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Slatan Dudow

Slatan Dudow
Regie, Drehbuch, Schnitt

* 30. Januar 1903
Caribrod
Bulgarien
† 12. September 1963
Fürstenwalde, bei Berlin
Deutschland

SLATAN DUDOW • Biographie Seite 1/1

Slatan Dudow hat nur neun Filme gedreht, aber mit dem Werk KUHLE WAMPE ODER WEM GEHÖRT DIE WELT? (1932) geht er als Regisseur in die Filmgeschichte ein. Der Film ist ein Klassiker - es ist der erste proletarisch-revolutionäre Film Deutschlands. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten muss er Deutschland verlassen, kann in der Emigration in Frankreich und in der Schweiz nicht für den Film arbeiten. Erst als er 1946 in die sowjetisch besetzte Ostzone zurückkehrt, dreht er wieder Filme mit erstaunlicher sozialer Genauigkeit.

Slatan Dudow wird am 30. Januar 1903 in Caribrod (Bulgarien) geboren. Sein Vater ist Eisenbahner. Mit 19 Jahren geht Slatan Dudow als Werkstudent nach Berlin. Er besucht die Schauspielschule und schließt sich den künstlerischen Kreisen um Bertolt Brecht an. Mitte der 20er Jahre beginnt er selbst Theaterstücke zu inszenieren. Dabei ist ihm die Nähe zu sozialen Themen und das Aufgreifen von Mißständen besonders wichtig. 1930 inszeniert er das Stück "Die Maßnahme" von Bertolt Brecht in Berlin.

Anfang der 30er Jahre entdeckt Slaton Dudow den Film für sich. Er dreht den Dokumentarfilm ZEITPROBLEME: WIE DER ARBEITER WOHNT (1930). Zwei Jahre später inszeniert er KUHLE WAMPE ODER WEM GEHÖRT DIE WELT? (1932). Gedreht an Orginalschauplätzen wie zum Beispiel auf dem Zeltplatz Kuhle Wampe in Berlin am Müggelsee und mit Arbeitslosen, wird der Film zu einem bedrückendem Dokument der ausweglosen Massenarbeitslosigkeit und der Solidarität unter den Arbeitern. An dem Drehbuch zum Film arbeitet auch Bertolt Brecht mit, die Musik komponiert Hanns Eisler, es singt Ernst Busch. Der Film wurde wegen seiner sozial-kritischen Haltung zunächst verboten und erst nach zahlreichen Umschnitten und den Protesten von Künstlern und Intellektuellen freigegeben.

Sein zweiter abendfüllender Film soll eine Satire unter dem Titel SEIFENBLASEN (1934) werden. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten kommt dazwischen. Sofort wird der Film KUHLE WAMPE verboten und Slatan Dudow muss emigrieren. Er nimmt das bereits fertiggestellte Filmmaterial von SEIFENBLASEN (1934) mit nach Frankreich. Dort kann er allerdings keine weiteren Filme drehen und inszeniert Stücke von Bertolt Brecht. Unter anderem arbeitet er mit Helene Weigel an dem Stück "Die Gewehre der Frau Carrar" oder führt 1938 Regie bei "Furcht und Elend des III. Reiches". Nach Kriegsausbruch 1939 geht er in die Schweiz. Dort schreibt er Stücke und veröffentlicht als satirischer Autor.

1946 kommt er nach Berlin zurück und arbeitet als Regisseur für die DEFA. Sein erster Film wird UNSER TÄGLICH BROT (1949), der von den Schwierigkeiten der Nachkriegssituation in Deutschland erzählt. Ein Jahr später dreht er FAMILIE BENTHIN (1950). In beiden Filmen ist die Sicht auf das Nachkriegsdeutschland plakativ. Gut und Böse, Schwarz und Weiß sind eindeutig zugewiesen, die sozialistische DDR ist die Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft. In seinem Werk STÄRKER ALS DIE NACHT (1954) verfilmt der Regisseur die Geschichte eines Kommunisten, Hans Löning, der nach der Machtergreifung für sieben Jahre im Konzentrationslager gefangen wird. Nach seiner Entlassung engagiert er sich wieder gegen den Faschismus und wird nach erneuter Verhaftung hingerichtet. Für Slatan Dudow gilt die einzelne Geschichte stellvertretend für viele Antifaschisten.

Slatan Dudow wagt sich auch in komödiantische Fach und verfilmt DER HAUPTMANN VON KÖLN (1957) mit Rolf Ludwig in der Hauptrolle. Der arbeitslose Kellner Albert Hauptmann wird mit dem ehemaligen Hauptmann der deutschen Wehrmacht verwechselt. Im Köln der Adenauer-Zeit macht er nun Karriere, wogegen sein Doppelgänger sich als Kriegsverbrecher verstecken muss. Angesichts der Remilitarisierung in der Bundesrepublik ist die Satire äußerst aktuell.

Mit seinen 'Frauen-Filmen' FRAUENSCHICKSALE (1951), VERWIRRUNG DER LIEBE (1959) und seinem unvollendetem Werk CHRISTINE (1963) gelingen ihm differenzierte Sichtweisen auf die Frauen-Problematik in der DDR. Bei FRAUENSCHICKSALE handelt es sich die Geschichte von vier verschiedenen Frauen, die ihr Glück im Nachkriegs-Berlin suchen. Alle sind sie auf der Suche nach dem Partner für das Leben. Sie finden aber nur den Verführer und Lebemann Conny, der ihnen nur Unglück bringt. Wie sich die Frauen aus ihren ausweglosen Situationen retten, inszeniert Slatan Dudow als aussagekräftiges Zeitdokument. Seinen letzten Film CHRISTINE (1963) kann der Regisseur nicht beenden. Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die von vier Männern vier uneheliche Kinder bekommt. Der Film wurde aus Anlass des 25. Jahrestages der DDR in einer teilweise vertonten Rohschnittfassung in Berlin aufgeführt.

Am 12. September 1963 stirbt Slatan Dudow im Alter von 60 Jahren bei einem Autounfall in der Nähe von Berlin. Nach ihm ist eine Straße in Potsdam-Babelsberg benannt.

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