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Joseph Schmidt

Joseph Schmidt
Gesang, Darsteller

* 04. März 1904
Dawideny
Österreich-Ungarn
† 16. November 1942
Gyrenbad
Schweiz

JOSEPH SCHMIDT • Biographie Seite 1/1

Der österreichische Tenor Joseph Schmidt genießt durch seine Stimmgewalt weltweite Popularität in den 30er Jahren. Er produziert zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen, steht auf der Opernbühne, steht als Hauptdarsteller vor der Filmkamera. In Berlin wird er als größter Tenor der Zeit gefeiert, wird zum ersten großen Medienstar des Berliner Rundfunk. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten macht seiner Karriere und letztlich auch seinem Leben ein Ende.

Joseph Schmidt wird am 04. März 1904 in Dawideny (Österreich-Ungarn, heute Rumänien) geboren. Seine Eltern sind deutschsprachige Juden, die ihrem Sohn ermöglichen, Klavier- und Violinunterricht zu nehmen. Zur Familie gehören noch vier weitere Kinder. In Czernowitz, wohin die Familie kurz vor Ausbruch des I. Weltkrieges zieht, wird er Mitglied einer jüdischen Jugendorgansation und spielt am Nationaltheater Czernowitz zum ersten Mal Theater.

Joseph Schmidt wird schnell eine lokale Berühmtheit, die durch seine Stimmgewalt und Bühnenpräsenz auffällt. Er besucht eine Musikschule, die er 1924 mit Bravur abschließt. Im gleichen Jahr tritt der Sänger zum ersten Mal mit einem eigenen Konzert auf. Mit Erfolg bewirbt er sich für ein Musikstudium in Berlin. In der deutschen Hauptstadt erweitert er sein Repertoire um die Tenorrollen bekannter Opern, wird aber von den Berliner Bühnen mit der Begründung abgelehnt, daß er zu klein sei. Aus der Not macht der Künstler eine Tugend und bewirbt sich beim Berliner Rundfunk. Im April 1929 singt er mit großem Erfolg den Vasco da Gama in Giacomo Meyerbeers Oper "Die Afrikanerin". Der Berliner Rundfunk schließt mit dem Sänger einen Vertrag ab.

Seinem Erfolg im Rundfunk folgt nun doch noch jener auf der Opern-Bühne. Im August 1929 debütiert Joseph Schmidt im Großen Schauspielhaus. In der Folge wird er als größter Tenor der Zeit gefeiert, steht auf der Opernbühne, singt im Radio, produziert Schallplatten, hat Gesangsauftritte beim Film und unterstützt mit seinem Gesang den Chor der Berliner jüdischen Reformgemeinde.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 ändert sich alles. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung erhält der Sänger sofort Auftrittsverbot. Seine zahlreichen Schallplatten, die er produziert hat, stehen auf dem Index. Zunächst kann Joseph Schmidt aber noch beim Film arbeiten. Der Regisseur Richard Oswald inszeniert mit ihm als Hauptdarsteller den autobiographischen Film EIN LIED GEHT UM DIE WELT (1933), der relativ nah das Leben von Joseph Schmidt darstellt. Wie im realen Leben ist er hier auch der kleinwüchsige Musikstudent, der mehrmals abgelehnt wird, aber durch seinen Gesang, der im Radio und auf Platte zu hören ist, doch alle Kritiker überzeugt. Der Film kommt noch zur Aufführung, wird aber 1937 verboten.

Nach der Uraufführung des Films im Mai 1933 siedelt der Sänger nach Wien über. Hier bereitet er eine Konzerttour vor, die ihn nach Palästina führen soll. Er singt wieder im Radio, produziert schallplatten und wird auch in den USA bekannt. In Österreich inszeniert Richard Oswald nochmals mit ihm einen Film WENN DU JUNG BIST, GEHÖRT DIR DIE WELT (1933). Im selben Jahr entsteht außerdem EIN STERN FÄLLT VOM HIMMEL (1934), der ebenfalls ganz auf den Gesang des Joseph Schmidt zugeschnitten ist. In HEUT IST DER SCHÖNSTE TAG IN MEINEM LEBEN (1936) spielt er die Doppelrolle singender Zwillinge. Alle Filme feiern ernormen Erfolg an den Kinokassen - außerhalb Deutschlands. Reisen führen den Künstler durch Europa. In Birkhoventritt (Holland) singt er vor 100.000 Menschen. Im März 1937 tritt er in den USA unter tosendem Applaus in der Carnegie Hall auf.

1938 vollzieht sich der "Anschluß" Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Joseph Schmidt emigriert in Richtung Brüssel, später nach Frankreich. Der II. Weltkrieg holt in überall ein, er versteckt sich, ist mittlerweile völlig verarmt. Seine letzte Rundfunkaufnahme stammt von einem Radiokonzert im Februar 1940, seinen letzten öffentlichen Auftritt hat er im Mai 1942 in der Oper von Avignon.

Im Oktober 1942 versucht der Künstler illegal in die Schweiz einzuwandern. Er wird aufgegriffen und ins Lager Gyrenbad interniert. Joseph Schmidt leidet an einer schweren Erkältung, klagt über Herzschmerzen. Der zuständige Arzt nimmt ihn nicht ernst. Am 16. November 1942 stirbt der Sänger in Gyrenbad an Herzversagen im Alter von 38 Jahren.

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