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Willy Zielke

Willy Zielke
* 18. September 1902
Lódz
Polen
† 16. September 1989
Hannover
Deutschland

WILLY ZIELKE • Biographie Seite 1/1

Willy Zielke gilt als einer der wenigen Vertreter des modernen Films zur Zeit des Nationalsozialismus. Auf seinen visionären Aufbruch in den 20er Jahren folgt der langersehnte Großauftrag zu Beginn des dritten Reiches. Die Karriere scheitert in den Jahren der NS-Herrschaft und der Neubeginn in der Bundesrepublik bringt nur bescheidenen Erfolg.

Es ist neue Filmtechnik, von der Industrie für Probeaufnahmen zur Verfügung gestellt, die den am 18. September 1902 in Lodz geborenen Fotografen Willy Zielke, zum experimentieren mit dem Bewegtbild inspiriert. Bisher hat sich der Künstler vor allem durch Fotografie im Stil der neuen Sachlichkeit einen Namen gemacht. 1931 entstehen an der Bayrischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen, an der Willy Zielke als Dozent tätig ist, seine ersten Kurzfilme. Die Besprechungen dieser leider verschollenen Werke lassen bereits eine ungewöhnliche filmische Sprache erkennen.

Willy Zielkes erster Auftragsfilm ARBEITSLOS - EIN SCHICKSAL VON MILLIONEN (1933) kennzeichnet gestalterisch und inhaltlich den Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus. Ohne Honorar dreht Willy Zielke einen kurzen Tonfilm mit Arbeitslosen aus dem Erwerbslosenheim der Maffei-Werke. Die Produktionskosten werden durch Spenden Münchner Betriebe aufgebracht. Der Film prangert die Arbeitslosigkeit als ausweglosen demoralisierenden Zustand an. Hart aneinander montierte Standbilder mit viel Symbolcharakter lassen die Lehrjahre in der Fotografie und den Einfluss der bewunderten konstruktivistischen Schnitttechnik spüren. Auf Geheiß der Nationalsozialisten schneidet Zielke 1934 sein sozialkritisches Werk um. Unter dem neuen Titel DIE WAHRHEIT wird die Aussage des Films in einen anderen Zusammenhang gerückt. Der gewaltsame Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus liest sich nun als Lösung aus der Weltwirtschaftskrise.

Der anschließende Film DAS STAHLTIER (1935), ein Auftragswerk über die Eisenbahngeschichte zum 100sten Jubiläum der Deutschen Bahn, wird Willy Zielkes bekanntestes Werk. Er zeichnet verantwortlich als Autor, Regisseur und Kameramann. Die Rahmenhandlung des Films führt einen Werkstudenten zu Gleisarbeitern. Der Student erzählt den Arbeitern von der Geschichte der Eisenbahn und gewinnt während der Arbeit ihre Achtung und ihr Vertrauen. Der Film ist geprägt von der Bildsprache der Neuen Sachlichkeit und konstruktivistischer Schnitttechnik. Gewagte Kameraexperimente, dokumentarische Sequenzen, Stilmittel des brechtschen Theaters und historisierende Kostümfilmszenen machen eine Kategorisierung des Filmes unmöglich. In seiner Form widersetzt er sich jeglicher ideologischer oder werblicher Instrumentalisierung. Beide Filme gelangten in den 30er Jahren nicht zur öffentlichen Aufführung.

Filmkollegen nehmen DAS STAHLTIER begeistert auf und Willy Zielkes Zusammenarbeit mit Leni Riefenstahl beginnt. Nach der Mitarbeit am Wehrmachtsfilm TAG DER FREIHEIT - TAG DER WAHRHEIT (1936) dreht er im Auftrag der Olympia Film GmbH den Prolog zu Olympia - 1. Teil: Fest der Völker (1938). Leni Riefenstahl benutzt das von ihm gedrehte Material, schneidet allerdings eine eigene, von Willy Zielke später abgelehnte, neue Prolog-Fassung für den Film.

Nervliche Zerrüttung und die Diagnose "Schizophrenie" bringen Zielke ab 1937 für fünf Jahre in wechselnde psychiatrische Anstalten und in ein Arbeitslager. Die unverhältnismäßige Behandlung fügt Willy Zielke neben einer Sterilisation weitere Gesundheitsschäden zu. Auch nach seiner Entlassung 1942 ist er noch lange krank und beginnt erst Anfang der 50er Jahre wieder zu drehen.

In den nun entstehenden Kurzfilmen VERZAUBERTER NIEDERREIN (1953) und VERLORENE FREIHEIT (1956) fehlen die avantgardistischen Elemente und der Realismus der Vorkriegsstücke, statt dessen zeigt die Kamera weich gezeichnete Traumbilder und bedeutungsvolle Landschaften. Mit Arbeiten für den Industriefilm endet Willy Zielkes filmische Laufbahn. Die Sichtweise wird wieder distanzierter und vor allem Versuche mit farbigem Licht in ALUMINIUM - PORTRÄT EINES METALLES (1957) erinnern an die frühere Experimentierfreude.

Willy Zielke konnte in der bundesrepublikanischen Filmbranche nicht wieder Fuß fassen aber im letzten Lebensjahrzehnt vor seinem Tod wächst das Interesse an seinen Fotografien. Ausstellungen, die die Fotografie der 20er und 30er Jahre thematisieren, zeigen im In und Ausland regelmäßig seine Bilder.

Der Künstler stirbt am 16. September 1989 in Bad Pyrmont.

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Autorin: Gesine Haseloff
Stand: September 2003

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