| Regie | Benoit Jacquot |
| Kinostart | 31.05.2012 |
Nino Klingler ist enttäuscht, dass der Film "bis zuletzt keine wirklich konturierte Position bezieht. Niemals verdichten sich die bedeutungssatten Diskurse zu einer starken Situation. Jenen Schwebezustand, in dem sich das hier beobachtete Leben abspielt, macht sich der Film zu eigen. Doch gibt man die Erwartung einer klaren Gewichtung auf, dann entfaltet Benoit Jacquots Film seine Potenziale allein durch Andeutungen, durch sanfte Verweise und durch eine Einladung, die Perspektive zu wechseln. Und dies allein ist schon ein großes Verdienst."
Elisabeth Maurer ist positiv überrascht. "Die Konzentration auf diese erstaunlich vielschichte Figur, die mitunter extravaganten Aufnahmen, die eingesetzt werden, um die Sicht dieser Figur zu unterstreichen, kombiniert mit den ungewöhnlichen Disharmonien in der Filmmusik, erschafft einen sehr stimmungsvollen und originellen Blick auf eine historische Zeit."
Michael Meyns schreibt: "Allein schon der Blick aus anderer Perspektive, den Benoit Jacquot auf die Ereignisse wirft, macht LEB WOHL, MEINE KöNIGIN (
) zu einem sehenswerten Film, in dem zudem ausnahmsweise einmal die Frauen den Lauf der Geschichte bestimmen und nicht die ihnen ergebenen Männer."
Der Film sagt laut Hanns-Georg Rodek im historischen Gewand viel über unsere Gegenwart. Der Zuschauer sollte diese Dimension "mitdenken, sonst bleibt nur ein klug inszeniertes, mäßig spektakuläres Kammerspiel im Schloss, allerdings mit der herausragenden Léa Seydoux als Sidonie Laborde."
Auch Peter Uehling beleuchtet die aktuellen Stimmungen, von denen der Film geprägt ist. Der Regisseur "gibt keinen historischen Überblick; er bietet vielmehr Gerüchte und schwankende Ansichten. Dieser Zugriff bringt einen von der ersten Einstellung an gebrochenen Kostümfilm hervor."
Diedrich Diedrichsen sah viel duftige Mädchen- und Frauenhaut und glaubt, dass der Regisseur möchte, der Zuschauer solle sich in Léa Seydoux verlieben. "Wenn die Kamera mal nicht auf Léas Lippen starrt oder ihre Gliedmaßen absucht, sagt garantiert jemand, wie schön sie sei, sie würde strahlen usw."
Der Regisseur hat laut Jan Schulz-Ojala den Ehrgeiz, die "irgendwie präkapitalismuskritische Perspektive der Dienerschaft einzuhalten ... Zum Ausgleich serviert der Regisseur mitunter gewisse Höhepunkte der Frivolität, die zwingend mit der Entblätterung junger weiblicher Hauptfiguren einhergehen – nur wirken diese Szenen dramaturgisch fast schmerzhaft herbeigezwungen."
Statt auf Ausstattung und Pomp setzt das französische Historiendrama auf kluge Reduktion, meint Dominik Kamalzadeh. "Versailles wird hier zum von überpuderten Höflingen bevölkerten Warteraum der Geschichte, weltvergessen und dekadent; zu nüchternen Einschätzungen scheint allein die Dienerschaft befähigt."
Michael Kienzl stellt fest: "Dass Leb wohl, meine Königin! die Sichtweise der Bediensteten einnimmt, hat auch gerade vor dem Hintergrund der Französischen Revolution durchaus etwas Subversives. Wenn etwa die Dienerinnen am Fenster stehen und über den König und seine Brüder lästern, zeigt der Film die Zwischenposition, die die Bediensteten einnehmen, irgendwo zwischen Abscheu und Faszination für die Welt der Monarchen."
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