| Regie | Sönke Wortmann |
Sommer 1954: Christa Lubanski hat sich und ihre Kinder unter großen Entbehrungen durch Krieg und Nachkriegsjahre gebracht, nun empfängt sie ihren Mann, der aus der Gefangenschaft zurückkehrt. Längst hat der fußballbegeisterte Matthias in seinem Idol, dem Nationalspieler Helmut Rahn, einen Ersatzvater gefunden. Vater Richard bleibt nach seiner Rückkehr verschlossen und aggressiv. In der Schweiz findet zur gleichen Zeit die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Am 4. Juli 1954 muss sich alles entscheiden ...
Für Oliver Hüttmann ist DAS WUNDER VON BERN ein "unterhaltsamer, liebenswürdiger Film mit famosen Darstellern". Schnell hat er das "sentimentale Muster" des Films durchschaut, aber der Regisseur geht sicher mit den emotionalen Effekten um. "Zuweilen strapaziert Wortmann das Pathos etwas arg. Wenn er seinen Bildern nicht traut, will er auf Nummer sicher gehen und schießt übers Ziel hinaus."
Hanns-Georg Rodek deckt es auf: DAS WUNDER VON BERN "steht für den ultimativen Bruch der neuen Kinogeneration mit Fassbinder & Co, den ungeliebten Vätern vom alten Neuen Deutschen Film. Und - im ganz großen Bogen - signalisiert der Film sogar die Ablösung des Zöglings Deutschland von seinem Ziehvater Amerika." Kein Wunder also, daß Kanzler Schröder zur Premiere geht.
Über der Produktion hängt ein Damoklesschwert: der "Bedeutungsmehrwert", da es um vielmehr geht, als um ein Fußballspiel, meint Jan Distelmeyer. Daran scheitert der Film: "Gerade in seinem Versuch, Geschichte rund und einheitlich darzustellen, offenbart der Film seine Zerrissenheit. Der ideologischen Eindeutigkeit steht eine mindestens ebenso große narrative Unsicherheit gegenüber."
Peter Riesbeck hat "viel Pathos und Kitsch in Bilder gepackt" wahrgenommen, eine "übertrieben schwülstige Versöhnungsgeschichte" und zudem eine "klinische Bildgeschichte eines unbeschreiblichen Heldenepos" gesehen, die den Mythos entzaubert. Es wird in diesem ernsten bundesrepublikanischen Historienfilm "immer ein wenig zu viel und ein wenig zu plakativ geredet", nur noch "der Stempel der Bundeszentrale für politische Bildung" fehlt.
Für Fritz Göttler kommen Atmosphäre und Dramaturgie "vielfach so ungelenk und klapprig daher wie die Fußballer, wenn sie mit ihren Stollen auf dem harten Betonboden in den Stadiongängen marschieren". Und auch sonst kann das "Lehrstück, ein Thesenfilm" ihn nicht überzeugen.
Sven Goldmann und Julian Hanich führen ein Interview mit Sönke Wortmann.
Für Peter von Becker ist DAS WUNDER VON BERN der beste Fußball-Film aller Zeiten. Auch sonst ist er des Lobes voll. Er war "sofort gepackt, berührt, entführt in eine wiedergefundene Zeit der frühen Bundesrepublik". Der Film bemüht sich um "atmosphärische Dichte, Zeitkolorit und sinnfällige Momente", am "schönsten aber sind die wirklichen Fußball-Szenen".
Peter Zander gibt Sönke Wortmann "im Sport ein 'sehr gut', in Geschichte aber ein 'mangelhaft'". "Wenn alle Väter so vom Krieg erzählt hätten, dann hätte es kein '68 gegeben, dann wäre die Jugendrevolte gar nicht nötig gewesen."
Ein nicht genannter Interviewer befragt Sönke Wortmann.
Für Dietrich Kuhlbrodt hat Sönke Wortmann das Spiel verloren. Seine Hauptdarsteller, allen voran Peter Lohmeyer, spielen "seltsam lieblos, undifferenziert und eindimensional", die Dialoge sind hölzern und filmisch gibt's zu viel Off-Stimme und Orchester-Bombast. Gut in Szene gesetzt dagegen sind Zeitkolorit und das Fußballspiel selbst.
Andreas Lampert führt ein Interview mit dem Regisseur Sönke Wortmann.
Clemens Gerlach führt ein Interview mit Peter Lohmeyer.
Michael Althen gönnt Regisseur wie Film den Erfolg - sollte er sich einstellen, denn ein riskantes Unternehmen wie DAS WUNDER VON BERN muß belohnt werden. Er beschreibt die Widerstände, denen sich ein Fußball-Film ausgesetzt sieht und findet, daß Sönke Wortmann sie alle mit mehr oder weniger Erfolg umschifft.
Oliver Rahayel sieht "keine wirklich überzeugenden Charaktere, eher schemenhafte Andeutungen, Platzhalter für soziale Phänomene" in den Filmen von Sönke Wortmann. Peter Lohmeyer schafft es, Tiefe in das Drama zu bringen. Die "im deutschen Film verbreitete übertriebene Sucht nach Authentizität", nach "Vergegenwärtigung um jeden Preis" stört. Zudem wird dem Film zuviel "Pathos, auch in der musikalischen Untermalung" zugeschrieben. "Nur sehr vereinzelt gelingen ihm Momente mit Witz und Gefühl."