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Howard Hawks

Howard Hawks
Regie, Produzent

* 30. Mai 1896
Goshen (Indiana)
USA
† 27. Dezember 1977
Palm Springs (Kalifornien)
USA

HOWARD HAWKS • Biographie Seite 1/1

Howard Hawks gilt in Amerika lange nur als guter Handwerker, der mit seinen Filmgeschichten zur Ausprägung verschiedenster Genres beiträgt, aber von der französischen Autorenfilmbewegung wird er als Stilist gefeiert. Die Urteile über die in seinen Filmen artikulierte Weltsicht reichen von zynisch, pessimistisch oder konservativ bis human, komisch und modern. Seine Geschichten erzählen von Scheitern wie Triumph des Menschen, der mal groß, ein anderes mal schwach in Erscheinung tritt. Tatsächlich erweisen sich seine Filmfiguren oft als entwicklungs- und lernfähig. Seine Botschaften sind meist verschlüsselt.

Howard Hawks wird als Howard Winchester Hawks am 30. Mai 1896, nahezu zeitgleich mit dem Kino, in Goshen, Indiana, als Sohn eines Papierfabrikanten und dessen Frau, geboren. Einer seiner zwei Brüder sowie seine zwei Schwestern sterben jung. Die Familie zieht zweimal um: 1898 nach Winsconsin, wo Howard Hawks die Grundschule besucht und 1906 nach Kalifornien, wo er zur High School geht und der Vater als Hotelier arbeitet. Howard Hawks studiert nach seiner Schulausbildung Ingenieurwesen und Architektur in New Hampshire und New York. In den Jahren 1916 und 1917 jobbt er während der Ferien in den Hollywood-Studios, als Requisitengehilfe und Assistent im Famos Players-Lasky. Nachdem er im Ersten Weltkrieg Flugausbilder bei der US Air Force ist, arbeitet er zunächst als Flugzeugingenieur, jedoch zieht es ihn wieder zum Film. Er gründet mit Freunden Anfang der 1920er Jahre eine Filmproduktionsfirma, die nicht lange überlebt. Aber er sammelt Praxiserfahrungen als Cutter, Regieassistent und Leiter der Drehbuchabteilung bei Paramount und Metro-Goldwyn-Mayer.

Für den Film DIE STRAßE ZUM RUHM (1926), bei dem er erstmals Regie führt und den er wie sieben weitere Stummfilme für William Fox dreht, entwirft er das Script selbst. Künftig kooperiert er mit bekannten Autoren wie William Faulkner, Ben Hecht, Charles MacArthur, Jules Furthman, Billy Wilder und I. A. L. Diamond und arbeitet in allen großen Hollywood-Studios. Sein Werk umfasst 45 Filme und deckt ein weites Spektrum von Genres ab: von Screwball Comedy, Musical, Kostümfilm, über Gangsterfilm, film noir, Abenteuer-, Action- und Kriegsfilm bis zum Western. Seine Priorität liegt darin, das Publikum zu unterhalten, doch vermitteln seine Filme oft ernste Botschaften. Während seine Filme aktionsreich sind, die Helden sich oft in Extremsituationen bewegen, ist seine Art zu erzählen lakonisch und ökonomisch, seine Regie funktional. Dem entsprechen eine unauffällige Kameraführung (meist auf Augenhöhe) und Montage (unter anderem Verwendung von Plansequenzen), die bei linearem Handlungsverlauf einen eingängigen Erzählfluss erzeugen. Bei aller Präzision in der Drehvorbereitung, scheut Howard Hawks Improvisation nicht. Er ist innerhalb des Studiosystems ein unabhängiger Filmer, der bei der Drehbuchentwicklung stets mitwirkt und das Recht am Final Cut hat.

Hiermit entspricht er Faktoren der französischen Filmkritiker der 1950er Jahre, die ihn für seine persönliche Handschrift zum Autor erheben. So beschreibt etwa Francois Truffaut Poetisches, aber auch Absurdes in Howard Hawks' Filmen, womit er es verstehe, die Genres zu sprengen. In seinem unsichtbaren Stil werden feine Charakteristiken bemerkt, zum Beispiel, dass die Kamera nicht immer in Augenhöhe positioniert ist (wie er selbst behauptet), sondern sich in leichter Untersicht der Zuschauerperspektive im Kino annähert. Inwiefern sein Leben in seine Filme eingeht, bleibt Spekulation. Ob er für die Filmmotive aus seinen zahlreichen Aktivitäten wie Fliegen, Rennfahren und ähnliches schöpft oder nicht, hinsichtlich ihrer Bewegungsrelevanz eignen sie sich jedenfalls für das Medium Film. Er hat zahlreiche Männerfreundschaften, etwa zu zwei Nobelpreisträgern, so arbeitet er mit William Faulkner an fünf Drehbüchern zusammen: TODAY WE LIVE (1933) nach dessen Geschichte "Turnabout"; THE ROAD TO GLORY (1936); HABEN UND NICHTHABEN (1945) entsteht nach dem Roman von Ernest Hemingway (zu dem Howard Hawks engen Kontakt pflegt); TOTE SCHLAFEN FEST (1946) sowie LAND DER PHARAONEN (1955).

