| Regie | Benjamin Cantu |
| Kinostart | 19.05.2011 |
Bisweilen geht Benjamin Cantu für Michael Kienzl "ein wenig brav mit seinen beiden Erzählformaten um. Die dokumentarischen Augenblicke geben zwar einen guten Einblick, lassen aber den Blick für das Besondere vermissen. Die fiktive Liebesgeschichte hangelt sich dafür etwas zu routiniert an den üblichen Stationen einer Coming-out-Geschichte – von der zaghaften Annäherung über das fehlende Eingeständnis der eigenen Homosexualität bis zu deren Akzeptanz – entlang. Dass Benjamin Cantu dann doch einige schöne Augenblicke gelingen, liegt daran, dass er wenig über Dialoge erzählt."
Ekkehard Knörer fühlte sich "leicht und gelöst". "Stadt Land Fluss (
) ist ein erstaunlicher und ein sehr schöner Film. Das liegt an den Freiheiten, die sich Regisseur und Autor Benjamin Cantu nimmt gegenüber allen dramaturgischen Standardverfahren. Und dass diese Freiheiten nicht ins Leere gehen, sondern dem Film selbst eine ganz eigene Freiheit der Bewegung geben und lassen, das liegt an den von ihm eingenommenen Perspektiven."
Sehr ansprechend fand Cornelia Geissler den Film. "Land, Land, Land müsste diese Symbiose aus Dokumentar- und Spielfilm eigentlich heißen. Denn hier ist nicht viel los, man sieht zumindest kaum mehr als Felder und Wiesen, Ställe und Lagerhallen. So konfliktarm, so wenig aufregend die Abläufe sein mögen, so interessant sind sie doch. Denn der Film bietet den Einblick in eine Welt, die den meisten Kinogängern sehr fremd sein wird."
Alexandra Wach stellt fest: "In der Großstadt lösen sich inmitten der bunt gewürfelten Lebensentwürfe die Bedenken in Luft auf; die Liebe siegt und man wünscht ihnen, sie mögen das reaktionäre Hinterland hinter sich lassen. Benjamin Cantu ist allerdings gut beraten, bis zum Schluss die Dramaturgie eines handelsüblichen Fernsehspiels zu meiden. Nach durchgemachter Nacht lässt er das Paar wieder zur Morgenmeldung im Ex-Kombinat antreten, Arm in Arm und der strahlenden Entschlossenheit, den Widrigkeiten der Provinz zu trotzen. STADT LAND FLUSS (
) ist kleine, bezaubernde Perle des neuen deutschen Realismus, der man selbst das eigenwillige Springen zwischen den Gattungen verzeiht."
Gerade die Filme Gus van Sants scheinen hier - wie Michael Meyns entdeckt - "Vorbild gewesen zu sein, mit ihrer freien Form, dem scheinbar beiläufigen Beobachten junger Männer, der quasi undramatischen Dramatik, die eher evoziert, als wirklich auf den Punkt gebracht wird. Doch diese Leichtigkeit, diese Verknüpfung von Authentizität und pathetischer Überhöhung erreicht Benjamin Cantu nur sehr selten. Meist begnügt er sich damit, seine beiden Protagonisten in eher banalen Situationen zu beobachten. Das ist zwar durchaus überzeugend gefilmt, auch weitestgehend frei von bemühten, zu viel sagenden Dialogen, allerdings auch nur selten von der Emotionalität, die nötig wäre, um STADT LAND FLUSS (
) wirklich mitreißend zu machen."
Benjamin Cantus Regiedebüt ist laut Cornelia Geissler "ein Wagnis. Es gelingt, weil die Laien sich bei ihrer eigentlichen Arbeit nicht von der Kamera stören lassen. Kein Gespräch wirkt steif, keine Geste unecht. Es gelingt auch, weil die Filmemacher sich mit offensichtlicher Neugier den Abläufen in der Landwirtschaft genähert haben. Und vor allem, weil die Liebesgeschichte sich so beiläufig und dadurch so glaubwürdig entwickelt."
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