| Regie | Sebastian Grobler |
| Kinostart | 24.02.2011 |
Thomas Funke hat sich amüsiert. "DER GANZ GROSSE TRAUM (
) ist nämlich vor allem eine Komödie, und in dieser Hinsicht völlig anders als der eingangs angeführte DER CLUB DER TOTEN DICHTER. Die Stärke des Films liegt dabei nicht in der mehr oder weniger geschickten Einbettung "politisch relevanter" Themen, sondern in der maßlosen Übertreibung, wenn eine Braunschweiger Schulklasse des Jahres 1874 so aufmüpfig wird wie eine Kreuzberger des Jahres 2011, nur ohne Migrationshintergrund. Oder zumindest wie eine des Jahres 1968, als die Filmreihe Die Lümmel von der ersten Bank begann."
Einen großen Teil seines Witzes bezieht der Film laut Nadine Lange "aus der heutzutage völlig absurd erscheinenden Tatsache, dass Fußball einmal als "undeutsches", "anarchistisches" Spiel galt, das in manchen Landesteilen sogar verboten war. Dass genau hundert Jahre vor dem WM-Titel der bundesdeutschen Nationalmannschaft Kinder nicht wussten, was ein Tor ist, wirkt schon recht exotisch. Auch die von schwarzer Pädagogik geprägte, angsterfüllte Schulatmosphäre erscheint unendlich fern, wobei Grobler mit "Feuerzangenbowlen"-Humor dafür sorgt, dass der Ton nie zu ernst wird. Geschickt mischt er zudem zwei kleine Liebesgeschichten und die Klassenfrage in seine unterhaltsame Komödie hinein."
Daniel Kothenschulte sah ein harmloses, nichtsnutziges Fußballmärchen. "So frech und ungezwungen wie ein junger Goethe, der noch nicht mal hessisch spricht. Oder so lässig und souverän wie Daniel Brühl, der als Englischlehrer 1874 im frisch gebackenen Kaiserreich die Klassenschranken überwinden möchte. Dabei ist ihm ein Lederball behilflich, den er mit Füßen tritt. Die Schüler tritt er dafür nicht. Mit der Spielfreude zieht dann auch ein gänzlich unerhörter Gemeinsinn ein, der "ganz große Traum" gilt einer modernen, klassenlosen Gesellschaft."
Marten Hahn stellt fest: Es "stehen nicht die Erwachsenen im Mittelpunkt, sondern die Kinder. Sebastian Grobler erzählt die Geschichte eines Befreiungsschlags. Fußball ist noch unschuldig. Fern ist das Massenphänomen, dessen Maschinerie Milliarden umsetzt. Fern das Sommermärchen 2006. Fern Gewaltexzesse die in Filmen wie FOOTBALL FACTORY oder HOOLIGANS auf die Leinwand kamen. Sebastian Grobler setzt in dem Film auf die befreiende Kraft des Sports und den Spaß am Spiel. Der Gang ins Kino lohnt sich. Und sei es nur, um sich noch einmal verständlich die Abseits-Regel erklären zu lassen - von einer Frau."
Andreas Conrad war bei der Premiere des Films in Berlin.
Als weniger tragisch, eher rührend bezeichnet Oliver Fritsch den Film im Vergleich zu DER CLUB DER TOTEN DICHTER. "Koch wird dargestellt vom bärtigen Daniel Brühl. Der in Hollywood Erprobte (Inglourious Basterds (
), Das Bourne Ultimatum (
)) reicht nicht ganz heran an Robin Williams' Figur des Captains John Keating. Er wirkt zu wenig lehrerhaft, weiß aber seine Begeisterung für Fußball zu vermitteln. Brühl, der ein Fan des FC Barcelona und des 1. FC Köln ist, gelingt es sogar, den Ball zwanzig Mal zu jonglieren – ohne Kameraschnitt."
Peter Claus hat sich durchaus überzeugen lassen. "Ausstattung, Kostüme und Schauspiel sind tadellos. Auffallend geglückt ist die Kameraführung vor allem in den gut arrangierten und choreographierten Szenen, die die Eroberung des Sports mit Erfolgsbildern feiern – das erste Tor, der erste gehaltene Ball. Nur hat das Drehbuch die Charaktere mitunter arg klischiert gezeichnet. ... Bleibt Daniel Brühl. Man glaubt ihm den Fußballfanatiker. Der Schauspieler, im wahren Leben bekennender Barcelona-Fan, bringt Lust am Sport locker rüber. Seine Intensität ist das große Plus des Films."
Als ziemlich kleinen Traum bezeichnet Ekkehard Knörer den Film. Es gibt "Kino als Entertainment, dem eine in süßer Verpackung verabreichte Botschaft nicht schadet. Diese Botschaft ist auf der vorsichtig progressiven Seite, nichts tut hier weh, die Geschäftsrisiken, die es natürlich gibt, sind auf jeden Fall wohl kalkuliert. Ein Kino, das ein ganz kleines bisschen was wagt, sich dabei aber thematisch, handwerklich und in der Besetzung nach Möglichkeit absichert. Mit anderen Worten: durch und durch sozialdemokratisches Kino, in der Gesamtnote irgendwo zwischen befriedigend und ausreichend."
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