| Regie | JC Chandor |
| Kinostart | 29.09.2011 |
Laut Thorsten Funke scheitert der Film. Er "hätte nämlich ein working place drama werden können, der Menschen bei der Arbeit zeigt und diese Arbeit verständlich macht. Der etwas von der Energie transportiert, die ein Broker empfinden muss, wenn er Millionenbeträge durch die Welt schiebt. Für diese Arbeit interessiert sich Regisseur JC Chandor, der auch das Drehbuch geschrieben hat, aber gar nicht. Die doch so konsequent durchgehaltene Innenperspektive bleibt auf diese Weise hohl."
Es entstehen laut Oliver Schmitt "sehenswerte Momente, in denen DER GROßE CRASH (
) die doppelzüngige Moral seiner Figuren offenbart. Jeder der Beteiligten steht in dieser Nacht mit dem Rücken zur Wand, handeln wird durch Selbsterhaltung bestimmt. Alptraumhaft wird der Automatismus einer Hierarchie vorgeführt, deren Basis mit Talent und Wissen ausgestattet ist und am oberen Ende geprägt ist vom Ziel, so viel Geld zu machen, wie es nur möglich ist. Verantwortung und Moral ist nur Teil der geheuchelten Realität. Man ist bereit alles zu tun, um zu retten, was zu retten ist."
Oliver Heilwagen lobt den Film. "Am Ende sind unzählige Existenzen zerstört und der Zuschauer versteht, warum. Obwohl er nur einer Meute übermüdeter Anzugträger zugehört hat, die sich unaufhörlich unterhalten. Dieser Geniestreich erinnert an den Klassiker DIE ZWÖLF GESCHWORENEN von 1957. Damals destillierte Regisseur Sidney Lumet aus den Hinterzimmer-Beratungen einer Justiz-Jury das Total-Panorama der US-Gesellschaft. Ähnliches leistet DER GROßE CRASH (
) für den globalisierten Casino-Kapitalismus."
Ein sehenswerter Thriller, meint Carsten Happe. "Konzentriert in Zeit und Ort – der Film spielt innerhalb von 24 Stunden und fast ausschließlich in den Büros und Fluren eines Bankgebäudes – entwirft Regiedebütant JC Chandor ein hochkomplexes Geflecht aus Abhängigkeiten, Beziehungen und Verstrickungen, sei es auf persönlicher Ebene oder beruflicher. Mehr noch als die brisante Thematik sind es die allzu menschlichen Ränkespiele um Macht und Einfluß, die immer stärker ins Blickfeld des Geschehens rücken."
Anke Westphal wurde vermittelt, "dass die Leute, die so viel Macht haben über die Weltwirtschaft und den Lebensverlauf anderer Menschen, entweder nicht wissen, was sie tun, oder aber, wenn sie es wissen, die Folgen billigend in Kauf nehmen. Das ist eigentlich nichts Neues. Dieser Film vermittelt das nun aber mit einer Ruhe und Gelassenheit, die viel erschütternder ist als die Gewissheit."
Georg Seesslen meint: "Der Film will einerseits mehr oder weniger nüchtern zeigen, wie das System funktioniert beziehungsweise wie es kaputtgeht, und andererseits die Menschen, die in diesem System beschäftigt sind, porträtieren."
U. Gellermann war angetan. "Was Chandor präsentiert ist ein Lehrstück, trocken und auf den Punkt der unendlichen Gier nach Profit gebracht. Das Stück ist dicht erzählt und auf das Wesentliche komprimiert. Es ist ein seltenes Stück Spielfilm, dessen Spannung aus der Wirklichkeit kommt."
Peter Claus lobt den Regisseur JC Chandor. "Er stellt deren Tun grundsätzlich in Frage und die Gier der Profithaie an den Pranger. Damit gelang ihm ein wirklich packendes Regiedebüt. Er treibt die Story mit Elan voran, setzt dabei aber nie auf Hektik, um die Dramatik anzuheizen, sondern auf die tatsächlichen menschlichen Tragödien, die sich in den Gesichtern seiner Schauspieler spiegeln."
José García sieht den Film so: „Der große Crash (
) – MARGIN CALL erklärt mit den filmischen Mitteln eines Beinahe-Kammerspiels und einer hervorragender Darstellerriege nicht nur die Hintergründe der aktuellen Finanzkrise. Chandors Film verdeutlicht darüber hinaus, dass es letztlich auf die dort arbeitenden Menschen ankommt, ob sie lediglich ihren Vorteil, ihre Karriere samt Reichtum und Luxus im Blick haben oder auch bereit sind, ihr Handeln nach ethischen Prinzipien auszurichten."
Warum auch nach unserer Generation Menschen für die Spekulanten-Verluste zahlen müssen, sah Günter H. Jekubzik in DER GROßE CRASH (
). "Es braucht nicht das geballte Schauspieltalent von Kevin Spacey, Jeremy Irons, Demi Moore, Paul Bettany und Zachary Quinto um uns die Hintergründe klar zu machen. Aber sie schaffen es immerhin, einen Film zu diesem tödlich trockenen und hochkomplexen Thema spannend zu machen."
Daniel Rehn war begeistert. "DER GROßE CRASH (
) ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Crashkurs in Sachen Finanz- und Spekulationswesen, der uns und unserer Gier den Spiegel vorhält. Der Profit im Jetzt ist wichtiger als die stabile Zukunft und die eigene Haut zu retten ist wichtiger, als sich um das Wohl des anderen zu kümmern. Deswegen ist es so gekommen, wie es kommen musste. Wir verloren, sie nicht..."
