| Regie | Steven Soderbergh |
| Kinostart | 08.03.2012 |
"In seinen Brüchen mit dem Etablierten hat HAYWIRE (
) seine stärksten Momente", stellte Nino Klingler fest. "In einer Szene verdrischt Carano zwei Mitglieder einer Spezialeinheit der Polizei. Man kennt die schwarzen Gestalten mit Helm, Kevlarweste und Heckler & Koch aus Counter-Strike oder aus Filmen, in denen viel geschossen wird. Aber in HAYWIRE (
) fällt da kein Schuss. Stattdessen zeigen uns Carano und Soderbergh, wie man einen Elitecop mit seinem eigenen Material krankenhausreif prügeln kann. Hier werden verschiedene Formen der Inszenierung miteinander konfrontiert, ein Kampf von alten Bildern gegen neue. Soderbergh stellt eine Form der Machtrepräsentation bloß, die sich eigentlich als Unangreifbarkeit inszeniert. Doch Carano macht es sehr greifbar, und sehr persönlich."
Wilfried Hippen findet es bemerkenswert, dass Regisseur Steven Soderbergh den eher fadenscheinigen Plot durch Kurzauftritte von vielen Stars wie Michael Fassbender oder Michael Douglas aufgepolstert hat und die Geschichte deshalb sehenswert wird.
Peter Claus schreibt: "Steven Soberbergh hat pure Action versprochen, und die wird geboten. Das ist nicht ehrenrührig, das ist kein Reinfall, allerdings auch kein Höhepunkt der Filmhistorie."
Dominik Kamalzadeh blickt auf die Hauptdarstellerin. "Caranos physische Leistung - hinter der die schauspielerische merkbar zurückbleibt - garantiert tatsächlich die eindrucksvollsten Momente: Wenn sie in Strumpfhosen einen von Michael Fassbender verkörperten Widersacher in einem Hotelzimmer bekämpft, hat das nicht nur Druck und Dynamik, sondern auch unleugbar eine erotische Qualität (mit entsprechend voyeuristischer Note)."
So sah Andreas Günther den Film. "Soderbergh legt seine Schauwerte in die Auslage, sagt aber im selben Atemzug: nicht verkäuflich. Die Kämpfe nutzen sich ab. Verfolgungsjagden im Auto und zu Fuß bleiben unangetastet, aber Schießen, Klettern und Rennen werden bis zur Abstraktion verdichtet, bis zur Behäbigkeit stilisiert. Bei volltönenender Bigband-Sound und Rhythmusgerassel von David Holmes werden Pistolenschüsse bisweilen auf ein comichaftes Blubbern gedämpft."
Günter H. Jekubzik ist begeistert. "Noch ein Action-Film? Nein, ein Soderbergh! Der geniale Regisseur, Autor Produzent und Kameramann machte aus schon dem eingerosteten Heist-Genre den quicklebendigen Raubzug OCEANS ELEVEN. Nun paart er eine ziemlich simple Story mit abgedroschener Dramaturgie und macht daraus einen der aufregendsten und kurzweiligsten Filme des Frühjahrs."
Eine kurzweilige Hetzjagd, meint Denis Sasse. "Was HAYWIRE (
) leisten soll, ist die Einführung einer neuen, schlagkräftigen Dame in die Welt des Actionfilms. Und dieses Vorhaben ist gänzlich geglückt. Man schaut Carano gerne dabei zu, wie sie auf die drei Hollywood-Schönlinge Tatum, McGregor und Fassbender einschlägt. Simpel aber Effektiv, das ist HAYWIRE (
) mit einer Hauptdarstellerin, die sich nicht von der sie umgebenen Männerwelt unterkriegen lässt. Ein Vorbild für die Frauen, eine schlagkräftige Augenweide für die Männer."
"Auf dem Papier hat HAYWIRE (
) zweifellos die Zutaten für einen richtig fetzigen Actionstreifen: heftige Fights, einen visuell starken Regisseur und ein hochkarätiges Cast - wäre da nur eine richtige Geschichte vorhanden. So ist der Film schlussendlich nur ein weiterer Bourne-Verschnitt. Immerhin ein gut inszenierter."
Barbara Meincke ist begeistert. "Nach vielen schweren und schlechten Filmen der Berlinale dieser spannende Action-Thriller, mit einer Superheldin und vielen attraktiven (wenn auch schurkischen) Männern, mit einer angenehm undurchschaubaren Handlung, grandiosen Martial-Arts-Szenen und jeder Menge Intrige."
