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Maly Delschaft

Maly Delschaft
Darsteller

* 04. Dezember 1898
Hamburg
Deutschland
† 20. August 1995
Berlin
Deutschland

MALY DELSCHAFT • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Maly Delschaft kommt in ihren Darstellungen ohne große, glanzvolle Garderobe aus, steht häufig in Kitteln als Arbeiterfrau vor der Kamera. Auch das landübliche "hübsche" Gesicht fehlt ihr. Maly Delschaft fällt durch ihre Gesten, ihre Körpersprache auf. Es ist ihre Mimik, mit der sie Echtheit erzielt. Ihre Darstellungen verschiedenster Frauen zeugen immer von tiefer Menschlichkeit.

Maly Delschaft wird als Martha Amalia Delschaft am 04. Dezember 1898 in Hamburg geboren. Ihr Vater arbeitet als Stukkateur. Zur Familie gehören neben der Mutter noch ein älterer Bruder, der später als Musiker arbeiten wird, und eine jüngere Schwester. Mit 9 Jahren steht Maly Delschaft das erste Mal auf der Bühne. Ihre erste Rolle erhält sie in dem Bühnenstück "Anna Karenina".

Mit 18 Jahren nimmt Maly Delschaft Unterricht bei den Mimen des Deutschen Schauspielhauses Hamburg Carl Wagner und Franz Kreidemann. Schon im selben Jahr erhält sie erste Engagements. In den nächsten Jahren spielt sie am Bremer Stadttheater und für eine Spielzeit in Breslau. Bald gibt Maly Delschaft große klassische Rollen, die Luise in "Kabale und Liebe", das Gretchen in "Faust". Auch in moderen Stücken von Hauptmann, Wedekind oder Ibsen fühlt sie sich zu Hause. Seit 1920 ist die Künstlerin in Berlin zu Hause und steht auf verschiedenen Bühnen der Stadt. Zeit ihres Lebens wird sie der Theaterbühne treu bleiben. Mitte der 20er Jahre geht sie mit verschiedenen Stücken auf Tournee, spielt u.a. in Schweden in orginaler Sprache. Während des II. Weltkriegs tourt sie mit Theatern zur Truppenbetreuung, sie geht für mehrere Monate auf Tournee im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht nach Frankreich. In den 50er Jahren steht sie auf der Bühne des Ostberliner Volksbühne Theaters, bis der Mauerbau 1961 ihre dortige Tätigkeit beendet.

1921 kommt die Schauspielerin in Kontakt mit dem bewegten Bild. Sie debütiert in dem Film DER LIEBLING DER FRAUEN (1921). In ihrem zweiten Spielfilm DANTON (1921) steht sie mit dem Mimen Emil Jannings vor der Kamera. Aus ihrem gemeinsam Auftritt erwächst eine Künstlerfreundschaft. In zwei der wichtigsten deutschen Filme der Zeit DER LETZTE MANN (1924) und VARIETÉ (1925) ist sie die Partnerin an der Seite des Schauspielers Emil Jannings. Besonders als Tochter des Hotelportiers in der Friedrich Wilhelm Murnau-Inszenierung erobert sie sich ein großes Publikum. In der Folge steht Maly Delschaft in über 140 Filmen vor der Kamera. Sie gibt Gutsdamen genauso wie Berliner Arbeiterfrauen. Häufig spielt sie verzweifelte Frauen, die sich in bedrückenden Lebensumständen befinden. In KREUZZUG DES WEIBES (1926) spielt Maly Delschaft eine Lehrerin, die vergewaltigt wird und das Kind abtreiben läßt. In DIE AUSGESTOßENEN (1927) muß sie als Frau eine Häftlings ihr Kind weggeben.

1929 will ihr Kollege Emil Jannings, der den Professor Unrat in DER BLAUE ENGEL (1930) spielen wird, Maly Delschaft sie an seiner Seite sehen. Sie soll die Lola-Lola spielen. Aber Maly Delschaft ist zum Zeitpunkt des Vorsprechens nicht in Berlin. Als sie ihre ersten Tonfilme dreht, wird die Schauspielerin häufig mit der frivolen Marlene Dietrich verglichen. Sie braucht den schauspielerischen Vergleich nicht scheuen, aber nie erhält sie die große Rolle beim Film. Mitte der 30er Jahre reduziert sich ihre Filmarbeit, ihre Karriere stagniert.

Nach dem II. Weltkrieg findet Maly Delschaft in der Filmbranche als mittlerweile 50jährige nochmals eine Heimstätte. Sie arbeitet für die DEFA und soll an ihre Erfolge der 20er Jahre anknüpfen. 1948 steht sie in AFFAIRE BLUM (1948) vor der Kamera. Erzählt wird die Geschichte eines Justitz-Irrtums, der die Mechanismen des Antisemitismus bloßstellt. In dem Film von Falk Harnack DAS BEIL VON WANDSBEK (1951) spielt sie die habgierige Frau Lehmke. Der Film stößt in der DDR auf staatliche Kritik und wird wieder aus dem Programm der Kinos genommen.

Bis zum Bau der Mauer im August 1961 steht Maly Delschaft in 18 DEFA-Filmen vor der Kamera. Danach erhält sie das Angebot, in den Osten Berlins zu ziehen, lehnt dies aber ab. In Westberlin lebend ist ihre Karriere bei Film und Theater damit beendet.

1970 wird Maly Delschaft mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Sie stirbt am 20. August 1995 in Berlin.

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