Während in Howard Hawks' Western vorwiegend Männer Motor der Handlung sind, treten in den Komödien seine offensiven, schlagfertigen und humorvollen Frauengestalten in den Vordergrund, neben der konstanten Besetzung des Antihelden durch Cary Grant. Der Rhythmus in Howard Hawks' Filmen wird häufig, und zwar vor allem in diesem Genre, durch Wiederholungen, Verdrehungen und Umkehrungen bestimmt. LEOPARDEN KÜßT MAN NICHT (1938) ist - mit einer draufgängerischen Katharine Hepburn in der weiblichen Hauptrolle - ein Klassiker der Screwball Comedy, die sich durch witzige, irrsinnig schnelle, sich überlappende Dialoge, Slapstickeinlagen und Rollentausche auszeichnet, wobei der Geschlechterkampf oft als Katz-und-Maus-Spiel ausgetragen wird. Als weitere Beispiele wären SEIN MÄDCHEN FÜR BESONDERE FÄLLE (1940) oder die Travestiekomödie ICH WAR EINE MÄNNLICHE KRIEGSBRAUT (1949) zu nennen.

Temporeiche, pointierte Dialoge bilden einen stilistischen Leitfaden in Howard Hawks' Werk. So tauchen sie auch in seinem film noir TOTE SCHLAFEN FEST (1946) als indirekt erotisch aufgeladene Wortgefechte zwischen Humphrey Bogart und Lauren Bacall wieder auf. Dieser Kultfilm nach einem Roman von Raymond Chandler - und einigen Zugeständnissen an Hollywood - trifft die düstere Atmosphäre des Genres. Die Verkörperung des Einzelgängers Philip Marlowe durch Humphrey Bogart wird zum Vorbild folgender Filmdetektive. Herrscht in dem Film Verbrechen, Erpressung und Mord, so mündet er doch in einem Happy-End. SCARFACE (1932) entsteht in Anlehnung an die zeitgenössische Biografie Al Capones. Es geht um Aufstieg und Fall eines Gangsters und Bandenkrieg. Der Film gilt mit seinen harten Schwarzweißkontrasten und Beschleunigungen als Prototyp des amerikanischen Gangsterfilms; in der ersten Welle des Genres während der Prohibition und Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre ist er einer der gewalttätigsten. Die Zensur erwirkt Änderungen. Howard Hawks versteht den Film sozialkritisch und als Appell, gegen das organisierte Verbrechen anzugehen.

Erst relativ spät wendet er sich dem Western zu. Den Auftakt bildet das Viehzüchterepos RED RIVER (1948), gefolgt von RIO BRAVO (1959), EL DORADO (1967), RIO LOBO (1970), mit John Wayne als Protagonist. Inhaltlich geht es um Konflikte unter (Gruppen von) Männern, bei denen häufig eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird, also um Ehre. Es klingen aber auch Umwertungen an, wenn sich in RED RIVER (1948) der Adoptivsohn gegen die Autorität des Ranchers mit dessen Leuten verbündet, um das zu bewältigende Problem intelligent zu lösen. Mit der Zeit wird das Bild des männlichen Helden ironisch gebrochen. Vor dem Start von RED RIVER (1948) erhält Howard Hawks eine (von drei) erfolglose(n) Plagiatsklage(n) von Howard Hughes. Sie lernten sich während seiner Arbeit an seinem ersten Ton- und Fliegerfilm START IN DER DÄMMERUNG (1930) kennen. Der Film - der erste kommerzielle Erfolg des Regisseurs - spielt im Ersten Weltkrieg. Er wird noch weitere Fliegerfilme drehen: HÖHE NULL (1936), SOS - FEUER AN BORD (1939), AIRFORCE (1943). Die zwei Männer teilen die Leidenschaft für das Fliegen und bald produzierten sie gemeinsam SCARFACE (1932). Der zwischenzeitliche Rechtstreit verhindert nicht, dass Howard Hughes' Firma RKO später Howard Hawks' Western THE BIG SKY (1952) verleihen wird.

Der Filmemacher hat über seine Regie- und Produktionstätigkeit hinaus an vielen Drehbüchern für andere, teils berühmte Regisseure mitgewirkt, ohne in den Credits erwähnt zu werden. 1974 wird Howard Hawks der Ehren- Oscar für sein Lebenswerk verliehen.

Howard Hawks heiratet dreimal, alle Ehen werden geschieden. Mit seiner ersten Frau Athole Shearer hat er zwei Kinder und adoptiert deren Sohn aus erster Ehe. Aus der zweiten Ehe mit Nancy Gross geht ein Kind hervor, und aus der letzten mit Dee Hartford ein weiteres.

Howard Hawks stirbt am 26. Dezember 1977 an einer Kopfverletzung durch einen unglücklichen Sturz.

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Autorin: Rahel Gläser
Stand: April 2009

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