| Regie | George Clooney |
| Kinostart | 22.12.2011 |
Frederic Jäger entdeckt die Crux des Films: Sie liegt "in zweierlei: Die filmische Inszenierung schlicht zu nennen wäre eine Untertreibung. Und die Dialoge eindimensional zu nennen träfe es auf den Punkt. Das wäre die Stelle, an der das Budget von nur rund 12 Millionen Dollar zu Gunsten von George Clooney und Konsorten angeführt werden könnte. Tatsächlich sieht man recht deutlich, dass der unabhängig finanzierte Film unter dem Mittelmangel leidet, sich bis auf ganz wenige Ausnahmen scheut, offene Räume in den Blick zu nehmen, und an den Schauspielern klebt, als reiche die Kulisse nicht weiter als eine halbe Armeslänge."
Denis Sasse lobt die Darsteller. "Sei es ein zermürbter Ryan Gosling, ein von sich selbst überzeugt auftretender George Clooney oder die scharfzüngigen Wortduelle von Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti. Das ist dem Gouverneurs-Darsteller und Regisseur Clooney gut gelungen: Er setzt seine Figuren geschickt ein um trotz aller Abwesenheit von Dramatik eine spannende Polit-Geschichte zu erzählen, die zwar nicht durch ihre Story, aber durch ihre Charaktere getragen wird."
Peter Claus wurden zwar keine neuen Erkenntnisse vermittelt, aber "die alte Wahrheit von der Unaufrichtigkeit des politischen Alltags wird jedoch kraftvoll und – im Ton der Erzählung – originell gestärkt. Ein handfester Thriller, dessen Spiegelung der Wirklichkeit von brutaler Offenheit ist. Wer diesen Film gesehen hat, wird sich bei der nächstanstehenden Wahl wohl noch schwerer tun als bisher."
Thomas Groh meint: "Rundum bemerkenswert ist es, dass George Clooney - sonst und vor allem in seinen Filmen die engagierteste Stimme des linksliberalen Hollywoods - diese bittere Geschichte hinter den Kulissen der Wahlkampagne eines fast schon grotesk charismatischen, progressiven Ideal-Präsidenten in spe und damit aus Clooneys Perspektive auf der "guten" Seite ansiedelt: Das mag viel aussagen über die Obama-Ernüchterung...."
Bela Akunin lobt Regisseur George Clooney der den Kampagnen-Krimi völlig unaufgeregt, geradezu nüchtern inszeniert. "Wie schon in GOOD NIGHT AND GOOD LUCK von 2005 über die Kommunisten-Jagd in der McCarthy-Ära seziert er kühl die Mechanismen des US-Politikbetriebs. Keiner der Protagonisten ist besonders doppelzüngig, hinterhältig oder gar böse. Alle spielen nur die Rolle, die ihnen ihre Position im Getriebe zuweist. Das allerdings mit äußerster Konsequenz."
„THE IDES OF MARCH (
) – TAGE DES VERRATS“ bietet hervorragende schauspielerische Leistungen", meint José García. "Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti erstmals zusammen vor der Kamera zu sehen, macht bereits Clooneys viertes Regiewerk zu etwas Besonderem."
"Das ist einfach nur großes und exzellent gespieltes Charakterkino", zeigt sich Arne Hübner begeistert. "Und Clooney zeigt sich hier einmal mehr als versierter Regisseur. Er inszeniert so manche Szene meisterhaft. THE IDES OF MARCH (
) ist tolles Erwachsenenkino, eine intelligente Gefühlsseifenoper für Männer, die trotz der aufgefahrenen Dramatik glaubwürdig bleibt."
Günter H. Jekubzik sah ein in jeder Hinsicht gelungenes, kluges wie kurzweiliges Werk. "Clooney inszeniert erneut enorm sicher mit einer Dynamik, der man sich kaum entziehen kann, mit sparsamem Musikeinsatz und mit überzeugendem Cast."
