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Pola Negri

Pola Negri
Mitarbeit, Darsteller

* 31. Dezember 1897
Lipno
Polen
† 31. Juli 1987
San Antonio (Texas)
USA
andere Namen Barbara Apollina Chalupiec

POLA NEGRI • Biographie Seite 1/1

Pola Negri ist einer der großen Stummfilmstars in Deutschland. Ihre Arbeiten mit Ernst Lubitsch haben sie berühmt gemacht: Er schreibt ihr eine typische Frauenrolle auf den Leib: den verführerischen Vamp. Zahlreiche Männer verfallen der dunklen Schönheit der Schauspielerin, in dramatischen Kämpfen müssen sie um die Frau ringen. Ihre Darstellungen bringen ihr ein Engagement in Hollywood ein. Erst als dort der Tonfilm eingeführt wird, kehrt sie nach Europa zurück und lässt sich kurzzeitig von den Nationalsozialisten instrumentalisieren.

Pola Negri wird als Barbara Apolonia Chalupec am 31. Dezember 1897 - nach einigen Quellen am 31. Dezember 1894 bzw. am 3. Januar 1897 - in Lipno, Polen geboren. Über ihre Familie wird viel spekuliert: Ihr Vater soll seinen Lebensunterhalt als Kunstschmied verdient haben, der aus der Slowakei nach Polen gewandert ist, ihre Mutter ist angeblich eine polnische Adlige. Früh interessiert sie sich für den Tanz und Schauspiel, beginnt im Alter von acht Jahren eine Ausbildung an der Ballettschule des Warschauer Teatr Wielki. Mitte der 1910er Jahre geht sie zeitweise nach St. Petersburg, wo sie sich weiter im Tanz formen lässt. Eine Krankheit verhindert eine weitere Tanzkarriere. Sie wechselt in den Bereich Schauspiel und besucht eine Theaterschule in Warschau.

Mit 15 Jahren debütiert Pola Negri auf der Theaterbühne, spielt am Kleinen Theater in Warschau unter anderem in dem Gerhart Hauptmann-Stück "Hanneles Himmelfahrt". Bereits ein Jahr später ist sie Mitglied des Warschauer Nationaltheaters und feiert hier ihre ersten großen Erfolge, unter anderem als "Sumurun", einer Pantomime. Ihr Erfolg auf der Bühne bringt sie zum Film. 1914 steht sie erstmals vor der Kamera. Aus dieser Zeit rührt auch die Änderung ihres Namens. In mehreren Filmen steht sie in ihrem Heimatland vor der Kamera, bis sie sich mit 20 Jahren entscheidet, nach Deutschland zu gehen, um dort ein Engagement am Deutschen Theater unter Leitung von Max Reinhardt anzunehmen und ihre internationale Filmkarriere zu starten.

In einer Doppelrolle wird sie einem deutschen Publikum in NICHT LANGE TÄUSCHTE MICH DAS GLÜCK (1917) von Kurt Matull bekannt gemacht. Danach arbeitet sie mehrfach mit dem Regisseur Ernst Lubitsch zusammen, der ihr eine typische Frauenrolle auf den Leib schreibt, den verführerischen Vamp: Zahlreiche Männer verfallen der dunklen Schönheit der Schauspielerin, in dramatischen Kämpfen müssen sie um die Frau ringen. Beispiele sind dafür sind unter anderem die schöne ägyptische Tänzerin in DIE AUGEN DER MUMIE MA (1918), ihre verführerische und zugleich treulose Zigeunerin Carmen in dem gleichnamigen Film, die mächtigste Frau Frankreichs und Mätresse des Königs in MADAME DUBARRY (1919), die auf dem Schafott landet und die verführerische Tänzerin in SUMURUN (1920), die einen Vater sowie dessen Sohn über eine Liebschaft hinwegtröstet, beide ständig betrügt und eigentlich nur deren Geld möchte. Mit ihren Rollen wird sie überaus populär, ihre Filme haben auch international Erfolg. Geboren wird zu diesem Zeitpunkt auch der Name "Duse der Leinwand", als Vergleich zur berühmten Theaterschauspielerin Eleonora Duse.

