| Regie | Johannes Naber |
| Kinostart | 04.08.2011 |
Das Klischee vom kriminellen Ausländer bedient Der Albaner (
), dessen Titel ganz programmatisch zu verstehen ist, nur auf den ersten Blick, findet Therasa Lachner. "So ist trotz einer etwas stereotyp dramatisierten Ausgangslage Arbens Charakter ein durchaus glaubwürdiger, und das liegt vor allem an Hauptdarsteller Nik Yhelilaj. Der albanische Schauspieler kann selbst kaum mehr Deutsch als die Figur, die er spielt. Er improvisierte beim Dreh mit den wenigen Vokabelbrocken, die er beherrschte, und wirkt so authentischer, als es ein Drehbuch vermutlich sein könnte."
Kein Märchen sah Peter Claus. "Johannes Naber zeigt immer wieder Geld, Geldscheine, die den Besitzer wechseln. Glückliche Menschen zeigt er kaum. Wie auch?! Der Film, der in Januar den Hauptpreis beim Festival um den Max Ophüls Preis bekam, erzählt kein Märchen. Hier geht es hart zu, knallhart."
Oliver Heilwagen meint: "Wäre das Etikett «Eastern» nicht auf Action aus Fernost gemünzt, würde es gut zu diesem Film über das wilde Südosteuropa passen. Regisseur Johannes Naber erzählt eine Geschichte von Verstrickung, Flucht, Schuld und Sühne, die an klassische Western erinnert."
Rüdiger Suchsland sah zumeist einen konventionellen Film. "Wirklich brisant wird es immer nur dann, wenn der Film die Schattenseiten des Lebens in Deutschland ins Visier nimmt. Naber porträtiert Deutschland als ein Land ohne moralische Integrität, politisches Konzept oder rechtstaatliche Unschuld – zumindest für all jene Menschen, die hier nicht als nützlich und vernutzbar gelten, die also nicht willkommen sind."
Der Albaner (
) ist für Thomas Volkmann "ein Film der Kontraste. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen aus einem von der Armut gezeichnetem, in mancher Hinsicht aber durch das Festhalten an alten Traditionen auch rückständigem Land hier, emotionale Tristesse und schwindende Moral in einer zerfallenden Wohlstandsgesellschaft dort – damit macht Naber die aktuell in Europa bestehenden Gegensätze zwischen armen und reichen Gesellschaften deutlich."
Realitätsnah und berührend nennt Kirsten Liese den Film. "Mit seinen starken Kontrasten von malerischen albanischen Landschaftspanoramen und tristen, nasskalten Berliner Stadtansichten beeindruckt DER ALBANER (
) nicht nur visuell. Hier ist ein unaufwendig inszenierter, realitätsnaher, berührender Film gelungen, der überzeugend Elemente des Sozialdramas und der antiken Tragödie verbindet."
Rüdiger Suchsland bilanziert: "Johannes Nabers Film reflektiert auf spannende Weise die harten Seiten der Migration. Er erzählt vom schmalen Grat zwischen Hoffnung und Risiko und wird so zu einer moralischen Erzählung über die Natur und über den Preis des Glücks. Dabei hilft ihm mit dem jungen Nik Xhelilaj ein glänzender Hauptdarsteller."
Anhand der psychischen Veränderung des jungen Protagonisten, der fern der Heimat zwischen Elend und Hoffnung in einen brutalen Überlebenskampf gezwungen ist, offeriert der Film für Ula Brunner "gute Anknüpfungspunkte, um ethische Fragestellungen einzubeziehen. Spannend ist es sicher auch, die Stilmittel zu analysieren, mit denen der Film die unterschiedlichen Erfahrungswelten des Protagonisten visualisiert und dramatisiert."
Der Albaner (
) stach "durch eine verblüffende Schnörkellosigkeit heraus, eine Sachlichkeit, die nicht unkünstlerisch war, die aber vielleicht den "rundesten" und punktgenausten Film des Wettbewerbs hervorbrachte – zumindest einen, der sich ganz auf sein Thema und ein Anliegen konzentrierte, das so (auch darin liegt seine Güte) ein solches wiederum gar nicht war und ist."
Die etwas schematische Story kostet Wirkung; Peter Claus "ahnt zu rasch, worauf die Story hinaus will, sieht den pädagogisch dräuenden Zeigefinger. Sehenswert allerdings sind die Szenen aus Albanien, einem in Mitteleuropa weithin unbekannten Land. Für eine lukrative Auswertung in den Kinos dürfte das alleridings nicht reichen."
DER ALBANER - Offizielle Seite (Deutsch)
DER ALBANER - imdb.com
DER ALBANER - moviepilot.de