| Regie | Robert Guédiguian |
| Kinostart | 15.03.2012 |
Michael Kienzl besieht sich den Klassenkampf genauer. "Wie viel Sympathie man dem Film letztlich aber entgegenbringt, hängt davon ab, wie weit man Guédiguians politischer Gesinnung folgt. Von konservativer Seite wird Linken gerne vorgeworfen, Verbrecher zu Opfern äußerer Umstände zu machen. Guédiguian schlägt mit seinem Film genau in diese Kerbe. Immer wieder wird betont, dass Christophe aus sozialer Not heraus zum Täter geworden ist. Schuld hat letztlich Michel, aus dem einfachen Grund, weil es ihm finanziell besser geht."
Der Rahmen der Geschichte, in der die düsteren Verhältnisse zumeist im Schach gehalten werden, wird von Regisseur Robert Guédiguian immer wieder mit einer interessanten Wendung aufgebrochen.
"Wenn Michel und Marie-Claire in der Schlusssequenz die menschlichen Gazellen und Nilpferde am Strand vor der Haustür betrachten und erkennen, dass sie gar nicht wegwollen aus ihrem kleinen, ehrlichen Glück, dann lässt sich die Quintessenz auch auf den Film übertragen, der Erkenntnis und Glück im echten Leben vor der Haustür findet", schreibt Günter H. Jekubzik.
José García schreibt: "Unabhängig von manchen Zufällen im Drehbuch oder von der bewusst, durch die Filmmusik deutlich unterstützten, märchenhaften Anmutung insbesondere des Filmendes stellt Robert Guédiguian Michels Gewissenskonflikt – Soll er seine Anzeige gegen jemand, der „ein Arbeiter wie wir“ ist, zurücknehmen? – in den Mittelpunkt von DER SCHNEE AM KILIMANDSCHARO (
)."
Wolfgang Nierlin ist begeistert. "Raffiniert und detailgenau entwickelt Guédiguian einen komplexen Konflikt und bleibt dabei als bekennender Linker auf fast märchenhafte Weise seinen alten Idealen treu, indem er ebenso versähnlich wie humorvoll den menschlichen Zusammenhalt der Arbeiterklasse, ihre Hilfsbereitschaft und Milieutreue beschwört."
Luitgard Koch schreibt über den Drehort. "Und immer wieder Marseille. Unerschütterlich verschlägt es Robert Guédiguian in seinen Filmen regelmäßig in seine pulsierende, südfranzösische Heimatstadt. Die impulsive Mittelmeermetropole dient dem engagierten Autorenfilmer gleichzeitig als sonnenüberflutete Kulisse und sozialer Brennpunkt. Mit Humor und Humanismus inszeniert der 58jährige vornehmlich im Arbeiterbezirk L’Estaque seine berührenden Sozialdramen. Dabei gibt es eine Konstante im Werk des französischen Regisseurs. Die Suche nach der solidarischen Geste treibt den feinfühligen Chronist sozialer Verwerfungen seinen utopischen Impuls gegen die Schicksalhaftigkeit der Verhältnisse zu setzen."
DER SCHNEE AM KILIMANDSCHARO - imdb.com