In Amerika erregen die Ernst Lubitsch-Filme Aufmerksamkeit. Die Paramount unter der Leitung von Adolph Zukor nimmt Pola Negri unter Vertrag. Sie ist eine der ersten Darstellerinnen in den USA, die in Deutschland Karriere gemacht hat. Ihrem Rollentyp bleibt sie auch in Amerika treu: In BELLA DONNA (1923) von George Fitzmaurice gibt sie eine Frau, gewissenlos und geldgierig. Häufig spielt sie die exotische Frau aus der Fremde, die für die Männer bedrohlich ist. Einen ihrer größten Erfolge feiert sie wieder unter der Regie von Ernst Lubitsch in der Komödie DAS VERBOTENE PARADIES (1924), in dem sie die russische Zarin Katharina spielt. Mitte der 1920er Jahre gehört sie zu den bestbezahlten Schauspielerinnen Hollywood. Aber dieser Typ verführerischer Frau und Vamp, den sie über Jahre verkörpert, wird stetig diszipliniert, die Schauspielerin verkörpert immer mehr Damen der Gesellschaft, edelmütig und opferbereit. Der Stern der Schauspielerin sinkt langsam, als der Tonfilm aufkommt, kann sie ihren polnischen Akzent nicht verbergen. Da 1928 auch ihr Vertrag ausläuft, kehrt sie nach Europa zurück.

Pola Negri dreht Filme in England und Frankreich. Bei dem Meldoram DIE STRAßE DER VERLORENEN SEELEN (1929) arbeitet sie mit dem Briten Paul Czinner zusammen und spielt eine Prostituierte, die ihrer Vergangenheit in Gestalt des Zuhälters nicht entkommen kann. Die Nationalsozialisten nutzen das Talent der Schauspielerin und holen sie Mitte der 1930er Jahre nach Deutschland, wo sie in MAZURKA (1935) von Willi Forst ein Comeback feiert. Gerüchten um eine jüdische Abstammung tritt das Propagandaministerium mit einer amtlichen Mitteilung entgegen. In Deutschland verkörpert sie Mütter, die sich aufopfern und Ehefrauen, die von ihren Männern verkannt werden. Das Publikum sieht sie unter anderem in MOSKAU - SHANGHAI (1936) von Paul Wegener als verwitwete Olga Petrowna, die in den Revolutionswirren ihre Tochter verliert und in Shanghai ein neues Leben beginnt. Die Sängerin Mado Doucet verkörpert sie in TANGO NOTTURNO (1937) von Fritz Kirchhoff, die sich das Leben nimmt. Auch als MADAME BOVARY (1937) unter der Regie von Gerhard Lamprecht wählt sie den Freitod. Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, befindet sich Pola Negri in Frankreich. Kurze Zeit später kehrt sie Europa den Rücken und geht in die USA. 1951 nimmt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Seit Ende der 1950er Jahre verdient Pola Negri ihren Lebensunterhalt als erfolgreiche Grundstücksmaklerin in San Antonio, Texas. Filmangebote lehnt sie ab. 1964 wird ihr die Retrospektive auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin gewidmet, dafür reist sie nochmals nach Berlin. 1970 erscheint ihre Autobiographie "Erinnerungen eines Filmstars". 1972 überreicht ihr Bundeskanzler Willy Brandt in Deutschland die Gerhart-Hauptmann-Medaille in Gold.

Das Leben von Pola Negri ist durch zahlreiche Affären und Skandale gekennzeichnet. Ihre erste Ehe schließt sie 1918 mit dem polnischen Grafen Eugene Domsky. Bereits zwei Jahre später lässt sich das Paar scheiden. 1922 wird in Amerika eine Ehe mit Charles Chaplin angekündigt, die aber nie zustande kommt. Beide beleidigen sich nach dem Ende ihre Beziehung öffentlich. Ihr wird auch eine Liebesbeziehung mit Rudolph Valentino nachgesagt, der sie aber nicht ehelichen konnte, weil er im Alter von 31 Jahren stirbt. 1927 heiratet sie den angeblichen georgischen Prinzen Sergius Mdivani: Sein Titel ist, wie sich später erweist, nicht echt. 1931 wird auch diese Ehe geschieden.

Pola Negri stirbt sie am 31. Juli 1987 in San Antonio, Texas.

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