| Regie | Alix Delaporte |
| Kinostart | 04.08.2011 |
Die Hauptdarsteller leisten Großes, findet Thorsten Funke. "Clotilde Hesme gibt der von Anfang an undurchschaubaren und scheinbar sozial gestörten Angèle eine Präsenz mit, die umgehend für sie einnimmt. Grégory Gadebois, ein Angehöriger der Comédie-Française, hat auf den ersten Blick ein Allerweltsgesicht, kann aber mit wenig Mienenspiel große Wirkung erzielen."
Peter Claus zeigte sich von den Hauptdarstellern begeistert. "Clotilde Hesme und Grégory Gadebois, hierzulande wohl weitgehend unbekannt, agieren in den Titelrollen und heben den Film weit über den Durchschnitt hinaus. Nichts da mit parfümierter Gefühlsduselei oder oberflächlichem Hoppla-alles-schick-Geplänkel. Die Beiden erschließen die Charaktere vor allem über deren soziale Prägung Da ist keine Zeit für Schmus."
Viel Gefühl sah José García. "Mit viel Gespür für Timing entwickelt Drehbuchautorin und Regisseurin Alix Delaporte die Geschichte einer langsamen Annährung. Ohne ausgefallene filmische Stilmittel zeigt Angèle et Tony im geruhsamen Rhythmus, wie aus Kalkül und Berechnung echte Liebe wird, so dass Angèle „ein Gefühl entdeckt, dass sie noch nie empfunden hat“ (Alix Delaporte)."
"Es gibt ganz tolle Momente gerade wenn die Handlung ruht und nur die Stimmung zwischen den Personen eingefangen wird. Zum Gelingen dieses außergewöhnlichen und schönen Films tragen die bemerkenswerten Schauspieler bei: Clotilde Hesme fiel schon in DER FLIEGENDE HOLLÄNER, damals mit schwarzen Haaren, auf. Grégory Gadebois ist Mitglied der angesehenen Comédie Française. Es gelingt beiden, eine große Anziehung spüren zu lassen, auch wenn sie noch den richtigen Moment finden muss."
Margret Köhler sah ein gelungenes Regiedebüt. "Ohne den bitteren und oft anklagenden Proletarier-Touch englischer Sozialdramen führt Alix Delaporte in das Milieu so genannter kleiner Leute, in ihre Sprachlosigkeit und Nüchternheit, entfernt sich aber nach und nach vom sozialen Realismus, lässt einen Hauch von Romantik zu. Ohne überflüssige Kamera-Kniffe oder gefühliger Musiksauce konzentriert sich der Film auf die von Clotilde Hesme und Grégory Gadebois in großer Stärke verkörperten komplexen Figuren und weckt in seiner Wahrhaftigkeit tiefe Empathie."
"Trotz durchs Band sehr guter Darstellerleistungen bleibt vieles in Alix Delaportes Spielfilmerstling ANGÈLE UND TONY (
) nur angedeutet und zu wenig ausformuliert. Fragen bleiben offen, und dies macht es schwierig, die Figuren zu verstehen. Wenn dann aber mal etwas durchdringt an Emotionen, wie am Ende des Filmes, dann wärmt dies das Herz. Doch der Grossteil des Filmes ist so erwärmend wie der gekühlte Fisch am Hafen."
Durchwachsen, nicht Fisch noch Fleisch ist ANGÈLE UND TONY (
) für Wolfgang Nierlin. "Vom beschwerlichen Unterwegssein einer Frau zu sich selbst und zu den anderen. Doch den Figuren fehlt das Fleisch, ihre Gefühle hängen in der Luft, der Blick auf das soziale Milieu ist oberflächlich und die Lücken in der Erzählung sind leider leer. Bleibt die Botschaft, man müsse die Taschenkrebse von hinten packen, damit sie nicht zwicken."
Charles Martig lobt den empathischen Blick. Durch ihn "entsteht eine Komplizenschaft mit diesem ungewöhnlichen Paar, das wir gerne als neue heilige Familie sehen. So geschieht etwas, das angesichts der genauen Schilderung der sozialen Verhältnisse einem Wunder gleichkommt. Die Fiktion ist authentischer als das wirkliche Leben: ein Filmwunder der leisen Töne."
Vielleicht ist manches in diesem Film immer noch ein kleines bißchen zu sehr "geschrieben" und "gespielt", stellt Georg Seeßlen fest."Das nächtliche Meer, die Erosionsschäden an der Hauswand, sogar die kümmerlichen Blumen am Fenster müssen immer etwas sagen. Nichts ist so schwierig im Film, als Leichtigkeit und Genauigkeit miteinander zu verbinden. Aber ANGÈLE UND TONY (
) kommt, von der Genauigkeit her, ein gutes Stück voran. Märchenhaft, ein wenig, muß es natürlich auch sein. Sonst bräuchten wir ja nicht ins Kino gehen. Um Leuten zuzusehen, die direkt vom Standesamt in den Schlick gehen. Krabben sammeln, Wind spüren. Glücklich sein. All das Zeug."
Rolf Breiner ist angetan: "Ein Film gegen den Strom, gegen Aufdringlichkeit und sonst üblichem Kinogetöse, ganz auf die Empfindungen seiner Protagonisten eingestellt. Dass einige Fragen - etwa nach dem Vater Yohans und Angèles Zeit hinter Gittern - offen bleiben, stört nicht. Das Kammerspiel unter dem Meereshimmel ist ein Meisterwerk der Subtilität, Einfachheit und innigen Zwiesprache."
ANGÈLE UND TONY (
) ist für Hendrike Bake "ein Film, der ohne falsche Töne und Beschönigungen auskommt, ohne Sonnenuntergänge und laute Versöhnungen. Stattdessen gelingt Alix Delaporte und ihrem beeindruckenden Ensemble das Kunststück, von Heilung, Liebe und Freundschaft zu erzählen, ohne zu lügen. Manche Knoten – so versichert der Film glaubhaft - lösen sich eben wirklich mit Zeit und Ruhe."
ANGÈLE UND TONY - Offizielle Seite (Deutsch)
ANGÈLE UND TONY - imdb.com
ANGÈLE UND TONY - moviepilot.de