Daniel Bickermann sieht auf den Hauptdarsteller. "Er ist der Anti-Mr. Smith auf dem Weg nach Washington. Es ist ein umso mutigerer und schockierenderer Bruch, als daß Clooney vorher all seinen Charme und all seine Eloquenz in die Waagschale geworfen hat; ein Bruch, wie ihn nur ein Star hinbekommt, der seit Jahren trainiert, jegliches Image konsequent zu unterwandern und zu sprengen."
Laut Florian Lieb (MANIFEST) fehlt es THE IDES OF MARCH (
) an Herz und damit an Leben; die Botschaft des Films ist wenig neu und nicht sonderlich originell aufgelegt. "Dass in der zweiten Hälfte dann auch noch ein reichlich überzogenes und angesichts der Figureneinführung zu Anfang teils unglaubwürdiges charakterliches Tabula Rasa vollzogen wird, gereicht George Clooneys Film ebenso wenig zum Vorteil. Als Politkommentar in der Tradition von Michael Ritchies THE CANDIDATE versagt George Clooney somit mit seiner Machtparabel."
Jörg Schiffauer nennt THE IDES OF MARCH (
) "fabelhaft" und fügt hinzu: "Kameramann Phedon Papamichael taucht seine Bilder konsequent in kaltes, hartes Licht, das die Charaktere beinahe permanent wie schreckensbleich aussehen lässt und widerspiegelt, was Stephen Meyers nach und nach immer deutlicher vor Augen geführt wird: Es ist eine eisig kalte Welt, in der er schließlich ankommen wird."
Peter Zander bezeichnet THE IDES OF MARCH (
) als "moralisches Märchen". Darsteller George Clooney montiert nicht nur sein Image gekonnt, sondern hat auch als Regisseur deutlich zugelegt und inszeniert stilsicher einen politischen Film. Er scheint ein Misstrauensvotum an die amerikanische Politik und deren Mechanismen zu sein.
Anke Westphal skizziert die Themen des Films: Es geht "um nicht weniger als die Grundlagen der USA und damit also auch um die der Demokratie. Und um die Beschaffenheit von Politik." Der Regisseur legt universelle Politik-Mechanismen offen, was auf der einen Seite faszinierend, aber auch irritierend ist. "Die kalte Pragmatik, mit der die Figuren ihre Zwecke superorganisiert verfolgen, lässt einen als Zuschauer atem- und fassungslos."
Es geht um Zynismus in der Politik, stellt Christiane Peitz fest. Die Geschichte und deren Moral sind vielleicht etwas simpel, aber immerhin legt der Regisseur die Interpetation in die Hände der Zuschauer. Deren Idealismus entscheidet letztlich.
Cristina Nord findet den Venedig-Eröffnungsfilm solide, ist aber nicht begeistert. Uns dass, obwohl sie dem Schauspieler Ryan Gosling gerne zuschaut.
Günter H. Jekubzik sah kluge und für Aufrichtigkeit kämpfende Unterhaltung.
Leider ist der Film laut Dominik Kamalzadeh ein wenig unterkomplex, aber stilistisch überzeugt er durch Eleganz. "Die Kamera ist ständig im Gleiten, Vorder- und Hintergrund kommen dennoch selten zur Deckung - das Repräsentative der Politik ist vom Funktionellen getrennt. Ryan Gosling und Kampagnenboss Philip Seymour Hoffman erscheinen in einer zentralen Szene wie Schattenrisse vor der US-Fahne."
Eines hat Christoph Huber aus dem Film gelernt: Politik korrumpiert. Allerdings steckt hinter dem Film nicht besonders viel. "Das ist durchwegs gut gespielt (insbesondere von Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti als Wahlkampfleiter in gegnerischen Lagern) und kompetent inszeniert, aber klischeehaft geschrieben: Tiefere Einsichten gibt es nicht."
THE IDES OF MARCH - filmmag.de
THE IDES OF MARCH - imdb.com
THE IDES OF MARCH - moviepilot.de