| Regie | Leander Haußmann |
Für Jens Balzer ist bei HERR LEHMANN "im Kleinen eine Menge ganz gut geraten - was schief läuft, läuft nur im Großen schief". Gut laufen demnach die Details, die Gesten, das Kreuzberger Ambiente. Schief läuft die Haußmannsche Geschichtsphilosophie, der politische Symbolismus, HERR LEHMANN als Parabel.
Einige unstimmige Details wirft die Kritikerin Christina Nord dem "Bildungsroman" nicht vor, aber wohl seine nachträgliche Konstruktion der Folgerichtigkeit: "Der Tag des Mauerfalls ist auch der Tag, an dem sich Herrn Lehmanns müßiggängerische Existenz überholt hat."
Daniel Haas vermißt die Dramatik in den Geschichten um Herrn Lehmann. Der Film ist "ein harmloses Dümpeln im ewig gleichen Trott der ausgedehnten Adoleszenz". Aber: "Dieses letztlich höchst undramatische Gleiten durch die eigene Existenz hat Haußmann kongenial umgesetzt".
Bevor Harald Martenstein den Film sah, kannte er Christian Ulmen nicht. Und nach dem Film hat er kein gutes Wort für ihn: der "Scharpinghaft steingesichtige, zu seinem Unglück auch noch dem unabgründigen Johannes B. Kerner ähnlich sehende Hauptdarsteller Christian Ulmen." ist einfach schlecht. Da die zwei Seelenzustände des Romans, Langeweile und Unentschlossenheit, sich schlecht dramatisieren lassen, bedarf es aber Gesichter und Atmosphäre. Die hat der Film leider nicht.
Über den Anfang des Films schwärmt Josef Lederle, aber dann bleibt für ihn nur die Hauptfigur, die den Geist der Vorlage retten kann. Der Hauptdarsteller Christian Ulmen schafft es souverän, seine Kneipenfigur witzig-sympathisch darzustellen. Nach einen furiosen Start stürzt der Film leider ab in Belanglosigkeit.