Georg Seeßlen beschreibt einige Züge des "Tarantino-Universum". Bei ihm gibt es keine wüsten Genremischungen, die einzelnen "Elemente bleiben sichtbar, Zitate und Hommages, werden ganz direkt ausgestellt." Unter all den Schichten aus Spaß, Action, Zitaten, Gewalt sieht der Kritiker "das Menschliche. Das Zärtliche. Die Verzweiflung.": Das Kino braucht nicht mehr vorgeben eine Simulation von Wirklichkeit zu sein; es erzeugt selbst genügend Leben, hat seine eigenen Geschichten, seine Seele und Tragödien.
Daniel Kothenschulte hat sich besonders für James Last, deutscher Bandleader und "Mitklatsch-Perfektionist", gefreut, weil dessen Musik gespielt wird. Das gehört zum Plan, denn KILL BILL will "nichts anderes als die endgültige Etablierung bestimmter, außerhalb des klassischen Hollywood entstandener Filmformen innerhalb der wenig durchlässigen Grenzen der Traumfabrik."
Für Anke Westphal ist das viele Blut, daß in KILL BILL eine allzu wichtige Rolle spielt, in diversen Splatter-Filmen schon besser geflossen. Sie beschreibt ihre Enttäuschung und Langeweile in KILL BILL. Der Regisseur hat einen Film abliefert, "der dem Samurai- und Kung-Fu-Kino und den Animes gewidmet sein mag, im Vergleich zu den Vorbildern aber leblos wirkt." Das passiert eben, wenn man einen Film machen will, der sich einzig auf Filme bezieht.
"Tarantino ist wie ein DJ, der von verschiedenen Platten eine Soundschicht über die andere legt und daraus einen ganz eigenen Klang kreiert, der über das bloße Zitat hinaus geht.", faßt Oliver Hüttmann zusammen. Dieses wahnwitzige Werk ist brillantes, gewalttätiges Entertainment.
Das Kino des Quentin Tarantino ist eine "Recyclinganlage", meint Christian Schröder: der Soundtrack ist geschmackssicher ausgewählt, Schauspieler feiern Comebacks, fast jede Szene ist eine Hommage an alte Kung-Fu-Filme. Außerdem ist der Regisseur ein "Actor-Director im klassischen Sinn, ein Filmemacher, der seine Darsteller zu Höchstleistungen antreibt". Der Showdown "ist eine Orgie von Gewalt und Schönheit, wie man es in einem westlichen Film noch nicht gesehen hat."
Die Redakteure Wolfgang Höbel und Thomas Hüetlin führen ein Interview mit Quentin Tarantino.
Jürgen von Rutenberg führt ein Interview mit Quentin Tarrantino.
Andreas Kurtz gibt einen kurzen Einblick von der Premiere in Berlin.