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Joop Huisken

Joop Huisken
Regie, Regie-Assistenz, Drehbuch, Kamera, Produzent

* 30. April 1901
Amsterdam
Niederlande
† 01. April 1979
Berlin
Deutschland

JOOP HUISKEN • Biographie Seite 1/1

Der holländische Dokumentarfilmer Joop Huisken gehört zu den ersten Mitarbeitern des DEFA-Dokumentarfilmstudios. Seine frühen DEFA-Arbeiten zeugen von seiner Neugierde und seiner Kompetenz: Er sieht sich als Chronist und Berichterstatter zugleich, der mit genauer Beobachtung und Sensibilität für die Menschen Authentizität auf die Leinwand bringen will. Später drängen sich seine Auftraggeber in Bild und Wort; er nimmt sich mehr und mehr zurück.

Joop Huisken wird am 30. April 1901 in Amsterdam geboren. Sein Vater arbeitet als Schlachter auf einem städtischen Viehhof in Amsterdam. Nach seiner Grundschulausbildung, die er in einer christlich orientierten Schule absolviert, arbeitet er als Gehilfe in verschiedenen Büros, als Lehrjunge in einer Bank und besucht zudem die Abendschule, beendet diese mit einer staatlichen Prüfung zum Handelswissenschaftler. Mit 19 Jahren wird er Buchführer einer Bank. Nach einigen Jahren wird er im Zuge der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise aus seiner Stellung entlassen. Ende der 20er Jahre bietet ihm die Firma CAPI eine Tätigkeit als Verkäufer und Vertreter für optische Geräte an. Geschäftsführer der Amsterdamer Filiale ist Joris Ivens, der später mit experimentellen Dokumentarfilmen auf sich aufmerksam machen wird. An dessen Filmen arbeitet Joop Huisken als technischer Assistent von 1926 bis 1931 mit. Die Kenntnisse von Optik, Elektrotechnik und Fotografie eignet er sich autodidaktisch an.

Durch Joris Ivens kommt er auch mit der marxistischen Theorie in Kontakt, reist in die Sowjetunion. Seit 1928 arbeitet er in der VVVC mit, der späteren Vereinigung der Freunde der Sowjetunion (VVSU). In Amsterdam gründet er gemeinsam mit Gleichgesinnten ein Werbebüro zum Verleih sowjetischer Filme; die Filmliga lädt unter anderem die Regisseure Sergej M. Eisenstein, Wsewolod Pudowkin und Walther Ruttmann ein. Erste eigene Filmarbeiten entstehen Anfang der 30er Jahre. Er dreht in Co-Regie HALLEN (1930), einen Film über die Pariser Markthallen, mit FREUNDE DER SOWJETUNION (1933) folgt sein erster eigener Film. Er sammelt das filmische Material auf einer Reise durch das Land mit einer 16-mm-Kamera.

Nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutsche Wehrmacht wird Joop Huisken 1941 zur Zwangsarbeit nach Deutschland verpflichtet. Er arbeitet als Assistent in der Trick- und Rückpro-Abteilung bei der Universum Film AG (Ufa) und erlebt die Bombardierung auf Potsdam mit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibt er in Berlin. Er erhält eine Lizenz für die Gründung der Landesbildstelle in Berlin-Tiergarten. Daneben kümmert er sich um den Aufbau des demokratischen Kulturbundes. Nach der Gründung der Deutschen Film AG (DEFA) im Mai 1946 arbeitet er beim Aufbau des DEFA-Studios für Dokumentarfilme mit, ist einer der ersten Mitarbeiter. Zunächst arbeitet er im Wochenschau-Bereich, stellt aktuelle Beiträge her. In der Folge betätigt er sich als Regisseur, Kameramann, Produktionsleiter und Autor bei der DEFA bis zu seinem Tod 1979.

Einer seiner ersten Filme wird POTSDAM BAUT AUF (1946). Der Film zeigt zunächst das Potsdam vor dem Zweiten Weltkrieg und blendet dann über in das trostlose Ruinenfeld von 1945. Er dokumentiert, wie die Einwohner der Stadt beginnen, das Chaos zu besiegen, obwohl Elend und Leid zunächst unüberwindbar scheinen. Das Filmteam begleitet mit der Kamera die Arbeit eines Jahres und lässt den Film mit den Aufbauplänen für Potsdam enden. Bereits hier werden wiederkehrende Elemente bei den Filmarbeiten des Regisseurs deutlich: Er entwickelt eine Sensibilität für Menschen, die schwere Arbeit verrichten. In seinen späteren Filmen, die in den 50er Jahren entstehen, wendet er sich dem Produktionsalltag zu. In STAHL (1950) bestücken die Stahlwerker ihre Öfen mit der Hand, in einer landesweiten Hilfsaktion werden Teile für Kräne gesammelt. Von der Kritik wird der Film gelobt, da er die arbeitenden Menschen genau beobachtet, konkrete Situationen erfasst, ohne in Lobhudelei zu verfallen.

