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Henry Fonda

Henry Fonda
Darsteller, Sprecher, Produzent

* 16. Mai 1905
Grand Island (Nebraska)
USA
† 12. August 1982
Los Angeles (Kalifornien)
USA

HENRY FONDA • Biographie Seite 1/1

Henry Fonda ist einer der bedeutendsten US-amerikanischen Charakterdarsteller. Er steht für Integrität, gibt den rechtschaffenen Amerikaner, ehrlich und hartnäckig, anständig und standhaft, tugendhaft und verwundbar. Schon in seinem Gang zeigt sich seine Aufrichtigkeit: Er ist gelassen, von natürlicher Würde, er fließt mehr, als das er geht. Dem Schauspieler wird das typischste aller amerikanischen Gesichter nachgesagt, durch seine Tendenz stumm seine Leiden zu ertragen, versetzt er den Zuschauer in das Gefühl, ihn irgendwie beschützen zu müssen. Er reagiert scheinbar mit Gleichmut auf Ungerechtigkeiten, explodiert aber irgendwann.

Henry Fonda wird am 16. Mai 1905 in Grand Island, Nebraska als erstes Kind der Familie Fonda unter dem Namen Henry Jaynes Fonda geboren. Zur Familie kommen später noch die zwei Töchter Harriet und Jayne hinzu. Als er ein Jahr alt ist, ziehen die Fondas nach Omaha, Nebraska. Sein Vater verdient den Lebensunterhalt für die Familie als Drucker. Henry Fonda besucht die Omaha Central High School und schreibt dort Kurzgeschichten, gewinnt einen Schulwettbewerb. Sein Wunsch ist es, Journalist zu werden und so schreibt er sich an der University of Minnesota im Fach Journalismus ein. Nach zwei Jahren wirft er das Studium hin und kehrt nach Omaha zurück. Durch Zufall wird ihm von Dorothy Brando (der Mutter von Marlon Brando) die Rolle als jugendlicher Held in "You and I" nach Philpp Barry angeboten. Er entscheidet sich für die Schauspielkunst, arbeitet 1925 am Omaha Community Playhouse als Schauspieler, Bühnenmaler und Regie-Assistent. Nebenbei übernimmt er Gelegenheitsjobs, verdient dazu als Eisverkäufer, Sportlehrer oder Schaufensterdekorateur.

Im Juni 1928 geht Henry Fonda nach New York. Bis 1932 schließt er sich den University Players von Falmounth an, lernt dort unter anderem James Stewart, Myron McCormick und Mildred Natwick kennen. Zwischenzeitlich versucht er immer wieder Rollen in New York zu ergattern. 1929 debütiert er in dem Bühnenstück "The Game of Love and Death" am Broadway. In der folgenden Zeit tourt er mit einem Wandertheater durch das Land, übernimmt auch die Funktionen des Bühnenbildners, Regie-Assistenten oder Regisseurs. Mitte der 1930er Jahre feiert er erste Erfolge in New York mit der Comedy-Revue "New Faces of 1934" und dem Stück "The Farmer takes a Wife". Durch seinen Bühnenerfolg wird Hollywood auf ihn aufmerksam, der Produzent Walter Wanger verpflichtet ihn in die Filmmetropole Los Angeles. Auch während seiner späteren Hollywood-Karriere arbeitet Henry Fonda regelmäßig als Theaterschauspieler. Unter anderem feiert er Anfang der 1950er Jahre Erfolge am Broadway in dem Stück "Mister Roberts", das später ebenfalls mit ihm in der Hauptrolle von Altmeister John Ford verfilmt wird.

