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Spencer Tracy

Spencer Tracy
Darsteller

* 05. April 1900
Milwaukee (Wisconsin)
USA
† 10. Juni 1967
Beverly Hills (Kalifornien)
USA

SPENCER TRACY • Biographie Seite 1/1

Spencer Tracy zählt zu den großen amerikanischen Schauspieler der glorreichen Hollywood-Zeit. Wie kein anderer tritt er in seinen Filmen für humanistische Ideale ein, wendet sich gegen den amerikanischen Rassismus. Bis zu seinem Tod ist er in mehr als 75 Filmen zu sehen; ganze neun Mal ist er für den Oscar nominiert und kann ihn zweimal erringen. Einen Charakterdarsteller seines Formates hat die Filmmaschinerie Hollywood nach seinem Tod nicht mehr hervorgebracht.

Spencer Tracy wird als Spencer Benaventura Tracy am 05. April 1900 in Milwaukee, Wisconsin geboren. Er entstammt einer streng katholischen Familie mit irischen Wurzeln. Sein Vater betreibt einen Lastwagenhandel. Seine Schulausbildung absolviert er in der Jesuitenschule St. Rosa's Parochial School sowie an der West Side High School in seiner Heimatstadt. Mit 17 Jahren meldet er sich freiwillig zum Militärdienst, will am Ersten Weltkrieg teilnehmen. Aber der Krieg ist zu Ende, bevor er seine Ausbildung beendet hat. Zunächst bleibt er bei der Armee, bis er 1921 das Ripon College in Milwaukee besucht und dort Medizin studiert. Hier steht er erstmals auf der Theaterbühne, wirkt bei Studentenaufführungen mit. Er entscheidet sich, Schauspieler zu werden und beginnt im Herbst 1921 eine Ausbildung an der American Academy of Dramatic Art in New York, wo er aber nur ein Semester bleibt. Bereits 1922 debütiert er mit einer kleinen Rolle auf einer Bühne am Broadway. Er schließt sich reisenden Theatergruppen an, reist mehrere Jahre quer durch Amerika. Anfang der 1930er Jahre spielt er wieder am Broadway und feiert seinen Durchbruch mit der Hauptrolle in "Die letzte Meile", einem Gefängnisdrama von John Wexley.

1930 tritt der Schauspieler erstmals vor die Kamera. Bei einer seiner ersten Arbeiten für die Leinwand ist einer seiner Mitspieler noch unbekannter als er selbst: Gemeinsam mit Humphrey Bogart ist er in dem Melodram UP THE RIVER (1930) von John Ford zu sehen. Die 20th Century Fox bietet dem Schauspieler einen Vertrag an, seitdem ist er in zahlreichen Streifen zu sehen. Aus der Gangsterrolle in dem Drama 20.000 JAHRE IN SING SING (1932) von Michael Curtiz mit Bette Davis an macht er eine eindrückliche Charakterstudie. Mitte der 1930er Jahre feiert er seinen Durchbruch mit der Rolle des Pater Tim Mullin in dem Katastrophenfilm SAN FRANSISCO (1936) von W. S. van Dyke, für die er seine erste Oscar-Nominierung erhält. Im selben Jahr spielt er eine erste große Hauptrolle, die symptomatisch für seine späteren Arbeiten sein wird. In FURY (1936) von Fritz Lang gibt er den Reisenden Joe Wilson, der unschuldig wegen Kindesentführung verhaftet worden ist. Die Kleinstadt-Bewohner stecken das Gefängnis in Brand, und Wilson kommt scheinbar in den Flammen um. Als 20 Bürger für ihre Taten angeklagt werden, überwindet er seine Rachegefühle und stellt sich einer Verurteilung entgegen. In vielen seiner Filme ist Spencer Tracy der einfache, gerechtigkeitsliebende, und durch und durch aufrichtige Mann, der für seine Ziele eintritt und - trotz zahlreicher Anfeindungen - in den meisten Fällen siegreich ist. Wie kein anderer Schauspieler der Zeit tritt er in seinen Filmen für humanistische Ideale ein, wendet sich gegen den amerikanischen Rassismus und streitet für eine Verbesserung der Gesellschaft.

Nach FURY (1936) von Fritz Lang hat es Spencer Tracy in die erste Liga der Hollywood-Schauspieler geschafft. In den 1930er und 1940er arbeitet er mit fast allen wichtigen Regisseuren zusammen, ist in fast allen Genres zu hause. 1938 und 1939 gewinnt er als erster Hauptdarsteller den Oscar gleich zweimal in Folge: Zum einen für das Melodram MANUEL (1937) unter der Regie von Victor Fleming, in dem er das Besatzungsmitglied eines Fischkutter gibt, welches sich für ein Kind opfert. Und zum zweiten für das Drama TEUFELSKERLE (1938) von Norman Taurog, in dem er als Pfarrer Edward Flanagan heimat- und elternlosen Straßenjungen eine Heimat bietet. Von 1935 bis 1954 nimmt ihn die Produktionsfirma MGM unter Vertrag, er wird einer der wichtigsten amerikanischen Darsteller des 20. Jahrhunderts. Ab 1954 arbeitet er für Paramount Pictures, später wieder für die Fox.

