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Luis Bunuel

Luis Bunuel
Regie, Drehbuch

* 22. Februar 1900
Calanda (Aragon)
Spanien
† 29. Juli 1983
Mexiko City
Mexiko
andere Namen Luis Buñuel

LUIS BUNUEL • Biographie Seite 1/1

Sich an Luis Bunuel zu erinnern, heißt Bilder aus den Tiefen des Gedächtnisses hervorholen, die lieber weiter tief schlummern sollten: eine Rasierklinge vor dem Auge einer Frau, ein Esel auf dem Klavier, Ameisen in einer Hand, Achselhaare. Der spanische Regisseur Luis Buñuel gilt mit seinen frühen Film-Collagen als der surrealistische Regisseur par excellence, der mit seinen Filmen das Unbewusste und den Traum sichtbar werden lässt.

Luis Bunuel wird am 22. Februar 1900 in Calanda (Spanien) geboren. Sein Vater Leonardo Bunuel ist ein wohlhabender Kaufmann. Seine Mutter ist die Adlige Maria Portoles. Er ist das älteste von sieben Kindern und wächst in einem Dorf in der spanischen Provinz Teruel auf. Mit 8 Jahren schicken ihn seine Eltern in die Jesuitenschule "Colegio del Salvador", in der der Junge eine streng katholische Ausbildung erhält. Nach dem Abitur am "Instituto Nacional de Eseñanza Media" in Saragossa will Luis Bunuel am Pariser Konsveratorium Naturwisschenschaften studieren, aber auf Wunsch seines Vaters bleibt er in Spanien und schreibt sich an der Universität in Madrid in der Fachrichtung Landwirtschaft ein. Das Studium bricht er ab, genauso wie das zweite der Entomologie. 1924 macht er den Abschluß in Literatur und Philosophie.

In seiner Freizeit boxt er und gilt als talentiert. Außerdem arbeitet er als Filmvorführer, eröffnet einen Filmclub. Während seiner Studienzeit in Madrid schließt er Freundschaft mit dem Maler Salvadore Dali und dem Schriftsteller Federico Garcia Lorca. Zu dieser Zeit veröffentlicht Luis Bunuel bereits eigene Texte und Filmkritiken in verschiedenen Zeitschriften. Mit 24 Jahren verläßt der junge Intellektuelle Madrid in Richtung Paris, um die Laufbahn eines Sekretärs im diplomatischen Dienst einzuschlagen.

In Paris schreibt er sich an der "Academie du cinema" ein, die von Jean Epstein, Camille Berdoux und Alex Allain geleitet wird. Außerdem arbeitet er als Regieassistent bei dem französischen Experimentalfilmer Jean Epstein. 1928 dreht Luis Bunuel gemeinsam mit Salvadore Dali und finanziert durch seine Mutter seinen ersten experimentellen Kurzfilm EIN ANDALUSISCHER HUND (1928). Mit einem Schlag ist er in den Kreis der Surrealisten um André Breton aufgenommen. Sein folgender Film DAS GOLDENE ZEITALTER (1930) wird ein Skandal. Mit der satirischen Darstellung der Kirche feiert der Film aber einen enormen Erfolg.

Von der Produktionsfirma MGM erhält er für sechs Monate einen Beobachtervertrag. Er reist nach Hollywood und kommt 1931 zur entscheidenen Wahl nach Spanien zurück. Zwei Jahre arbeitet er an dem sozial engagierten Dokumentarfilm ERDE OHNE BROT (1932) über eine abgelegende Region Spaniens und deren arme Bevökerung. Wegen 'entehrender' Darstellung Spaniens wird der Film verboten. Von der jungen spanischen Regierung wird er nach Amerika gesandt, um dort zwei Filme über die Republik zu begutachten. Den Sieg des faschistischen Franco-Regime erlebt er in Amerika. Zurückkehren nach Spanien kann er nicht. Er wird für kurze Zeit in der Filmabteilung des Museum of Modern Art in New York beschäftigt, arbeitet bei der Produktion von Synchronfassungen spanischer Filme mit.

1946 geht er nach Mexiko und nimmt 1949 dessen Staatsbürgerschaft an. Sein dort entstandener Film DIE VERGESSENEN (1950) über mexikanische Straßenkinder geht um die Welt. Bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes erhält er dafür die Goldene Palme. Jetzt kann der spanische Regisseur endlich wieder regelmäßig an Filmprojekten arbeiten. In den folgenden Jahren dreht Luis Buñuel eine Vielzahl von kommerziell orientierten Filmen, die vornehmlich für den mexikanischen Markt bestimmt sind. Seine sozialen, religösen oder künstlerischen Ambitionen gibt er aber nicht auf. Außerdem setzt sich er sich immer wieder mit der katholische Kirche auseinander. Seine in Europa produzierten Filme NAZARIN (1959) und VIRIDIANA (1961), einprägsame Geschichten über das Scheitern von Priestern und Novizinnen, erhalten ebenfalls Preise in Cannes.

Mitte der 1960er Jahre kehrt Luis Bunuel nach Europa zurück. Seine künstlerisch kreativste Phase beginnt. Er inszeniert geistreiche und zugleich bitterböse Satiren über die bürgerliche Gesellschaft, religöse Scheinheiligkeit und genormte Verhaltensregeln. In DER WÜRGEENGEL (1962) kann eine bürgerliche Theatergesellschaft jenseits aller Erklärbarkeit nicht die Villa eines Aristokraten verlassen. Zu der vorherige Ruhe gesellen sich Nervosität, Verrücktheit und Auflösung. Die vornehme Gesellschaft ist nur noch Opfer ihrer Triebe. In DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE (1972) treffen sich vier Bourgeois, um zu essen. Leider kommt aus diversen sehenswerten Gründen immer wieder etwas dazwischen.

Luis Bunuel arbeitet auch als Schauspieler, u.a. in Carlos Sauras Film CORDOBA (1964). Zusammen mit Jean-Claude Carriere schreibt er für Matthew Lewis das Drehbuch zu dem Film DER MÖNCH (1965). 1982 erscheinen seine Erinnerungen unter dem Titel "Mein letzter Seufzer".

Am 29. Juli 1983 stirbt der weltbekannte Regisseur in Mexiko-City an einer Leberzirrhose. Luis Bunuel hat zwei Kinder. Sein Sohn Juan Bunuel, der 1934 geboren wird, arbeitet ebenfalls als Regisseur.

1994 findet eine große Ausstellung in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland: "Bunuel - Das Auge des Jahrhunderts". Die Ausstellung ist später auch in Spanien und Mexiko zu sehen.

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