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Alla Nazimova

Alla Nazimova
Darsteller, Produzent

* 04. Juni 1879
Jalta, Krim
Russland
† 13. Juli 1945
Los Angeles (Kalifornien)
USA
andere Namen Alia Nasimoff

ALLA NAZIMOVA • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Alla Nazimova hat sich dem Massengeschmack nie angepaßt. Sie wird in den USA ein Theaterstar, gilt vielen als die erste moderne Schauspielerin des Landes, die besonders mit ihren Henrik Ibsen-Interpretationen für Furore sorgt. Als Filmschauspielerin und Produzentin legt sie mit SALOME (1922) einen der ersten Kunstfilme Amerikas vor, der zwar an den Kinokassen flopt, aber heute ein bemerkenswertes Beispiel der künstlerischen Avantgarde der Zeit ist.

Alla Nazimova wird am 04. Juni 1879 als Mariam Edez Adelaida Lavendera in Jalta, auf der Krim geboren. Ihre wohlhabende Familie ist spanisch-jüdischer Herkunft. Mit 6 Jahren kommt sie in ein katholisches Internat in Montreux (Schweiz). 1890 kehrt sie in ihre Heimat zurück. Sie studiert am Konservatorium in Odessa Musik, spielt Geige im Schulorchester. Als ihr Vater 1895 stirbt, verläßt sie die Stadt in Richtung Moskau. Dort lernt sie drei Jahre an der Schauspielakademie, später läßt sie sich weiter am Moskauer Künstlertheater unter der Leitung von Konstantin Sergejewitsch Stanislawski ausbilden.

Um die Jahrhundertwende erhält Alla Nazimova ein Engagement am Theater in Kostroma, danach spielt sie in Theatergruppen in Kerson und Wilna. Um 1903 ist sie in St.Petersburg am Nemetti-Theater zu sehen. Ende des Jahres 1904 geht die Darstellerin auf Tournee, unter anderem tritt sie mit dem pro-zionistischen Drama "Das auserwählte Volk" in Berlin, London und New York auf. In der amerikanischen Hauptstadt wird die Darstellerin mit ihrem Stück gefeiert, anders als in Rußland, wo das Stück verboten wird, und in Westeuropa, wo es nur mäßigen Erfolg erzielt. Daraufhin mietet Alla Nazimova ein kleines Theater in Manhattan und nennt es "Orleneff's Lyzeum". In den nächsten Jahren werden hier Stücke von Maxim Gorki, Anton Tschechow und August Strindberg uraufgeführt. Es wird in russischer Sprache gespielt, mit russischen Stücken geht das Ensemble auf Tournee durch die USA.

In der Folgezeit etabliert sich das Theater auch mit Werken in englischer Sprache. Alla Nazimova tritt in diversen Stücken von Henrik Ibsen auf, unter anderem "Hedda Gabler" und "Nora oder Ein Puppenheim". Ein überraschender Erfolg wird das pazifistische Stück "War Brides", das 1915 uraufgeführt wird. Ihr Schauspiel hat Erfolg, das Theater wird in Nazimova-Theater umbenannt. Ihren Zeitgenossen gilt sie als erste wirklich 'moderne' Schauspielerin Amerikas. Sie spielt am Plymouth Theatre und wird als Ibsen-Interpretin gefeiert, später geht sie auf Tournee mit dem Darsteller Charles Bryant.

1916 wird der erste Film der Schauspielerin uraufgeführt. Das erfolgreiche Theaterstück WAR BRIDES (1916) wird dafür adaptiert. 1917 erhält die Schauspielerin einen Vertrag mit der Produktionsfirma Metro (der späteren MGM = Metro-Goldwyn-Mayer). Zwischen 1918 und 1922 entstehen mindestens 13 Filme, die sie stellenweise auch mit der eigenen Firma, der Nazimova Productions produziert. Meistens gibt die Darstellerin exotische Frauen, die von zahlreichen Schicksalsschlägen betroffen sind.

Mit SALOME (1922) legt die Schauspielerin und Produzentin ihren wohl bekanntesten Film vor. Er basiert auf dem gleichnamigen Oscar Wilde-Theaterstück und ist mit visueller Pracht inszeniert. Die opulenten Kulissen und Kostüme schafft Natascha Rambova, die Ehefrau des Schauspielers Rudolph Valentino. Publikumswirksam wird verbreitet, daß alle am Film Beteiligten als Hommage an Oscar Wilde entweder schwul, lesbisch oder bisexuell gewesen seien. Besonders kontrovers wird in der Presse die Vermischung von Dekadentem mit biblischen Figuren und Motiven diskutiert. Obwohl SALOME (1922) heute als einer der ersten Kunstfilme der USA gilt, beendet sein finanzieller Mißerfolg die Karriere der Alla Nazimova als unabhängige Filmemacherin. Sie kehrt zum Theater zurück und tritt nur noch in kleineren Filmrollen auf, arbeitet unter anderem mit dem Regisseur Rouben Mamoulian.

In der Folge spielt Alla Nazimova mit dem Ensemble des französischen Grand Guignol-Theaters und tritt in Vaudeville-Sketchen auf, spielt am Eva Le Galienne's Civic Repertory Theatre in New York. Ihre Theaterauftritte finden ihren Höhepunkt in ihrer umjubelten Darstellung der Helene Alving in Henrik Ibsens "Gespenster" im Jahre 1935.

Alla Nazimova heiratet 1904 ihren Schauspiel-Kollegen Paul Orleneff. In zweiter Ehe ist sie nach einigen Quellen mit dem Schauspieler Charles Bryant verheiratet. Mit Natascha Rambova soll sie eine längere Liebesbeziehung eingegangen sein. Alla Nazimova stirbt am 13. Juli 1945 in Los Angeles.

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