Ein Schwerpunkt seiner schauspielerischen Arbeiten sind biographische Filme. Er gibt unter anderem den britischen Afrika-Reisenden in STANLEY UND LIVINGSTONE (1939) unter der Regie von Henry King. Den Erfinder Thomas Edison verkörpert er in DER GROßE EDISON (1940) von Clarence Brown. Kritiker loben an dem Schauspieler sein "underacting", sein äußerst verhaltenes Spiel, wobei es scheint, als wäre Spencer Tracy gerade derjenige, den er spielt. Auch in unterhaltsamen Mainstream-Komödien zeigt sich seine ganze Professionalität: In den beiden Filmen VATER DER BRAUT (1950) und EIN GESCHENK DES HIMMELS (1951), jeweils unter der Regie von Vincente Minnelli, verkörpert er einen Vater, der seiner Tochter (gespielt von Elizabeth Taylor) erst eine opulente Hochzeit ausstattet und ihr dann bei den ersten Ehekrisen zur Seite steht. In ARZT UND DÄMON (1941) von Victor Fleming kann er sich besonders wandlungsfähig zeigen: Diese Verfilmung des Jekyll & Hyde-Stoffes bietet für damalige Verhältnisse einige brillante technische Effekte. In Abenteuerfilmen wie NORDWEST-PASSAGE (1942) von King Vidor und MALAYA (1949) unter der Regie von Richard Thorpe kommt er als rechtschaffener Kriegsgewinnler mit Starrköpfigkeit und Gewitztheit an sein Ziel.

In dem antirassistischen Thriller STADT IN ANGST (1955) von John Sturges spielt er den einarmigen Kriegsveteranen John MacReedy, der einem Farmer mit japanischen Wurzeln die Kriegsauszeichnung seines gefallenden Sohnes übergeben soll. Aber er wird in dem kleinen Dorf in Nevada mit Argwohn begutachtet. Trotz der Behinderung gibt Spencer Tracy den Mann kräftig und Respekt einflössend. Sein weiß ergrautes Haar und seine weisen Gesichtszüge tragen mit dazu bei, dass er die Rolle des Aufrichtigen bis zur Perfektion beherrscht. Belohnt wird er dafür mit der Palme in Cannes als Bester Darsteller. Unter der Regie von John Sturges ist er in der Ernest Hemingway-Verfilmung DER ALTE MANN UND DAS MEER (1958) zu sehen, die er im Alleingang trägt. Auch mit dem unabhängigen Regisseur Stanley Kramer, der besonders durch seine politischen Filmarbeiten auffällt, geht er eine intensive Arbeitsbeziehung ein. Er spielt den Rechtsanwalt Henry Drummond in dem Gerichtdrama WER DEN WIND SÄT (1960), der sich für die Darwinsche Abstammungslehre gegen religiöse Fanatiker stark macht. Als Richter Don Haywood in URTEIL VON NÜRNBERG (1961) spielt er einen bereits pensionierten Richter, der im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozeß über Faschisten richten soll. Besonders die letzte Rolle ist eine seiner unvergesslichen Leistungen, für die er unter anderem eine Oscar-Nominierung erhält.

Mit DIE FRAU, VON DER MAN SPRICHT (1942) kommt der erste von neun Filmen mit Spencer Tracy und Katharine Hepburn in die Kinos. Das Schauspielerpaar drückt einer ganzen Reihe von Erfolgsfilmen - meisten Romanzen - seinen unkonventionellen Stempel auf: Ihre Dialoge sind bissig, schlagfertig und intelligent. Die Filme zeichnen sich zudem durch einen emanzipatorischen Anspruch aus, in dem am Ende allerdings die traditionelle Rollenverteilung immer wieder festgeschrieben wird. In ihrem letzten gemeinsamen Film RAT MAL, WER ZUM ESSEN KOMMT (1967) wird der alltägliche Rassendünkel des weißen, liberalen Amerika thematisiert. Hier spielt Spencer Tracy den Vater einer bürgerlichen, amerikanischen Mittelschichten-Familie, der von seiner Tochter mit einem potentiellen Schwiegersohn überrascht wird: Er ist schwarz. Für seine Leistung wird der Schauspieler mit einer weiteren Oscar-Nominierung bedacht.

1923 heiratet er Louise Treadwell, mit der er zwei gemeinsame Kinder hat, von denen eines taubstumm geboren ist. In Los Angeles gründet er gemeinsam mit seiner Ehefrau eine Anstalt für taubstumme Kinder, die auch heute noch besteht. Als er bei den Dreharbeiten Anfang der 1940er Jahre die Schauspielerin Katharine Hepburn kennen lernt, hat er bis zu seinem Tod eine Liebesbeziehung mit ihr. Aus religiösen Gründen lässt sich der Schauspieler nicht scheiden.

14 Tage nach den Dreharbeiten an seinem letzten Film RAT MAL, WER ZUM ESSEN KOMMT (1967) stirbt Spencer Tracy am 11. Juni 1967 in Beverly Hills an einer Herzattacke.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Juni 2007

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