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John Gielgud

John Gielgud
Darsteller

* 14. April 1904
London
Großbritannien
† 21. Mai 2000
Aylesbury
Großbritannien
andere Namen Sir John Gielgud

JOHN GIELGUD • Biographie Seite 1/1

John Gielgud zählt zu den berühmtesten Interpreten britischer, vornehmlich Shakespeare-Verse. Als Darsteller klassischer Theaterrollen wird er über die Grenzen seines Heimatlandes berühmt. Zahlreiche Auszeichnungen kann der Schauspieler in seiner 60-jährigen Laufbahn erringen, unter anderem wird er von der Königin 1953 in den Adelstand erhoben. Zu seinen Ehren wird 1994 das Londoner "Globe Theatre" in "Gielgud Theatre" umbenannt.

John Gielgud wird am 14. April 1904 als Arthur John Gielgud in London geboren. Sein Vater Frank Gielgud ist als Börsenmakler überaus erfolgreich. Er entstammt einer künstlerischen Familie. Seine Tante ist die berühmte englischen Schauspielerin Ellen Terry, die für ihren Einfluß auf das Theater des ausgehenden 19. Jahrhunderts bekannt ist. Sein Bruder Val Gielgud wird später als Schriftsteller auf sich aufmerksam machen. John Gielgud erhält seine Schulausbildung an der traditionellen Westminster School in London. Nach seinem Abschluß nimmt er Schauspielunterricht an der "Lady Benson's Acting School". Später läßt er sich von Claude Rains an der Königlichen Akademie für Dramatische Künste ausbilden.

Mit 17 Jahren beginnt der junge Schauspieler als Statist am "Old Vic"-Theater in London. Bis zu seiner Volljährigkeit wandert er mit einer Theatergruppe durch das Land, spielt bevorzugt in William Shakespeare-Stücke. Einen kurzen Auftritt vor der Kamera absolviert er in dem Stummfilm WHO IST THE MAN? (1924), der sein einzigster bis zum Siegeszug des Tonfilms bleiben wird. Sein großes Betätigungsfeld wird das Theater. John Gielgud wird zu einem der bekanntesten britischen Bühnenschauspieler, der mit seinen Shakespeare-Interpretationen über mehrere Jahrzehnte ein Millionenpublikum erreicht. Er spielt die großen klassischen Rollen: Romeo, König Lear, Richard, Macbeth, Prosperos, Shylock und Hamlet. Letzteren gibt er mehr als 500mal auf der Theaterbühne. Als Hamlet wird er zum besten Shakespeare-Interpreten gekürt.

1928 steht John Gielgud erstmals am New Yorker Broadway auf der Bühne. Seit Beginn der 30er Jahre arbeitet der Schauspieler auch als Regisseur. Er inszeniert "Romeo und Julia", steht abwechselt mit seinem Kollegen Laurence Olivier auf der Bühne. Ende der 30er Jahre gründet er seine eigene Theatergruppe, betätigt sich mehrere Jahre als Theaterleiter. In den 60er Jahren führen in ausgedehnte Tourneen durch die ganze Welt. Er spielt unter anderem in Israel, Neuseeland, tritt in der Sowjetunion, in Skandinavien und in Südamerika auf. In seinen späteren Jahren widmet er sich auch anderen Autoren.

Im Film ist der Darsteller bis Mitte der 50er Jahre selten zu sehen. Unter dem Regisseur Alfred Hitchcock spielt er in dem Film DER GEHEIMAGENT (1936) einen schreibenden Offizier, der sich als Geheimagent verpflichten lässt und versehentlich einen unschuldigen Touristen tötet. Erst in den 50er Jahren tritt er häufiger vor die Kamera. Zahlreich sind die Shakespeare-Adaptionen in dieser Zeit. Als exellenter Shakespeare-Darsteller erhält er für die großen Filme immer wieder Rollenangebote. Er spielt Cassius in JULIUS CAESAR (1953) von Joseph L. Mankiewicz, gibt den Clarence in RICHARD III. (1955) von Laurence Olivier. Neben Richard Burton und Peter O Toole spielt er in Adaption des Jean Anouilh-Bühnenstückes BECKET (1964). Für die ausgezeichnet gespielte Darstellung des König Louis VII. wird John Gielgud erstmals für den Oscar nominiert. Aber erst 1981 erhält er die kleine Statur für seine Nebenrolle als Butler in ARTHUR - KEIN KIND VON TRAURIGKEIT (1981) unter der Regie von Steve Gordon.

In den Jahren dazwischen steht John Gielgud in zahlreichen Kino- und TV-Filmen vor der Kamera. In der bitterbösen Satire TOD IN HOLLYWOOD (1965) von Tony Richardson spielt John Gielgud einen Studio-Dekorateur, der sich umbringt. Er arbeitet mit Orson Welles in FALSTAFF (1966) zusammen. In dem legendären Sidney Lumet-Film MORD IM ORIENT-EXPREß (1974) spielt er an der Seite von Ingrid Bergman, Vanessa Redgrave und Lauren Bacall. Der polnische Regisseur Andrzej Wajda verpflichtet ihn für DER DIRIGENT (1979). In DER ELEFANTENMENSCH (1980) spielt er unter dem jungen David Lynch. Zahlreiche Auszeichnungen kann der Darsteller erringen. 1977 wird ihm den Preis der New Yorker Filmkritik für seine Darstellung des Schriftstellers Clive Langham in Alain Resnais' Film PROVIDENCE (1977). Ein Jahr später ist er an der Seite von Peter Ustinov in RENDEZVOUS MIT EINER LEICHE (1978) zu sehen.

Nach seiner Darstellung des Lord Irwin in Richard Attenboroughs erfolgreichem GHANDI (1981), sind es wieder vornehmlich Shakespeare-Verfilmungen, in denen der Darsteller seine ganze Brandbreite zeigen kann. Er arbeitet mit dem britischen Regisseur Peter Greenaway zusammen und mimt - wie schon mehrfach auf der Theaterbühne - den Prospero in dessen Adaptation von PROSPEROS BÜCHER (1990). In der HAMLET-Verfilmung unter der Regie von Kenneth Branagh ist er als König Priamos von Troja ebenso zu sehen wie in dem mehrfach ausgezeichnetenen Drama um ELIZABETH (1998) als Papst Pius V.

John Gielgud ist neben seiner Bühnen- und Filmtätigkeit auch häufig als Synchronsprecher tätig. Seine Sprachkultur wird in Großbritannien geschätzt. Er wird häufig als Sprecher besetzt, so unter anderem in DRAGONHEART (1996). Auch in zahlreichen Dokumentarfilmen spricht er als Kommentator den Text. Außerdem betätigt sich der Künstler als Schriftsteller. Es erscheinen Reden und Essays, Erinnerungen an die frühe Bühnenzeit. 1979 veröffentlicht er seine Autobiografie.

John Gielgud bekennt sich zu seiner Homosexualität. In den frühen 60er Jahren lernt er Martin Hensler kennen, mit dem er bis zu seinem Tod auf seinem Landsitz in Buckinghamshire zusammen lebt. Am 21. Mai 2000 stirbt er in Aylesbury (Buckinghamshire).

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