Mit seinen Auftragswerken 1952 - DAS ENTSCHEIDENDE JAHR (1952), einem Film über die Entwicklung von verhüttbarem Koks aus Braunkohle in Lauchhammer, und NACH 900 TAGEN (1953), der den Aufbau des Eisenhüttenkombinats Ost zum Thema hat, passt sich der Regisseur den propagandistischen Maßgaben des Studios an. Mit Floskeln und Hurra-Bildern werden die Aktivitäten der jungen Republik gefeiert. Mit TURBINE I (1953) knüpft der Regisseur an seine erste DEFA-Arbeit an. Im Kraftwerk Zschornewitz soll eine beschädigte Turbine repariert werden. Das Filmteam muss sich dem Arbeitsplan der Brigaden unterordnen. Der Film, als eine der besten Produktionen des Jahres 1953 gelobt, schildert technisch detailtreu, dramaturgisch geschickt und dynamisch komponiert die Bewegungsabläufe von Mensch und Maschine. Das Filmteam trennt sich von der informativen Faktensammlung einer Wochenschau und setzt einen eigenständigen Dokumentarfilm mit künstlerischem Anspruch in Szene. TURBINE I (1953) ist wegweisend für spätere dokumentarische Arbeiten, etwa eines Jürgen Böttchers in den 60er Jahren.

Ab Mitte der 50er Jahre baut das Studio immer mehr Auslandsreportagen in die Jahrespläne ein. Joop Huisken leistet mit CHINA - LAND ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN (1957) seinen Beitrag. In Kooperation mit der französischen Procinex entsteht bei der DEFA der abendfüllende farbige Dokumentarfilm, für den ein internationales Drehteam zehn Jahre nach der Kulturrevolution das Land durchreist. Poetische Passagen mit pittoresken Bildern wechseln sich mit Aufnahmen vom modernen China auf dem Weg zur Industrialisierung ab. Indem einfachste Dinge des Lebens eine wesentliche Rolle im Film spielen, erreicht er eine ungewöhnliche Lebensnähe. Der Film hebt sich ab von der filmischen Massenware, die der Kulturrevolution und dem Personenkult um Mao kritiklos gegenübersteht. Der Film vermeidet politische Stellungsnahme. Andere Arbeiten führen den Regisseur nach Uruguay in URUGUAY - FERNES LAND NAH GESEHEN (1956) und zu italienischen, spanischen und griechischen Gastarbeitern nach Westdeutschland für FREMDARBEITER (1964).

Die Dokumentation DAß EIN GUTES DEUTSCHLAND BLÜHE (1959) entsteht aus Anlass des 10. Jahrestages der Gründung der DDR. Wieder bemüht sich der Regisseur, ein umfangreiches Bild zu vermitteln: Aufnahmen von riesigen Kraftwerken wechseln zu Massenkundgebungen, Kinderlachen und stille Aufnahmen vom Konzentrationslager Buchenwald stehen sich gegenüber. Anfangs wird der Film für seine interessante Bildgestaltung und seinen Kommentar - verfasst von Stephan Hermelin - von den politisch Verantwortlichen gelobt, dann wegen seiner neutralen Position zur führenden Rolle der Partei als missglückt eingeschätzt. Änderungen werden verlangt, unter anderem wird der Text durch Karl Eduard von Schnitzler bearbeitet.

In späteren Arbeiten nimmt sich der Regisseur politisch zurück. Auseinandersetzungen mit seinen politischen Auftraggeber, die immer mehr in Bild und Wort eingreifen, geht er aus dem Wege. Mit SCHÖNES LAND (1964) dreht er einen Film über Landschaften in der DDR, die von einem lyrischen Text begleitet werden. In FREIE BAUERN (1965) und NOTIZEN AUS BERLSTEDT (1967) propagiert er die Vorteile der Kollektivierung der Landwirtschaft. Ohne Kommentar kommt sein Film DIE SCHÖPFUNG (1966) aus, eine Collage über die Schönheit der Arbeit. In DER DARß (1968) blickt er auf die Menschen der Halbinsel. FRAUEN IN RAVENSBRÜCK (1968) zeigt das ehemalige Konzentrationslager als Museum und porträtiert Überlebende in ihrer heutigen Umwelt. Joop Huisken dreht auch intensive Porträts. Es entstehen Filme über den Maler und Grafiker Frans Masereel, die Tänzerin Gret Palucca sowie die Schriftsteller Gerhart Hauptmann und Arnold Zweig. Außerdem beschäftigt er sich in zwei Kulturfilmen mit dem Meißener Porzellan.

Über mehrere Jahre ist der Künstler Professur für Kamera und Regie an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. Joop Huisken stirbt am 01. April 1979 in Berlin.

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