| Regie | Nicolas Winding Refn |
| Kinostart | 26.01.2012 |
DRIVE (
) ist laut Nino Klingler "ganz weit weg von jedweder visuellen Wirklichkeitsannäherung, der Film ist getränkt in Kinofantasien. Aber seine Stilisierung ist so außergewöhnlich konsequent, dass sich in einzelnen Momenten der reine Style in Richtung Metaebene dehnt: wohlgemerkt nicht im Sinne einer Entschlackung der Filmform auf ihr formales Skelett, sondern durch deren fiebrige Übersteigerung ins Obsessive. Drive reiht sich auch hier in Nicolas Winding Refns Werk ein: durch Überaffirmation des Brutalen, Männlichen, visuell Gefallsüchtigen stellt es diese im Kino ewig präsenten Felder aus wie in einer Vitrine, hübsch ausgeleuchtet und für alle sichtbar."
Der Film ist für Rüdiger Suchsland "eine große 80er-Hommage und lebt ansonsten nicht von der im Prinzip kleinen, wenn auch feinen Story, sondern von Bildern. Etwa dem, in dem der Driver einen Zuhälter in einer Gogo-Bar zusammengeschlagen hat. Während der blutend auf dem Boden liegt, ruft er dessen Boss an. Vier, fünf nackte Frauen sitzen völlig ungerührt, höchstens erstaunt drumherum. So ein Bild kennt man höchstens von Abel Ferrara."
"Die Romanadaption übt sich formell in Eleganz und arbeitet zart einen 80er-Retro-Charme ein, was die die Meute feiert, weil sie dankbar für die Abwechslung ist. Nebst ein paar starken Ansätzen steckt aber nicht viel dahinter. Da sollte man schon eine sehr erwachsene Liebe zum Genre mitbringen. Es ist wie ein zu stark aufgepumpter Autoreifen: viel heiße Luft, und noch ein bisschen mehr, dann würde gar nichts mehr funktionieren."
Sebastian Moitzheim entdeckte dann doch einiges, was DRIVE (
) von der Massenware abhebt. "Statt über interessante Charaktere, Plot oder Ideen funktioniert DRIVE (
) über Atmosphäre und Stimmungen. Über weite Strecken im Mittelteil dominiert den Film eine fast schon kitschige Romantik.... Daneben stellt Refn im dritten Akt kurze, plötzliche Ausbrüche expliziter Gewalt, die im Kino selten so spürbar ist wie hier. Vor allem jedoch beweist Refn sein Können in den Verfolgungsszenen, die, anders als der Trailer es suggeriert, spärlich gesät sind. Statt der üblichen hektischen Inszenierung mit Wackelkamera und schnellen Schnitten gibt sich Refn auch in diesen Actionmomenten beherrscht und lässt den Zuschauer vor allem die Anspannung seines Protagonisten spüren."
"Die bedrohlich-schönen Momente werden durch die grobschlächtige und sich dahin schleppende Inszenierung der zweiten Hälfte fast gänzlich aus der Erinnerung radiert. Am Ende bleibt ein aufgeblasener Neo-Noir-Thriller mit dicker Style-Schicht, der dank des famosen Soundtracks, einigen wirklich grandiosen Szenen und dem routinierten Spiel der Schauspieler, dann doch nur recht annehmbar geworden ist."
Günter H. Jekubzik kann dem Film nichts abgewinnen, den er ist ein völlig unoriginelles und brutales Action-Filmchen jener Art, die Hollywood fast im Wochenrhythmus raushaut. "Allerdings verbreiten Kritiker-Kollegen auch Lobeshymnen zu DRIVE (
), der ein "Neo-Noir-Thriller" sein oder Hommage an Gangster-Filme der 80ger. Wer allerdings mehr als nur Genre-Mechanik will, wird hier vor die Wand gefahren."
Ein "stilistisch beeindruckender Thriller", schreibt Gregor Wossilus. "Faszinierend ist auch die hypnotisch-minimalistische Filmmusik von Clive Martinez, die, unterstützt von passenden 80er-Jahre-Popsongs, das reduzierte, dialogarme Geschehen wie einen großen Traum erscheinen lässt. Als wirkungsvolle Kontrapunkte streute Regisseur Refn einige kurze, überaus harte Gewaltszenen ein, die DRIVE (
) mit einem bitteren Realismus erden."
Auch wenn laut Robert Cherkowski "im ganz großen Eighties-Kitsch geschwelgt wird, beweist Nicolas Winding Refn Fingerspitzengefühl genug, die grellbunte Künstlichkeit und die entrückt schwerelose Atmosphäre nicht mittels eines Übermaßes an Ironie oder Distanz zu denunzieren. DRIVE (
) ist keine pseudo-hippe »Hommage« an den Trash von gestern, sondern zeitloses Kino der besten Sorte. Wenn nach 100 viel zu kurzen Minuten die Zielgerade erreicht ist, bleibt dem Zuschauer wie auch dem Driver nur ein trauriger Blick in den Rückspiegel auf einen der besten Filme des Jahres."
Florian Keller sah grandioses Kino. "Allein der Prolog ist phänomenal. Das sind zehn Minuten, die das amerikanische Genrekino auf seine Essenz verdichten. Ryan Gosling, der Mann aus dem Hotelzimmer, sitzt jetzt vor einer Lagerhalle im Auto und wartet. Wie einst der namenlose Titelheld in Walter Hills DRIVER (1978) verkauft er seine Fahrkünste an Einbrecher, als Fluchthelfer am Steuer. Was folgt, ist eine Verfolgungsjagd, wie man sie so noch nie gesehen hat. Hochspannung, aber unaufgeregt."
Thomas Volkmann lobt das Taktieren. "Es erzeugt Spannung, beweist Coolness – und das auf eine unaufgeregte Weise. Das ist Action in Zeitlupe, und in Verbindung mit der Filmmusik wirkt diese somnambule Stimmung manchmal wie bei David Lynch. Wenn die Gewalt schließlich hereinbricht, dann ist das wie der Ausbruch eines Vulkans. Deren Quentin Tarantino-verwandte Heftigkeit rechtfertigt übrigens die Freigabe dieses Films erst ab 18 Jahren absolut."
DRIVE (
) ist eine Kinoerfahrung, meint Michael Föls. "Der audio-visuelle Fluss des Films erzeugt eine Stimmungstapete von der man nicht genug bekommen kann. Getrieben von einem, teilweise an die 80er Jahre erinnernden Soundtrack und ausgestattet mit visuellen Finessen in Hülle und Fülle ist DRIVE (
) ein absoluter Pflichttermin."
DRIVE (
) "setzt auf Atmosphäre und Charakterzeichnung und erinnert damit durchaus an Genre-Klassiker wie BULLITT ... Die Autoverfolgungsjagden halten sich in Grenzen und zeichnen sich raffinierterweise durch überlegte Stop-and-Go-Sequenzen aus, ein Genre-Novum, das eine ganz eigene Spannung erzeugt. ... Nicolas Winding Refn jedenfalls hat mit DRIVE (
) seine Visitenkarte für das amerikanische Kino geliefert, und mit den beiden besonders brutalen Szenen auch dafür gesorgt, dass der Film bei seinem US-Start nicht unkommentiert in den Medien verschwindet."