Sein Debüt vor der Kamera gibt Henry Fonda in der Verfilmung des Bühnenstückes, bei dem er in New York soviel Applaus erhalten hat: DER FARMER WILL HEIRATEN (1935) unter der Regie von Victor Fleming. Der Schauspieler etabliert sich hier als unkomplizierter Farmer, liebeswürdig und entschlossen, geduldig und besonnen. Bereits im nächsten Jahr feiert er seinen ersten Höhepunkt in seiner Karriere. In dem Fritz Lang-Film GEHETZT (1937) spielt er den Vorgestraften Eddie Taylor, der unschuldig des Bankraubs angeklagt wird. Aber er entkommt der Lynchjustiz und rächt sich an seinen Verfolgern. Der Film überzeugt nicht nur durch den Schauspieler, sondern auch durch seine starke soziale Aussage. Eine zweiter Wesenszug des Schauspielers wird hier etabliert: Er spielt einen Mann, der fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigt wird und sich nun da herausfinden muss. Nochmals wird er mit dem Regisseur bei RACHE FÜR JESSE JAMES (1940) zusammenarbeiten. Hier verkörpert er Frank James, der seinen ermordeten Bruder rächen will, aber zu spät kommt. Mit dem Drama um eine temperamentvolle Südstaatenschönheit JEZEBEL - DIE BOSHAFTE LADY (1938) unter der Regie von William Wyler überzeugt Henry Fonda einmal mehr. Hier steht er neben Bette Davis vor der Kamera, er arbeitet mit Gloria Swanson, Joan Bennett, Madeleine Carroll sowie Barbara Stanwyck und anderen weiblichen Stars zusammen.

Es sind die Arbeiten des Regisseurs John Ford, bei denen Henry Fonda zum Charakterdarsteller, zu einem der bedeutendsten Schauspieler der USA, heranreift. In der Literaturverfilmung DER JUNGE MR. LINCOLN (1939) verkörpert er Abraham Lincoln, den späteren Präsidenten der USA, der in einer Gerichtsverhandlung zwei Brüder, die unschuldig verdächtigt werden, verteidigt und den wahren Täter entlarvt. Besonders die von Understatement geprägte Darstellung des Schauspielers wird von den Kritikern gelobt: Er zeigt den jungen Rechtsanwalt bedachtsam und unnachgiebig. Nach diesem Film arbeiten die zwei Künstler noch sechsmal zusammen. Für ihre nächste Zusammenarbeit FRÜCHTE DES ZORNS (1940) nach einem Roman von Roman von John Steinbeck erhalten beide eine Oscar-Nominierung, der Regisseur kann die kleine Statur auch mit nach Hause nehmen. Erzählt wird von einer amerikanische Farmersfamilie, die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre Existenz verliert: Sie gehört zu den Verlierern der Depression. Henry Fonda, als Tom Joad, ein Farmer ohne Land, tut das, was zu tun ist, ohne viel Worte. Regisseur und Schauspieler setzten auf eine nüchterne Beobachtung der Ereignisse. Gerade dadurch überzeugt der Film durch Glaubwürdigkeit und Realismusnähe. Unter dem Regisseur arbeitet er auch in dem Western FAUSTRECHT DER PRÄRIE (1946). Hier übernimmt er die Rolle des legendären Western-Helden und Sheriffs Wyatt Earp, der eine ganze Stadt fast im Alleingang von einer Gaunertruppe befreit. Der Film ist ein Klassiker, der durch eine spannenden Handlung, eine gradlinige Erzählung und eine brillante Schauspielleistung besticht. Besonders bei den Arbeiten mit John Ford zeigen sich die Vorzüge des Henry Fondas: Er ist ein ehrlicher, couragierter Held, zugleich ein Mann aus dem Volk, der den Ehrenkodex der Pionierzeit tief verinnerlicht hat. Er ist ein Kämpfer für ein besseres Leben, auch wenn er dies mit Jähzorn und Wut erreichen muss. Auch wenn er eigentlich Verbrecher spielt: Sie besitzen bei ihm immer auch einen Funken Rechtschaffenheit.

Unter der Regie von Preston Sturges spielt er in der unterhaltsamen Komödie DIE FALSCHSPIELERIN (1942) einem reichen Gentleman, der sich von einer Betrügerin umgarnen lässt. Kurzzeitig wird seine Filmkarriere unterbrochen. Von 1942 bis 1945 nimmt Henry Fonda als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Er ist Leutnant bei der Navy. Nach seiner Rückkehr hat er keine Schwierigkeiten, wieder an seine Erfolge anzuschließen. Aber die Rollenangebote sagen dem Schauspieler nicht zu. Er spielt viel Durchschnittliches, nimmt mehr Rollen an als nötig, auch schlechte. Henry Fonda zieht sich zeitweise auf die Theaterbühne zurück und feiert am Broadway Erfolge. Über sieben Jahre arbeitet er an keinem Film.

