| Regie | Hans Weingartner |
| Kinostart | 02.02.2012 |
Neben der beeindruckend glaubhaften Schauspielerei Peter Schneiders ist es laut Catarina Gomes de Almeida das "gelungene Spiel mit der Wirklichkeitswahrnehmung, das DIE SUMME MEINER EINZELNEN TEILE (
) zu einem fesselnden und durchaus sehenswerten Psychodrama macht."
"Generell scheint DIE SUMME MEINER EINZELNEN TEILE (
) am stärksten gefährdet, wenn viel geredet wird", urteilt Maurice Lahde. "Dabei demonstriert Weingartner immer wieder, wie effektiv und reduziert er erzählen kann – ein blitzschnelles, ungefragtes Sudoku-Lösen für die Sitznachbarin im Bus etwa, mehr braucht es nicht, um den Zuschauer Begabung wie Gefährdung des Protagonisten zu zeigen. Angesichts solcher Stärken wünschte man sich, von diesem Regisseur einmal ein „nacktes“, sich ganz auf seine filmische Erzählkraft verlassendes Werk zu sehen."
Der Hauptdarsteller hat es Peter Claus angetan. "Peter Schneider konnte während des Drehens viel improvisieren, ausprobieren, die Dialoge mit gestalten. Das trägt natürlich wesentlich zum Eindruck von großer Authentizität bei. Was aber auch verstörend wirkt. Man gewinnt manchmal fast den Eindruck, eine Dokumentation zu sehen."
Harald Mühlbeyer fragt sich, warum Regisseur Hans Weingartner so plakativ vorgehen musste. "Weingärtner kann feinfühliger inszenieren - das Schizophrenie-Drama Das weiße Rauschen (sein Debütfilm) oder der Zweitling Die fetten Jahre sind vorbei beweisen es, ebenso wie einige Szenen in DIE SUMME MEINER EINZELNEN TEILE (
). Im Ganzen aber bleibt dieser Film leider stets unter seinen Möglichkeiten; er ist nicht, wie er gedacht wurde."
José García schreibt: "Die von Hans Weingartner und seinem Mit-Drehbuchautor Cüneyt Kaya entwickelte Dramaturgie besteht aus zwei voneinander verschiedenen Hälften, die sich ebenfalls in den Schauplätzen widerspiegeln: Die graublauen, entsättigten Bilder der dadurch kalt erscheinenden Großstadt kontrastieren mit den satten Farben des Waldes. Dieser Kontrast reflektiert aber auch den jeweiligen Seelenzustand Martins: Nach der Verwahrlosung und der fast autistischen Desorientierung in der Stadt hellt sich sein Inneres in der Wildnis auf. Dort erlebt er einen von einer leicht optimistischen Gitarrenmusik unterstützten Frühling."
"Wirklichkeit und Utopie, Mythos und unerfüllte Sehnsüchte werden zu einem dichten, ja archetypischen Reigen verflochten", schreibt Martin Wertenbruch. "Dabei fordert die hyperrealistische Kameraführung die Toleranz auch des Zuschauers für Martins Perspektive heraus. Kognitives Verstehen allein funktioniert hier nicht."
Louis Vazquez sah ein beeindruckendes Psychodrama. Was der Regisseur "aus dieser Geschichte macht, die einerseits von genauer Beobachtung zeugt, andererseits aber ein bisschen zu verklärt und abgemildert daher kommt, ist dann aber doch erstaunlich: Er zieht dem Betrachter auf ähnliche Weise den Boden unter den Füßen weg wie seiner Hauptfigur. Da gelingt es plötzlich, den scheinbar so klaren, wenn auch widersprüchlichen Plot für eine Fülle von Deutungsmöglichkeiten zu öffnen. Und den Zuschauern bleibt es selbst überlassen, wie viel Utopie sie zulassen wollen."
Die Deutsche Medien- und Filmbewertung verleiht das Prädikat besonders wertvoll und begründet dies so: "Die große Stärke des Films liegt in den vielen Wahrheitsoptionen, ohne dabei beliebig zu werden. Weingartner zwingt den Zuschauer nicht in eine bestimmte Richtung, sondern lässt ihn die Optionen und Interpretationen sich selbst erarbeiten. Dass er dabei mit dem Mittel des „inneren Kindes" auf eine psychiatrische Behandlungsmethode zurück greift, zeichnet beispielhaft die Gewissenhaftigkeit der Recherche des Regisseurs aus, überhaupt eines der Markenzeichen von Weingartner."
Dieter Oßwald nennt Hans Weingartner den "Anti-Schweiger des deutschen Kinos". "Zum einen macht er das Gegenteil von gefälligem KEINOHRHASEN (
)-Kuschelkomödien. Zum anderen schweigt er nicht über gesellschaftliche Missstände, wie bei DAS WEIßE RAUSCHEN geht es erneut um psychisch fragile Figuren und ihren Kampf gegen die Windmühlen des Systems – nicht umsonst verweist der Name des „ver-rückten“ Helden auf BLUNT, ODER DER GAST, das erste deutsche Schicksalsdrama überhaupt, das Carl Moritz anno 1781 veröffentlichte."
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