"Sowas hat das Körper- und Bewegungskino, das der Actionfilm für lange Zeit mal war und zu dem HAYWIRE (
) in reinster Form zurückkehrt, noch nicht gesehen", staunt Thomas Groh. "Wenn Gina Carano, hier in der Rolle der Mallory Kane, die im Auftrag einer der Regierung unterstellten Privatfirma weltweit die schmutzigen Jobs übernimmt, zuschlägt, tun die Knochen schon beim Hinsehen weh. Kein Wunder: Carano blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Mixed-Martial-Arts-Kämpferin zurück. Für HAYWIRE (
), für Soderbergh ist sie ein ungeheurer Gewinn: Kaum eine Viertelstunde vergeht, ohne dass Carano atemberaubend die Fäuste schwingt und noch ganz andere Stunts vollführt, um ihre Häscher zu erlegen."
Oliver Kaever schreibt: "Ohne Frage begeistert HAYWIRE (
) mit einzelnen Sequenzen. Vor allem Action-Fans dürften mit der Zunge schnalzen, wenn Mallory aus aussichtsloser Lage aus einem von der Polizei umstellten Hotel flieht – über Dächer kletternd, durch Treppenfluchten hetzend, unterwegs einige bis an die Zähne bewaffnete Spezialkräfte verprügelnd. Vor allem der Nahkampf zwischen Gina Carano und Michael Fassbender bleibt durch seine brachiale Gewalt und Kraft im Gedächtnis. In dieser Sequenz gelingt es dem Film, herkömmliche Action-Ware zu transzendieren und einem Kampf um das nackte Überleben wieder eine existenzielle Dimension zu geben."
Holger Kreitling empfiehlt HAYWIRE (
) aus mehreren Gründen. Die Hauptdarstellerin Gina Carano ist zwar unbekannt, aber dennoch perfekt besetzt. Und obwohl in HAYWIRE (
) viel gehauen und getötet wird, ist der "Film auf raffinierte Weise intellektuell".
Harald Jähner sieht alles ganz praktisch: Der Regisseur "setzt nicht auf die irre Geschwindigkeit der chinesischen Martial-Arts-Filme, die auch den rasanten KILL BILL angetrieben hat, sondern mischt das etwas trägere Temperament des amerikanischen Wrestlings ins Geschehen. Man bekommt dann leichter mit, welcher Knochen jetzt gerade knackt; das Luftabdrücken zieht sich angemessen hin, und es patscht und klatscht irgendwie saftiger."
Barbara Schweizerhof lobt den Film und ist zugleich enttäuscht. Er ist "so mühelos gut gefilmt wie alle Steven Soderbergh-Filme; eine echte Entspannung fürs Auge, so erholsam wie ein Bau der Neuen Sachlichkeit nach Beispielen postmoderner Überladenheit. Doch am Ende bleibt trotzdem ein Gefühl des Unbefriedigtseins. Man hatte mehr erwartet. Eben nicht nur eine weitere Variante der Formel, sondern eine Erweiterung oder eine Reflexion."
David Assmann sah "klassisches Thriller-Material, ein komplexes Konstrukt, das gerade noch verständlich genug ist, um das Interesse des Publikums nicht zu verlieren. Wie eine Seifenblase wird der Film von seiner Oberflächenspannung zusammengehalten. Denn natürlich kommt es nicht auf die Lösung, sondern auf das Rätsel an, und vor allem auf die Actionsequenzen, die im Zuge der Lösung des Rätsels entfesselt werden. Und die können sich sehen lassen."
"HAYWIRE (
) ist ein reiner Unterhaltungsfilm und steht dazu. Hier sollen keine tiefschürfenden Reflektionen in Gang gebracht werden. Und solche Filme muss es ja schließlich auch geben. Spannend ist Steven Soderberghs Werk allemal, nur leider auch ziemlich austauschbar."
HAYWIRE (
) gefällt David Avazzadeh "als kurzweilige Unterhaltung mit seiner zurückgenommenen und kunstvollen Inszenierung, die sich in Steven Soderberghs differenziertem Blick konstituiert. Der Regisseur setzt auf ungewöhnliche Kamerawinkel und einen wilden Mix verschiedener Einstellungen in Schwarz/Weiß sowie Blau- und Gelbtönen. Die Inszenierung konterkariert aber zu keinem Zeitpunkt die Tatsache, dass der Film im Kern ein klassischer Action-Thriller ist."