| Regie | Frank Coraci |
| Kinostart | 23.12.2004 |
Trotz des schweren Stands von Neuverfilmungen bei Jan Distelmeyer ist er angetan. Jackie Chan gibt dem Film postkolonialen Charme. "War in der Fassung von 1956 die Weltreise das Vehikel für jede Menge Abenteuer und Schauwerte, gibt es hier also gleich zwei Aufhänger für Spektakuläres. Und weil sich zu den zwei Hauptfiguren die selbstbewusste Pariser Künstlerin Monique La Roche (Cécile De France) gesellt, bleibt das aktive Moment - der Motor des Films - nicht rein männlich konnotiert. Nicht nur der Kolonialismus wird darüber ganz nebenbei zum Thema, sondern auch das Geschlechterverhältnis."
Mit jeder neuen Billigfluglinie wird es schwieriger, den Stoff zu verfilmen, stellt Bert Rebhandl fest. "IN 80 TAGEN UM DIE WELT sieht eigentlich nicht aus wie ein Film, der Subventionen bräuchte - er ist unverhohlen kommerziell. Die Gelder der FFA, aus Bayern und Berlin-Brandenburg stecken alle in Kulissen, die den Gendarmenmarkt verstellen. Der Rest ging vermutlich an Arnold Schwarzenegger, der als osmanischer Fürst Hapi den lustigsten, aber auch den peinlichsten Auftritt hat. Karl May schreibt sublime Ethnologie neben den Vorstellungen von Harem und Dampfbad, die Frank Coraci vertritt."
Federleichte Popcorn-Unterhaltung wird geboten, findet Kai Mihm. "alles, was einst an Existenzialismus, Forschergeist und Utopie in Vernes Geschichte gesteckt haben mag, wurde von den Filmemachern erfolgreich ausgemustert. Übrig geblieben ist die sprichwörtliche Achterbahnfahrt, bei der die Helden von einer abenteuerlichen Situation in die nächste stolpern. Vor allem Jackie Chan, dem der Film förmlich auf den Leib geschrieben wurde, findet dabei eine wahre Spielwiese für seine akrobatischen Meisterleistungen."
Für Kai Müller wird die Welt "abgebremst in diesem historisch kostümierten Actionabenteuer, allerdings nur, um mit Jackie Chan in der Rolle des Passepartout zur umso rasanteren Martial-Arts- Komödie durchzustarten. Da wird gefochten, geklettert und die Schwerkraft ausgetrickst, dass es nur so kracht. Jackie Chan ist ein Meister der Bewegungskomik. Seine artistischen Kampfeinlagen, in denen ihm Stühle, Regenschirme und Obstkörbe als Waffen dienen, parodieren das Kung-Fu-Genre so stark, dass es am Ende fast wie eine französische Fantasy-Erfindung wirkt."
Infos, Links und Kommentare vorab bei filmz.de.
Andrea Dittgen erkennt ein neues Genre: die Verlegenheits- oder Postmix-Komödie. "IN 80 TAGEN UM DIE WELT ist ein von A bis Z auf Berechnung angelegter Familienfilm mit simplen Gags für alle, die sich ein kindliches Gemüt bewahrt haben und einen Film sehen wollen, der trotz seines aufwändigen Production Design so süßlich wie MARY POOPINS daherkommt. Von Jules Verne ist wenig übrig geblieben, und von der aktuellen Kinotechnik ist das Unternehmen mindestens ein Jahrzehnt entfernt. Das macht ihn wenigstens für hoffnungslose Nostalgiker und Freunde starker Frauen interessant."