| Regie | Joe Carnahan |
| Kinostart | 12.04.2012 |
Josef Lommer sah "einen ungemein konservativen, aber hocheffektiven Genrefilm über den Willen zu überleben. Einige Elemente mögen bei dem ein oder anderen Zuschauer ganz gewiss einen faden Beigeschmack hinterlassen, doch ist THE GREY Joe Carnahans bislang stärkster Film. Der fast schon haptisch im Kinosessel erfahrbaren Kälte durch den Kamerafilter kann man sich jedenfalls nur schwer entziehen."
Es tut laut Michael Föls "richtig gut, dass Joe Carnahan mit THE GREY die überzogenen Actiongefilde seiner letzten Filme verlässt und einen minimalistischen Neubeginn wagt. Sein Film schildert einen unbarmherzigen Kampf zwischen Mensch und Natur mit viel Leid und ohne Ausweg. Der Film spielt geschickt mit Urängsten und Klischees und erweist sich dank seiner unmittelbaren Art als durchaus effektiv."
Bela Akunin lobt den Film. "Der Kampf gegen die Elemente und Fressfeinde weckt archaische Instinkte und Ängste. Die evoziert der Film geschickt, indem er die Präsenz der Wölfe stets andeutet, doch selten zeigt. Diese numinose Bedrohung steigert die Spannung ebenso wie die durchgehende Beschränkung auf Nah-Einstellungen. So wird die Ohnmacht der Fliehenden gegenüber der unwirtlichen Natur fast physisch spürbar."
Thomas Groh zieht große Parallelen. "THE GREY ist vielleicht nicht ganz auf Augenhöhe mit den großen Klassikern des existenzialistisch-todesverliebten Männerkinos Marke Sam Peckinpah, aber nicht weit davon entfernt. Und es ringt einigen Respekt ab, wie stilsicher und konsequent Joe Carnahan hier seinen Weg vom so kunterbunten wie herzlich irrelevanten Actioneinerlei des A-TEAM-Films zu jener Form des effizienten No-Nonsense-Kino zurück findet, in der er vor 10 Jahren mit seinem tollen Copthriller NARC reüssierte."
Heiko Martens stellt fest: "Regisseur Joe Carnahan ist für hiesige Verhältnisse fast ein Autorenfilmer. Schon [früher] hat er jeweils das eigene Skript umgesetzt. Im vorliegenden Fall ein profitabler Umstand; zwischen Buch und Inszenierung paßt kaum ein Blatt, auch wenn die Wölfe in manchen Naheinstellungen bugdetbedingtem Trash anheimfallen. Dankbar wohl auch in diesem Kontext, daß Ian Mackenzie Jeffers, der Autor der Vorlage, am finalen Skript mitgewirkt hat."
Günter H. Jekubzik schaut auf Hauptdarsteller Liam Neeson. Er ist "ein sagenhafter Schauspieler, einer der allerbesten. Die eindrucksvolle Statur dieses Mannes kommt unter der dicken Winterkleidung nicht zur Geltung, doch packend der Kerl, der entschlossen mit den Wölfen kämpft, aber gleichzeitig zu viel Leid im Gesicht trägt, um noch weiter leben zu wollen. Dass ausgerechnet so ein Zerrissener, einen Haufen harter Männer anführt, damit sie nicht von den Wölfen zerrissen werden, ist ein schöner Hohn."
Trotz der typisch männlichen Themen einiger Vorbilder, die in dem Film zu wenig reflektiert oder gar ironisiert werden, kann Yavuz Say "den Bildern ihre poetische Kraft und gleichzeitig authentische Wirkung in machen Momenten nicht absprechen, was mitunter auch am völligen Verzicht auf Computereffekte zur Darstellung der Wölfe liegt. Dafür ist es wert, einige Längen von THE GREY durchzuhalten. Übrigens auch zum Schluss: Wer bis zum Ende des Abspanns sitzen bleibt, wird mit einer zusätzlichen Szene belohnt."
Alexandra Seitz sah zwar nichts Neues, das "wird aber von Carnahan – der hier ein Drehbuch verfilmt, das gemeinsam mit Ian Mackenzie Jeffers nach dessen Kurzgeschichte GHOST WALKER entstand – derart schwungvoll und reduktionistisch konzentriert ins Bild gesetzt, dass der vermeintlich alte Hut mit einem Mal wie der letzte Schrei aussieht."
Der Kniff liegt im Schnitt, meitn Drehli Robnik. "in melancholischen Erinnerungsflashes aus verlorenen Zeiten der Geborgenheit - sei es auf dem Schoß des Sinnsprüche hinterlassenden Daddy, sei es im Bett mit der früheren Frau; deren sanft geflüsterte Mahnung, keine Angst zu haben, ist da noch in die Flugzeugabsturzsequenz oder in den Showdown insertiert. Ui, da macht jemand einen auf Malick oder Soderbergh. Ziemlich prätentiös ist das schon. Aber der Film ist trotzdem nicht so schlecht."
"Der Mensch auf sich selbst gestellt im eigentlich aussichtlosen Kampf gegen die Wölfe und die Naturgewalten, und im Kampf mit sich selbst. Mit viel Enthusiasmus und reichlich Suspense ist dem Regisseur die Bebilderung dieses (Ur)Konflikts gelungen", urteilt Sven Weidner.
"THE GREY (
) gerät so an manchen Stellen in das Fahrwasser eines gefälligen Dramas", schreibt Fabian Olbrich. "Häufig entsteht ein zu sentimentales Gefühl, das irgendwann auch auf die anderen Figuren übertragen wird. Wie die Bilder von Wirklichkeit und Vision auseinander treten ist zwar nett anzusehen, wirkt aber mit der Zeit kitschig."
"Obwohl die gesamte, fast zwei Stunden lange Geschichte nur daraus besteht, dass sich eine Gruppe eingemummter Figuren durch Eis, Schnee und Wälder schlägt, wird THE GREY (
) an keiner Stelle langweilig. Die Omnipräsenz der Wölfe, die oft nur durch Geräusche oder glühende Augen angedeutet wird, versetzt uns als Zuschauer ebenso in permanente Anspannung wie die Menschen auf der Leinwand."
"THE GREY (
) ist pure Hochspannung mit sehr gut getimten Schockeffekten, überzeugenden Schauspielern und einem perfekten Ende. Nach einer eher durchschnittlichen ersten Viertelstunde schickt Carnahan Neeson und Co. unerbittlich durch die weisse Hölle und macht dabei dramaturgisch alles richtig. Das ist packend, mitreissend und nichts für schwache Nerven. Die erste grosse Überraschung im Kinojahr 2012 ist somit perfekt."