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Liane Haid

Liane Haid
Mitarbeit, Darsteller

* 16. August 1895
Wien
Österreich
† 28. November 2000
Wabern, bei Bern
Schweiz

LIANE HAID • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Liane Haid ist über den Zeitraum von 20 Jahren, in den 10er bis in die 30er Jahre hinein, eine der bekannten Schauspielerinnen im österreichischen und deutschen Film. Im Verlaufe ihrer Filmkarriere hat die Schauspielerin in etwa 100 Stumm- und Tonfilmen mitgewirkt. Meist verkörpert sie den anmutigen Frauentyp - blond, mondän und gewinnend. Sie spielt die Pompadour, die Czardasfürstin und das Schwarzwaldmädel.

Liane Haid wird am 16. August 1895 in Wien als Juliane Haid geboren. Ihre Vorfahren entstammen einer bayrischen Adelsfamilie, sie wächst in gesicherten Verhältnissen auf. Ihre fünf Jahre jüngere Schwester Grit Haid wird ebenfalls als Schauspielerin arbeiten Schon früh erhält sie Ballettunterricht und eine umfassende Gesangsausbildung. Bereits im Kindesalter tritt sie als Solistin an der Wiener Hofoper auf. Als Balletteuse feiert sie Erfolge, unter anderen wird sie auch ans Theater nach Budapest verpflichtet.

1915 steht die damals 20jährige erstmals vor der Kamera. Die Regisseure Jakob Fleck und Luise Fleck (damals noch Luise Kolm) holen sie zum Film. In der Folge bauen sie die junge Schauspielerin zum Star der Wiener Kunstfilm auf. Während des Ersten Weltkriegs sind ihre Filme überaus erfolgreich. Sie spielt meist in österreichischen Kriegsdramen, die sich überaus patriotisch und propagandistisch geben, wie zum Beispiel in "Mit Herz und Hand fürs Vaterland" (1916). Auch in unterhaltsamen Heimatfilmen ist sie zu sehen.

Anfang der 20er Jahre lockt die Metropole Berlin. Der Drehbuchautor Robert Liebmann lockt sie mit einem Filmangebot. In einer kleinen Rolle tritt sie in den Reinhard Schünzel-Film DER ROMAN EINES DIENSTMÄDCHENS (1921) auf. Der Regisseur Richard Oswald wird auf die Schauspielerin aufmerksam und bietet ihr die Hauptrolle in seinem Film LADY HAMILTON (1921) an der Seite der Stummfilmstars Conrad Veidt und Werner Krauss. Der Stummfilmklassiker wird für die Schauspielerin ein Erfolg. Kritiker wie Zuschauer sind von ihrer Schönheit begeistert, nehmen ihr ihre magnetische Wirkung auf Männer ab. Nochmals arbeitet sie mit dem Regisseur in LUCREZIA BORGIA (1922), einem historischen Drama um Rache und Eifersucht im Hause Borgia, zusammen. Mit diesen beiden, aufwendig in Szene gesetzten Kostümfilmen spielt sich in Darstellerin sofort in die erste Riege der deutschen Stummfilmstars.

Ein Angebot aus Hollywood schlägt Liane Haid aus. In der Folge spielt sie in Deutschland das 'Wiener Mädel' - immer strahlend, blond und herzig. Mehrmals steht sie in Filmen von Karl Grune, Richard Oswald, Reinhold Schünzel und Paul Ludwig Stein vor der Kamera, arbeitet mit Regisseuren wie Felix Basch und Robert Land zusammen. An der Seite von Conrad Veidt kann die Darstellerin nochmals in DIE BRÜDER SCHELLENBERG (1926) unter der Regie von Karl Grune überzeugen. Als tanzende CZARDASFÜRSTIN (1928) von Hanns Schwarz begeistert sie ein Millionenpublikum.

Neben ihrer Filmarbeit steht die Schauspielerin auch auf der Theaterbühne. Der Autor und Regisseur Ralph Benatzky schreibt für sie das Singspiel "Meine Schwester und ich".

Den Siegeszug des Tonfilms übersteht die Schauspielerin grandios. Ihr erster Tonfilm wird die Filmoperette DER UNSTERBLICHE LUMP (1930) unter der Regie von Joe May. Sie spielt Annerl Reisleitner, in die sich der junge, arme Dorfschullehrer Hans Ritter (gespielt von Gustav Fröhlich) verliebt hat. Um sie zu erobern, geht er nach Wien, um als Opernkomponist Karriere zu machen. Ohne Karriereknick besteht sie die technische Umstellung. Im ersten Tonjahr 1931 sehen sie die Zuschauer in sieben Filmen. In dem Film DAS LIED IST AUS (1930) von Geza von Bolvary singt sie einen Schlager, der zum Gassenhauer wird: "Adieu mein kleiner Gardeoffizier". Das Lied wird zum Evergreen, beschwört melancholisch das untergegangene k.u.k-Reich.

In der Folge gibt Liane Haid die Partnerin von Hans Albers und Willi Forst. Die blonde Tänzerin und Sängerin wird in den 20er und 30 Jahren zum Inbegriff des süßen Wiener Mädels. Einer ihrer erfolgreichsten Filme wird das österreichische Lustspiel UNGEKÜßT SOLL MAN NICHT SCHLAFEN GEHN (1936) von E. W. Emo. Mitte der 30er Jahre zieht sich die Schauspielerin zurück und beendet ihre Laufbahn. Ihren vorerst letzten Auftritt hat sie in dem Erich Waschneck-Film DIE UNVOLLENDETE LIEBE (1940).

Sie ist mehrfach verheiratet. Unter anderem führt sie eine Ehe mit dem Sohn des ehemaligen österreichischen Ministerpräsidenten Baron Friedrich Haymerle. Unter anderem wegen dieser Beziehung lehnt sie Rollenangebote von Hollywood Anfang der 20er Jahre ab. Ihr Ehemann gründet für sie die Produktionsfirma Micco-Film und baut für sie ein Studio. Zum zweiten Mal tritt sie vor dem Altar mit dem Berliner Anwalt Hans Somborn, aber die Ehe scheitert. 1938 heiratet sie einen Arzt Dr. Carl Spycher und lebt seitdem in der Schweiz, in Fribourg. Gemeinsam haben sie einen Sohn. Sie studiert, unter anderem Literatur und Kunstgeschichte und unternimmt ausgedehnte Reisen gemeinsam mit ihrem Mann nach Afrika, Amerika und Asien.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges versucht Liane Haid ein Comeback. Sie spielt die Rolle einer Mutter in dem Heimatfilm IM KRUG ZUM GRÜNEN KRANZE (1953). Danach gibt sie die Filmarbeit völlig auf. In die Schlagzeilen gerät sie Ende der 60 Jahre. Die Schauspielerin muß sich vor einen Gericht verantworten, die Trennung von ihrem Mann wird öffentlich verhandelt. Zur gleichen Zeit wird der Schauspielerin für ihre Verdienste um den deutschen Film das Filmband in Gold verliehen.

Liane Haid stirbt im Alter von 105 Jahren am 28. November 2000 in Wandeln, bei Bern.

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