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Grethe Weiser

Grethe Weiser
Darsteller

* 27. Februar 1903
Hannover
Deutschland
† 02. Oktober 1970
bei Bad Tölz
Deutschland
andere Namen Grete Weiser; Grethe Weisser; Grete Weisser

GRETHE WEISER • Biographie Seite 1/1

"Die besten Berliner sind die Nicht-Berliner", sagt Kurt Tucholsky. Er als Berliner muß es ja wissen. Die Schauspielerin und Sängerin Grethe Weiser sorgt für den Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Obwohl sie als DIE Berliner Schnauze bekannt ist, gehört sie wie viele andere auch zur Gilde der Zugezogenen. Sie sind es, die den Ruf der Stadt, schnoddrig und kaltschnäuzig zu sein, aber das Herz auf dem richtigen Fleck zu haben, immer wieder neu bestätigen.

Grethe Weiser wird am 27. Februar 1903 in Hannover geboren. Sie besucht eine Höhere Töchterschule in Dresden und wird spartanisch konservativ erzogen. Mit 16 Jahren bricht sie aus dem wohlhabenen, aber strengen Elternhaus aus und heiratet Josef Weiser. Mitte der 20er Jahre ziehen beide nach Berlin. Ihr Ehemann hat am Berliner Kurfürstendamm ein Kabarett gepachtet. Anfangs arbeitet sie dort als Diseuse, später auch bei anderen Revuen und Operetten als Soubrette und Komikerin. Sie nimmt Schauspiel- und Gesangsunterricht, wird Elevin an der Volksbühne, Sängerin an der Komischen Oper. Wo immer eine noch so kleine, aber komische Rolle vergeben wird - Grethe Weiser ist zur Stelle. Bald tingelt sie auch übers Land, nach Hamburg oder Dresden. Dabei entwickelt sie ihre Stärken: improvisiertes Spiel, Reaktion auf das Publikum, Schlagfertigkeit. Diese Eigenschaften begründen ihren späteren Erfolg auf der Theaterbühne und beim Film. Der läßt nicht lange auf sich warten.

1927 erhält sie ihre erste kleine Rolle in dem Stummfilm MÄNNER VOR DER EHE. Danach spielt sie, wie sie selbst von sich sagt, "Zofen und trägt die abgelegten Kleider von Lilian Harvey." In mehr als hundert Filmen verkörpert sie triumphierende Witwen, beherzte Erbtanten, nörgelnde Haushälterinnen, klatschsüchtig-neugierige Schwatzbasen, einfältige Ulknudeln oder gefürchtete Schwiegermütter. In ihren zahlreichen Nebenrollen bleibt sie durch ihr urkomisches Talent und ihre plappernden Bekenntnisse über all die Nichtigkeiten dieser Welt dem Zuschauer im Gedächtnis.

Erst 1937 bekommt sie ihre erste Hauptrolle. In DIE GÖTTLICHE JETTE von Erwin Waschneck spielt sie die aufstrebene Sängerin Jette Schönborn. Sie äfft die Marlene Dietrich nach und behauptet singend, sie sei die Frau der tausend Männer. Der Film zählt zu den erfolgreichsten im Berlin-Milieu. Die Weiser verkörpert den Archetyp der gewitzten, spritzigen Berlinerin - det joldne Herz uffm richtjen Fleck und immer mitm Munde vornewech. Kritik wie Publikum sind gleichermaßen begeistert. Sie hat es mit der Rolle der Jette in die erste Riege der deutschen Schauspielerinnen geschafft.

Der Unterhaltungswert und die Zugkräftigkeit Grethe Weisers kommt den Nationalsozialisten sehr zu gute. In DIE GROßE LIEBE (1942) mit Zarah Leander spielt sie deren Hausdienerin. Diese bemerkt im Luftschutzkeller zu spät, daß es ihr "richiger Bohnenkaffee" ist, der da großzügig ausgegeben wird. Es kommt zu einstimmigem Gelächter in der fröhlich-plaudernden Gemeinschaft der Schutzsuchenden während eines Bombenalarms. "Davon geht die Welt nicht unter!" Oft ist sie neben den großen weiblichen Stars der Zeit - Zarah Leander, Marika Rökk, Ilse Werner - die kleine Frau von nebenan, die den harten Alltag mit Witz und Pragmatismus meistert.

Nach dem Krieg steht Grethe Weiser auf der Theaterbühne, in Hamburg, München und Berlin. Die Figur der Mary Miller in "Das Kuckucksei" wird ihre Paraderolle, mit der sie seit 1949 Erfolge feiert. Sie spielt auch die Mutter Wolffen in der Gaunerkomödie "Der Biberpelz" von Gerhart Hauptmann. Für einen Ausflug ins dramatische Fach erntet sie großen Beifall: Frau Nomsen in Friedrich Dürrenmatts "Der Meteor". Aber das Publikum will immer wieder die komische Weiser. Diese Festlegung nimmt sie an: "Ich bin für die Leute ein Garant für zwei Stunden befreiendes Gelächter."

Auch der Film läßt sie nicht los. In der westdeutschen Nachkriegsunterhaltung wird sie zu einer festen Größe. Über fünfzig Filme dreht sie, vorrangig Komödien, Familiendramen und leichte Unterhaltung. Aber gerade durch ihren Witz und die freche Schlagfertigkeit sind viele der Filme mit Grethe Weiser immer noch sehenswert. Ihre amüsante Sprache, ihr kesses Berlinerisch - beides gepaart mit Eleganz und Intelligenz - lassen viele ihrer Nebenrollen zu Hauptrollen werden, die unvergessen bleiben. Ihre häufig improvisierten Rollen spielt sie auch in älteren Jahren immer noch erfrischend kurzweilig, erfindungsreich und aufrichtig, eben "Herz mit Schnauze".

Am 2. Oktober 1970 hat Grethe Weiser bei Bad Tölz einen schweren Autounfall. Noch am selben Tag erlegt sie mit 67 Jahren ihren Verletzungen. Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann, dem Filmjuristen und Produzenten Hermann Schwerin, ruht sie auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Charlottenburg.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Mai 2005

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