Daniel Erk meint: "Auch wenn das Thema noch halbwegs aktuell ist und der Film durchaus einen politischen Anspruch hegt, ist DER GROßE CRASH (
) vor allem ein klassischer Finanzthriller. Männer in Anzügen fahren Limousine und Aufzug, die Hochhäuser New Yorks funkeln bei Tag und in der Nacht. In Nebenrollen: Schnelle Autos, große Häuser, ein Hund, eine Exfrau und viele markige Worte. ... Außerdem geht es in DER GROßE CRASH (
) natürlich um die Moral der Märkte, die Käuflichkeit von Menschen und die Unausweichlichkeit von bestimmten Entscheidungen. Bloß bleibt beim Zuschauer von all der Tragik und Moral nicht viel hängen – denn dafür sind die Figuren zu nah am Klischee."
Cristina Nord hat etwas mehr erwartet. "Die Schauspieler - allen voran Jeremy Irons als Vorstandsvorsitzender - machen ihre Sache gut, trotzdem bleibt ein Unbehagen: Warum muss sich ein Spielfilm zur Finanzkrise so sklavisch an die Regeln des Erzählkinos halten? Warum zum Beispiel muss er unter seinen Figuren Sympathieträger etablieren, obwohl das ganze System marode ist? Wenn etwa der Abteilungsleiter Sam Rogers (Kevin Spacey) seine Hündin Ella einschläfern lassen muss, dann ist das eines jener menschelnden Details, die für die Dramaturgie, nicht aber für die Erklärung der Krise nötig sind. Es fällt offenbar sehr schwer, den Fantasieraum in andere Richtungen zu erweitern."
Christian Schröder und Andreas Conrad stellen fest: "Der „fire sale“ wird telefonisch abgewickelt, mit teils öligen, teil aggressiven Anrufen bei anderen Investmentbänkern, ein putziges Bild in einer Zeit, in der solche Geschäfte wohl eher am Computer stattfinden. Auch der Versuch, mit dem Verschwinden einer Nebenfigur eine zusätzliche Krimiebene einzuziehen, wirkt angestrengt. DER GROßE CRASH (
) reiht etwas zu viele Dialoge, in Konferenzräumen, Toiletten, im Auto, auf dem Hochhausdach. Der Film blickt in eine nahe Vergangenheit, was ihn auszeichnet, ist eine Atmosphäre des Todes, die ihn durchtränkt."
Florian Keller findet den Film banal. "DER GROßE CRASH (
) mag die nüchterne Antwort auf Oliver Stones frivole Fortsetzung von WALL STREET sein. Aber schlauer ist dieser Film nicht. Jeremy Irons als CEO kostet seine Zeilen so theatralisch aus, als hätte ein moderner Shakespeare sie geschrieben. Die Dialoge jedoch zünden selten, und nur zu oft fragt man sich, wie wohl ein smarter Drehbuchschreiber wie Aaron Sorkin (THE SOCIAL NETWORK (
)) die Prämisse von der letzten Nacht vor dem Crash dramatisch zugespitzt hätte."
Isabella Reicher resümmiert: "Der Film erzählt diese Geschichte zügig, aber ohne forcierte Getriebenheit: Die Kamera ist nah am Geschehen. Der Film ist ruhig montiert, selbst der Musikeinsatz ist zurückhaltend, und so stehen vor allem Unternehmenskultur und Lifestyle, Verhaltensweisen, Codes und Sprache der Banker im Zentrum des Films. Auf einer Bühne aus Großraumbüros und Konferenzsälen, Tiefgarage, Hochhausdach und Executive Lounge werden Positionen verhandelt, unterschiedliche Typen ein wenig profiliert - ohne psychologisierende Zuspitzungen oder einfache Täter-Opfer-Schematik."
Für Tiziana Zugaro schafft es DER GROßE CRASH (
) "recht gut, die unpersönliche Logik des Investmentmarktes mit unterschiedlichen Individuen zu verknüpfen und so ein sprödes Thema lebendig zu machen. Das Timing ist gut, die Spannung wird gehalten, tiefer gehende Finanzmarktkenntnisse werden nicht verlangt. Am Ende fragt man sich jedoch, was dieser zusätzliche Film über den großen Crash nun wirklich an Neuem beizusteuern hat. Und das ist: nicht viel."
Hannah Pilarczyk bilanziert: Das "Zeitkorsett gibt dem Film eine schöne Dringlichkeit und Dichte, die sich aus einem abstrakten Stoff wie der Finanzkrise nur schwer gewinnen lässt. Allerdings gelingt es Chandor nicht, seine Figuren ähnlich frisch wirken zu lassen. Vom Rookie, der das große Betriebsgeheimnis lüftet, bis zum Boss, der es wieder vertuscht, nimmt sich das Ensemble doch eher wie eine Ansammlung aus Versatzstücken anderer Wirtschaftsthriller aus."
"" - Die Zeit
DER GROßE CRASH - Offizielle Website (deutsch)
DER GROßE CRASH - Offizielle Website (englisch)
DER GROßE CRASH - Offizielle Facebook-Seite (englisch)
DER GROßE CRASH - imdb.com
DER GROßE CRASH - filmmag.de
DER GROßE CRASH - moviepilot.de