Die letzte Zusammenarbeit zwischen John Ford und Henry Fonda ist KEINE ZEIT FÜR HELDENTUM (1955). Sie läutet die zweite Hollywood-Karriere des Schauspielers ein. Für DIE ZWÖLF GESCHWORENEN (1957) unter der Regie von Sidney Lumet erhält er eine weitere Oscar-Nominierung. Hier verkörpert er den 8. Geschworenen, der bei einer scheinbar eindeutigen Verurteilung Ungereimtheiten entdeckt und nach und nach seine Mitgeschworenen von der Unschuld des Angeklagten überzeugen kann. Auf engstem Raum agieren die Schauspieler, durch die Konzentration auf einen Ort entsteht große Spannung. In dem groß angelegten Epos nach Lew Tolstoi KRIEG UND FRIEDEN (1956) von King Vidor gibt er Pierre Bezukow, der Napoleon nicht mehr bewundert und ihn sogar ermorden will. Mit Alfred Hitchcock arbeitet er in DER FALSCHE MANN (1956) zusammen. Er wird fälschlich eines Bankraubes verdächtigt und inhaftiert, steht wehrlos der Untersuchungsmachinerie gegenüber. Erst als sich herausstellt, dass ein Doppelgänger die Tat begangen hat, kehrt er zu seiner Familie zurück, ist aber ein gebrochener Mann.

In den 1960er Jahren wird der Schauspieler zu einer Institution. Zahlreich sind seine Gastauftritte, seine kleinen Rollen in Großproduktionen. Einen Kult-Erfolg kann er unerwarteter Weise mit dem Italo-Western SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD (1968) unter der Regie von Sergio Leone erreichen. Er gibt einen bezahlten Revolverhelden der Eisenbahngesellschaft, eisig und abschreckend, ein Killer. Das Leinwand-Image des Schauspielers wird gehörig einer Wandlung unterzogen. Bereits in Filme wie WARLOCK (1959) von Edward Dmytryk und DIE FÜNF VOGELFREIEN (1967) von Vincent McEveety hat der Darsteller seine bösen Seiten gezeigt, seine Gewalttätigkeiten und Killerinstinkte zum Vorschein gebracht. In MEIN NAME IST NOBODY (1973) von Tonino Valerii spielt er den schnellsten Schützen der Welt, der eigentlich nur noch seine Ruhe haben will. Das passiert, wenn der Mythos stirbt und so wird dies arrangiert.

Ab den 1950er Jahren arbeitet Henry Fonda auch für das Fernsehen. Er ist als Zirkus Clown Emmett Kelly zu sehen, spielt in TV-Serien wie "The Deputy" oder "The Smith Family". Er geht mit einer Ein-Mann-Show auf Tournee. 1981 wird er für seine Leistungen mit dem Ehren-Oscar der American Academy ausgezeichnet. Im selben Jahr erscheint auch seine Autobiographie unter dem Titel "My Life As Told to Howard Teichmann". Ein Jahr später erhält er auch endlich "regulär" einen Oscar als Bester Hauptdarsteller. Mit Katharine Hepburn und seiner Tochter Jane Fonda steht er in dem Drama AM GOLDENEN SEE (1982) unter der Regie von Mark Rydell vor der Kamera. Geschildert wird das Treffen von drei Generationen, das nicht ohne Komplikationen bleibt.

Im Dezember 1932 heiratet Henry Fonda seine Schauspielkollegin Margaret Sullavan. Die Ehe wird bereits im folgenden Jahr geschieden. Danach ist er vierzehn Jahre von 1936 bis 1950 mit Frances Seymour Brokaw verheiratet. Die zwei Kinder - Jane Fonda (geb. 1937) und Peter Fonda (geb. 1940) - werden später ebenfalls erfolgreich als Schauspieler arbeiten. In seiner dritten Ehe lebt er mit Susan Blanchard zusammen, beide haben ein gemeinsames Kind. Die Ehe wird 1956 geschieden. Nochmals tritt er mit Afdera Franchetti vor den Traualtar, lebt mit ihr von 1957 bis 1961 zusammen. Von 1965 bis zu seinem Tod ist er mit Shirlee Maye Adams verheiratet.

Henry Fonda stirbt am 12. August 1982 in Los Angeles.

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