| Regie | Maïwenn Le Besco |
| Kinostart | 27.10.2011 |
Almut Steinlein gefällt, dass die Regisseurin jedem Polizeibeamten eine Entwicklung zukommen lässt. "Auf dieser Ebene des Films funktioniert Maïwenns offene Erzählstruktur recht gut. Aber ebendiese wird zu einer großen dramaturgischen Schwäche auf der Ebene der behandelten Fälle. Weil die Fall-Geschichten nur in kurzen Momentaufnahmen erzählt werden, ist der Spannungsbogen schlicht nicht nachvollziehbar. Ständig reagieren die Polizeibeamten mit einer Emotionalität an der Grenze zur Hysterie auf die sich ihnen darbietenden menschlichen Dramen."
Günter H. Jekubzik erstaunen die Jugendlichen in POLIEZEI (
). "Eine große Lachnummer und ein Denk-Mal über die Jugend von heute ist das Mädel, das mittels Blowjob ihr abgezocktes Telefon wieder bekommen will. Es sei doch ein Smart-Phone gewesen! Eine 14-Jährige meint sogar, die Alten sollten sich mal Updaten, es sei doch normal, in dem Alter zu vögeln und im Internet zu strippen."
José García ist zwiegespalten. "Zusammen mit den authentisch wirkenden, bewegten Bildern einer teils sehr nervösen Handkamera, einem schnellen Erzählrhythmus und dem rasanten Schauplatzwechsel gehört eine fragmentarische Erzählweise zum Wesen der Dramaturgie von Maïwenns Film. Darin liegt indes gleichzeitig die Stärke und die Schwäche von POLIEZEI (
)."
Der ambitionierte Film sieht "zuweilen manch pseudodokumentarischen TV-Formaten erschreckend ähnlich", findet Alexander Scholz. "Anders als in dem thematisch und inszenatorisch durchaus vergleichbaren DIE KLASSE (
), der 2008 in Cannes mit der Palme d’Or ausgezeichnet wurde, gelingt es dem diesjährigen Gewinner des Jurypreises nicht, die Komplexität realer Probleme in authentischen Bildern zu fixieren."
Wolfgang Nierlin vergibt 6 von 10 Punkten. "Die französische Regisseurin und Schauspielerin Maïwenn, die in der etwas unmotivierten Rolle der Fotografin Melissa zu sehen ist, zeichnet in ihrem mitunter (auch personell) überfrachteten, öfters mit Übertreibungen zuspitzenden Film, kein verklärtes Bild der Polizei. Neben wenigen, heldenhaften Momenten stehen immer wieder (menschliche) Schwäche und Scheitern."
Der rote Faden findet sich in den Figuren, meint Marcus Wessel. "Die Beamten der Sondereinheit und ihre zum Teil ungewöhnlichen Methoden der Frust- und Stressbewältigung, ihre Gefühle und Ängste sind der narrative Dynamo dieser ungemein realistischen wie beklemmenden Milieuschilderung. Konflikte mit Vorgesetzten, welche der Arbeit der Sonderermittler nicht immer die höchste Priorität einräumen, gehören ebenso zum Alltag dieser Männer und Frauen wie die meist eher flüchtigen Momente des Glücks."
"Mit fast zwei Stunden ist POLIEZEI (
) in der Tat etwas lang. Und es gibt keinen übergeordneten Fall, der vor allen anderen gelöst werden muss, was die Spannung mindert und einzelne Szenen beliebig erscheinen lässt. Doch Drive ist trotzdem da, und der Eindruck, welchen der Einblick in einen speziellen, chaotischen und sehr menschlichen Polizeialltag hinterlässt, ist sehr positiv. Das Herz wird berührt, und gleichzeitig lehrt man mit einem Cast, den man einfach gerne haben muss, so allerlei Neues."
Günter H. Jekubzik meint: "Wenn man auch schnell den Vergleich zum Cannes-Sieger von 2008 DIE KLASSE (
) ziehen wird, POLIEZEI (
) ist vielfältiger und jede unterschiedliche Szene sitzt."
Thomas Engel ist begeistert. "Ein vorzügliches Drehbuch wurde da erarbeitet, Regie und Schnitt sind nicht minder gut. Kein Wunder, dass es dieses Jahr in Cannes den "Preis der Jury" gab."
Es geht um eine Polizeieinheit, die sich mit Kindermissbrauch beschäftigt, sagt Josef Schnelle. "Soviel - übrigens fast unerträgliche - Wirklichkeit war lange nicht mehr im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes, weswegen der aufrichtige, spannende und temporeiche Film sogleich als Anwärter auf die goldene Palme gehandelt wird."
Anke Westphal stellt fest: "Da POLISSE im pseudodokumentarischen Stil gehalten ist, könnte das eine mehrfache Brechung der Perspektive bewirken, zumal der Film von einem Dokumentarfilm inspiriert wurde. Doch diese Möglichkeit wird mehr oder weniger verschenkt, unter anderem zugunsten einer albernen Liebesgeschichte. Verstörend aber bleiben die gebotenen Einblicke in die Arbeit der Einheit, die wohl ungewollt Fragen an die Rechtsgrundlagen und Sensibilität der französischen Polizei aufwerfen. ... POLISSE ist ein überaus zwiespältiger Film: ärgerlich in seiner Distanzlosigkeit, aber auch faszinierend wegen seines herausragenden Schauspielerensembles."
Jan Schulz-Ojala ist enttäuscht. Der Film "erschöpft sich schnell darin, dass er dauernd brüllende Protagonisten aufeinanderhetzt - ob dienstlich oder privat oder in der hochaktiven Zone zwischen beiden Welten. Und auch der semidokumentarische Habitus mit Handkamera und Nahaufnahmen erzählt nicht vom echten Leben, sondern variiert nur einmal mehr das fernsehvertraute Polizeiserien-Material."