen komponiert er Musik, spielt sie selbst auf dem Klavier ein oder dirigiert ein kleines Orchester. Bald zählt der Musiker zu den bekanntesten Komponisten der 20er Jahre.

Sein Kollege Giuseppe Becce hat die Universum Film AG (Ufa) durch Gehaltsforderungen erbost, ihm wird gekündigt. Willy Schmidt-Gentner erhält seine Stelle an einem der Prestige-Kinos der Ufa, dem Ufa-Palast in Berlin. Zudem bleibt er Orchesterleiter und Illustrator am Gloria-Palast, bei dem er bereits vorher tätig war. Bei der damaligen Kritik wird die Arbeit des Komponisten hochgelobt. Er entwickelt ein Gespür für die passende Schlagermelodie zur jeweiligen Szene, als Dirigent entlockt er seinen Orchestern genau die richtige Spannung und erhöht damit die Dramatik des Films. Mehrmals illustriert und komponiert er Filmmusik zu Werken von Paul Wegener, begleitet den Monumentalfilm I.N.R.I. (1923) oder das phantasievolle Märchen GEHEIMNISSE DES ORIENTS (1928).

Als der Tonfilm seinen Siegeszug hält, hat der Musiker keinerlei Schwierigkeiten, seine Karriere fortzusetzen. Zwar verringern sich die Live-Auftritt vor dem Kinopublikum und die Orchester sterben langsam, aber Willy Schmidt-Gentner wird zu einem gefragten Filmkomponisten. Er gilt als Fachmann im Bereich leichte Unterhaltung, komponiert bevorzugt Romanzen und Lustspiele. Zu seinen großen Erfolgen zählen unter anderem HOKUSPOKUS (1930) oder LIEBLING DER GÖTTER (1930) von Reinhold Schünzel.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialsozialisten im Januar 1933 arbeitet der Komponist ohne Schwierigkeiten weiter. Er zieht nach Wien. In dieser Zeit wagt sich der Komponist auch auf den Regiestuhl und inszeniert zwei Filme: DIE POMPADOUR (1935) mit Käthe von Nagy in der Hauptrolle und DER WEG DES HERZENS (1937). Aber es bleiben Ausflüge. Willy Schmidt-Gentner arbeitet als musikalischer Spitzenverdiener für die Wien-Film, die nach dem "Anschluß" Österreichs als Nachfolgerin der Tobis-Sascha-Film das zentrale Filmproduktionsunternehmen wird. Er arbeitet mehrmals mit den Regisseuren Willi Forst und Gustav Ucicky zusammen, komponiert unter anderem die Musik zu dem Klassiker DER POSTMEISTER (1941) mit dem genialen Heinrich George in der Hauptrolle. Aber im "Hollywood an der Donau" schreibt der Komponist auch für Stoffe mit propagandistischen Hintergrund, so für die Filmen HEIMKEHR (1941) oder WIEN 1910 (1943).

Nach dem Ende des II. Weltkrieges bleibt der Komponist in Wien. Auch in dieser Zeit gehört er zu den meistbeschäftigten Komponisten. Dabei reicht sein Schaffen von anspruchsvoller Vergangenheitsbewältigung wie DER VERLORENE (1951) von Peter Lorre bis zu den damals beliebten Schlager- und Heimatfilmen.

Willy Schmidt-Gentner zieht sich Mitte der 50er Jahre aus dem Filmgeschäft zurück. Er stirbt am 12. Februar 1964 in Wien.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 0,76051